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Versteigerung auf Facebook : 500 Kühe für eine Braut

Im Südsudan sind Kühe heilig. Verheiratet man seine Töchter, bekommt man Rinder geschenkt. Bild: Reuters

Die Digitalisierung macht auch vor alten Bräuchen keinen Halt: Im Südsudan suchte eine Familie via Facebook nach dem Höchstbietenden für die Heirat mit ihrer Tochter – und bekam 500 Kühe, drei Autos und 10.000 Dollar.

          Die Eltern von Nyalong Ngong Deng Jalang hatten ein altes sudanesisches Brauchtum ins Internetzeitalter übertragen: Wochenlang hatten sie das 17 Jahre alte Mädchen auf Facebook zur Heirat angeboten. Der Mann, der bereit wäre, die meisten Kühe zu zahlen, würde die Jungfrau aus Awerial zur Frau bekommen. Am Ende machte der Unternehmer Lok Alat das Rennen – ein Selfmademillionär, der in den neunziger Jahren seine Karriere angeblich im kenianischen Flüchtlingslager Kakuma mit einem Kleinkredit begann. Für das Mädchen vom Stamm der Dinka war er bereit, einen Brautpreis von 500 Kühen, drei V8-Landcruisern und 10.000 Dollar in bar zu zahlen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Weil eine Kuh in Südsudan gegenwärtig einen Marktwert zwischen 5000 und 21.000 Südsudanesischen Pfund hat, mithin zwischen ungefähr 40 und 161 Dollar, wie die Klatschreporter der ugandischen Nachrichtenseite „Edge“ penibel nachrechneten, und ein gebrauchter, aus Dubai importierter V8-Geländewagen in Südsudans Hauptstadt Juba gut 5000 bis 10.000 Dollar kostet, dürfte eine Summe zwischen 45.000 und 120.000 Dollar für die Braut zusammengekommen sein.

          Den Sudanesen sind Kühe heilig. Befremdlich wirkt es bisweilen auf Helfer aus dem Westen, dass sie ihre Kühe auch dann nicht schlachten, wenn sie selbst hungern. Aus der Luft kann man riesige Herden sehen. Kaum eine Hochzeit im Sudan geht ohne Kuhhandel über die Bühne – und weil viele Familien kinderreich sind, findet in der Regel eine Art Ringtausch statt: Verheiratet man seine Töchter, bekommt man Rinder geschenkt, verheiratetet man seine Söhne, gibt man sie wieder ab.

          Auch der Vize-Gouverneur bot mit

          Als Richtschnur für den Brautpreis kann der Preis dienen, der derzeit für eine Scheidung zu entrichten ist, und der liegt in der Region bei 30 Kühen. Lol Alat, der bereits neun Ehefrauen hat, hat sich sein zusätzliches Eheglück also einiges kosten lassen. Er musste im Kampf um die Gunst der umworbenen Jungfer auch einige Mitbewerber ausstechen: darunter David Mayom Riak, den Vize-Gouverneur aus der Provinz der Braut, der 353 Kühe plus ein paar schöne Ländereien zu bieten bereit war, und einen Herrn Mawut aus dem Ort Aliab, der mit einem Gebot von 150 Rindern aber schon relativ früh aus dem Rennen war.

          Begonnen hatte die Auktion am 25. Oktober, und weil der alte Brauch in diesem Fall dank neuer Medien schnell auch jenseits des Sudans Aufmerksamkeit fand, erregte er bald die Gemüter. „Diese Praxis stellt eine schwere Verletzung der Menschenrechte dar und verletzt die Rechte des Mädchens“, sagte Monica Adhiue, die stellvertretende Direktorin der Südsudanesischen Allianz weiblicher Anwälte, gegenüber „Voice of America“. Die Heirat sei traurig und schockierend. Sie sorge sich seitdem um die Ausbildung der jungen Frau, die mit dem Millionär an ihrer Seite zudem dem Risiko von Gewalt ausgesetzt sei. „Das Kind wurde zur Ware degradiert.“

          Etwas milder gestimmt war die südsudanesische Anwältin Suzy Natana. Sie findet, der Tausch von Bräuten gegen Kühe sei auch in Zeiten von #MeeToo nicht prinzipiell schlecht, weil es „zu unserer nationalen Kultur gehört“. Allerdings sollte man das Mindestalter bei derartigen Deals auf 18 Jahre heraufsetzen.

          Im Dorf der Braut feierte, als der Verkauf über die Bühne gebracht worden war, die gesamte Gemeinschaft mit Musik und Tanz, und junge Damen von Nah und Fern gratulierten der Auserwählten zu ihrem Glück.

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