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Auflagen für Boris Becker : Ein Geschäft darf er nicht führen

In den Miesen: Boris Becker, hier im Juli in Hamburg. Bild: dpa

Der ehemalige Tennisprofi Boris Becker kämpft weiter mit seinen Schulden. Seine Insolvenzauflagen wurden nun verlängert. Wie der als vermögend bekannte Mann in so gravierende finanzielle Probleme geraten konnte, ist nicht ganz klar.

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          Boris Becker muss noch weitere zwölf Jahre unter britischen Insolvenzauflagen leben. Dem hat der ehemalige Tennisstar zugestimmt, wie die Behörde Insolvency Service auf der Internetseite der britischen Regierung schreibt. Die Restriktionen für zahlungsunfähige Personen werden für den Einundfünfzigjährigen bis zum 16. Oktober 2031 verlängert. Zu den Einschränkungen zählt beispielsweise die Pflicht, seine Gläubiger über seine Vermögenssituation umfassend zu informieren und ihnen jedes Darlehen von mehr als 500 Pfund vorab zu melden. Auch darf der dreimalige Wimbledon-Sieger in Großbritannien kein Unternehmen führen. Er kann aber trotz dieser Restriktionen über sein verbliebenes Vermögen frei entscheiden, betonte sein Anwalt.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der Londoner High Court hatte Becker, der im Londoner Stadtteil Wimbledon lebt, auf Antrag von Gläubigern Mitte 2017 für zahlungsunfähig erklärt. Normalerweise enden die Auflagen für Personen, die in eine Pleite rutschen, in Großbritannien nach einem Jahr, schrieb der Insolvency Service, „aber wegen der Art von Herrn Beckers Handlungen“ seien sie in diesem Fall nun gleich um zwölf Jahre verlängert worden. Begründet wird dies damit, Becker habe vor und nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens finanzielle „Transaktionen“ über 4,5 Millionen Pfund (mehr als fünf Millionen Euro) nicht ordnungsgemäß offengelegt. Diese Transaktionen würden weiter untersucht.

          Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser sagte: „Unser Mandant hat gegenüber dem Insolvenzverwalter keine Vermögenswerte (auch nicht die erwähnten 4,5 Millionen Pfund) unterschlagen oder verheimlicht.“ Becker habe Vermögenswerte, „die ihm allerdings nach seiner Auffassung gar nicht zustehen, zu spät angegeben“. Daraus resultierte der nun formulierte Vorwurf.

          Ursachen der Verschuldung nicht ganz klar

          Der gefallene Star meldete sich auf Twitter selbst zu Wort. Zunächst dankte er für die „mediale Anteilnahme“, dann räumte er einen Fehler ein: „Fakt ist, dass ich zwölf Jahre kein Geschäftsführer einer englischen Firma sein darf – aufgrund einer verpassten Deadline von Infos meinerseits.“ Becker bekräftigte, dass er den Hauptgläubiger – gemeint ist die Bank Arbuthnot, Latham & Co, der er fast vier Millionen Pfund schuldete –, komplett zufriedengestellt habe. Er sei guter Dinge, die Schulden bei den restlichen Gläubigern, die er als sechsstellige Summe bezeichnete, bis Weihnachten zu begleichen. Das wäre dann das Ende des Insolvenzverfahrens, schrieb Becker.

          Wie Becker in so hohe Schulden rutschen konnte, ist bis heute nicht ganz geklärt. Die einen verweisen auf einen teuren Lebensstil mit luxuriösen Immobilien in London und auf Mallorca, die anderen auf fehlgeschlagene geschäftliche Investments und Beteiligungen. Die Scheidung von seiner ersten Frau Barbara vor acht Jahren soll ihn einen höheren Millionenbetrag gekostet haben.

          In diesem Sommer erbrachte die Zwangsversteigerung von 80 persönlichen Gegenständen und Pokalen, gegen die sich Becker zuvor heftig gewehrt hatte, insgesamt 687000 Pfund (umgerechnet fast 800000 Euro). Zu den versteigerten Objekten zählten Uhren, Medaillen, sogar Kleidungsstücke und einige seiner Sport-Trophäen.

          Den höchsten Zuschlag gab es für eine Replik des US-Open-Pokals (150250 Pfund). Insolvenzverwalter Mark Ford zeigte sich danach zwar zufrieden, monierte aber, dass einige der wichtigsten Becker-Trophäen noch fehlten, vor allem sechs von Beckers Erfolgen in Wimbledon. Die hoffe er noch zu finden.

          Nachdem Becker sich zu seinem Insolvenzverfahren geäußert hatte, twitterte er am Mittwoch hauptsächlich über ein Schachturnier, das er in Bukarest eröffnet hat. Nach 13 Zügen war er dort Schachmatt. Becker kommentierte trocken: „Ich habe es versucht.“

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