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Versteigerung : Wer hat John Lennons Geburtshaus gekauft?

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Newcastle Road 9 in Wavertree, Liverpool: John Lennons Geburtshaus Bild: dpa

Es ist unscheinbar, renovierungsbedürftig und gilt als historisch kaum bedeutsam. Trotzdem hat das erste Zuhause von John Lennon bei einer Auktion gut eine halbe Million Euro gebracht. Steckt Yoko Ono dahinter?

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          Bei einem Spaziergang durch Liverpools Straßen würde es niemandem auffallen, von den üblichen Touristenrouten ist es ohnehin weit entfernt. Doch das unscheinbare Reihenhäuschen Nummer 9 in der Newcastle Road hat ein Geheimnis, und das hat dem bisherigen Besitzer jetzt viel Geld gebracht: Beatles-Star John Lennon verbrachte hier die ersten fünf Jahre seines Lebens.

          Ein Stück Lennon zu besitzen - egal wie klein - war einem anonymen Bieter bei der Versteigerung des Hauses am Dienstagabend in Liverpool 480.000 Pfund (560.000 Euro) wert - doppelt so viel wie der maximal geschätzte Preis. Ein Vermögen im Vergleich zu den regulären Hauspreisen in der Straße. 33 Jahre nach dem Mord an Lennon und rund 50 Jahre nach dem Durchbruch der Beatles ist die „Beatle-Mania“ noch immer Gange.

          Bestes Beispiel dafür ist der Ort, an den die Immobilienfirma die Auktion verlegt hatte: Der Nachbau des legendären Cavern Clubs, von dem aus die Beatles Anfang der sechziger Jahre die Welt eroberten. Das Original war in den siebziger Jahren abgerissen worden. Fast jeden Abend spielt hier heute eine Beatles-Revival-Band, die Touristen kommen scharenweise. Liverpool, einstige Industriemetropole, die einen tiefen Fall erfahren musste, lebt heute zu großen Teilen von der Vermarktung seiner berühmtesten Söhne.

          Der Käufer will „vollkommen anonym bleiben“

          Doch wer ist der anonyme Bieter, der über Telefon aus den Vereinigten Staaten sämtliche Beatles-Fans vor Ort ausstach, die das Haus auch gerne ihr eigen genannt hätten? „Das war Yoko Ono am Telefon“, ist sich einer der früheren Besitzer des Hauses sicher. Die Witwe und zweite Frau von Lennon habe schon öfter Häuser gekauft, die mit Lennon in Verbindung ständen. Zustimmung von allen Seiten. Ist dies reine Spekulation oder mehr? Von der Immobilienfirma heißt es lediglich, der Käufer wolle „vollkommen anonym bleiben“.

          „Offen gestanden glaube ich nicht, dass das Haus das wert ist“, sagt Bieterin und Beatles-Fan Jackie Holmes. Am Telefon habe jemand geboten, der aufs Geld nicht achten müsse. Sie selber sei dann ausgestiegen: „Am Ende hat der gesunde Menschenverstand gesiegt.“

          Was jetzt aus dem Haus wird, in dem Lennon mit seiner Mutter lebte, bevor er von seiner Tante Mimi aufgenommen und großgezogen wurde, ist ungewiss. Lennon-Verehrer Jason Doll-Steinberg, der bis ganz zum Schluss mitgeboten hatte, hatte den Plan gehabt, das Haus wieder nahe an den Originalzustand aus der Zeit, in der Lennon dort lebte, zurückzuverwandeln.

          Nachdem er es besichtigt habe, sei er fasziniert gewesen: „Ich habe etwas ganz, ganz besonderes gespürt.“ Das Haus, das aus Wohn- und Esszimmer, Küche und drei Schlafzimmern besteht, sei sehr einfach, aber gemütlich. „Es fühlte sich fast so an, als könnte es aus einem Beatles-Song stammen.“

          Interesse kam nach Angaben von Christine Webb von der Immobilienfirma vor allem aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten gekommen: „Dass ein Beatles-Haus auf den Markt kommt, ist selten.“

          Als eigentliches offizielles Lennon-Zuhause in Liverpool gilt das seiner Tante Mimi in der Menlove Avenue. Hier wohnte der Musiker bis zu seinem 23. Lebensjahr. Zusammen mit Paul McCartney schrieb er dort den ersten Nummer-1-Hit der Beatles „Please Please Me“. Das Haus gehört heute der britischen Denkmalstiftung und ist öffentlich zugänglich. Verkauft hatte es damals eine Frau, der das Erbe Lennons besonders am Herzen liegt: Seine Witwe Yoko Ono.

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