https://www.faz.net/-gum-ryod

Vereinigte Staaten : Cheney: Einer der schlimmsten Tage meines Lebens

  • Aktualisiert am

Cheney auf dem Weg zum Fernsehinterview Bild: AP

Der Jagdunfall von Dick Cheney, bei dem er statt einer Wachtel einen Anwalt anschoß, ist ein gefundenes Fressen für die Opposition. Jetzt hat der amerikanische Vizepräsident sich doch einmal öffentlich geäußert.

          4 Min.

          Der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney hat persönlich die Verantwortung für den Jagdunfall übernommen, bei dem er am Samstag einen texanischen Anwalt angeschossen hatte. Cheney sagte am Mittwoch dem Fernsehsender Fox News, für diesen Vorfall lasse sich „niemand anders“ verantwortlich machen als er selbst. Schließlich sei er derjenige, „der den Abzug gedrückt hat“. Cheney sagte, es habe sich „um einen der schlimmsten Tage meines Lebens“ gehandelt.

          Der Vizepräsident war in den vergangenen Tagen heftig dafür kritisiert worden, daß er sich nicht persönlich zu dem Unfall geäußert hatte. Er hatte vor dem Interview nur zwei sehr knappe schriftliche Statements zu dem Vorfall über sein Büro verbreiten lassen. Seit dem Jagdunfall, bei dem er statt einer Wachtel einen Anwalt anschoß, schütten Talkmaster, Kolumnisten und Zeitungsmacher kübelweise Spott und Häme über ihn aus.

          Doch der Vorfall ist viel zu ernst, als daß ihn auch das Weiße Haus mit Humor abtun könnte. Nicht nur, daß der Zustand des Opfers schlimmer ist als zunächst angenommen: Nach Angaben der Ärzte erlitt der 78jährige Harry Whittington eine leichte Herzattacke, nachdem eine der Schrotkugeln in sein Herz abwanderte. Auch läßt der Vorfall die generelle Kritik am geheimniskrämerischen Stil des Vizepräsidenten aufleben, der als Drahtzieher des unpopulären Irak-Krieges gilt.

          Cheney bei der Jagd in South Dakota
          Cheney bei der Jagd in South Dakota : Bild: AP

          In der Bredouille

          Es ist nicht so sehr der fehlgegangene Schuß an sich wie sein späterer Umgang mit dem Malheur, der Cheney nun in die Bredouille bringt. Er hatte nach dem Vorfall vom Samstag zunächst darauf verzichtet, die Öffentlichkeit zu informieren. Statt dessen war es Katharine Armstrong, die Besitzerin der südtexanischen Ranch, auf der Cheney seinen Jagdausflug unternommen hatte, die mit einem Tag Verspätung eine Lokalzeitung anrief und die Berichterstattung ins Rollen brachte. „Wir werden nie wissen, ob das Büro des Vizepräsidenten jemals den Vorfall bekanntgeben hätte“, hätte Armstrong nicht von sich aus beschlossen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, konstatierte der Kolumnist David Ignatius in der „Washington Post“.

          Cheney wich seit dem Vorfall aber auch weiterhin den Reportern in Washington aus. Bislang gab er dazu lediglich zwei knappe schriftliche Statements ab. In dem ersten gestand er ein, die Jagdgebühr von sieben Dollar nicht gezahlt zu haben. Im zweiten teilte er mit, in „Gedanken und Gebeten“ bei Whittington und dessen Familie zu sein. Den oppositionellen Demokraten ist das natürlich viel zu wenig. Sie geißelten das Verhalten des Vizepräsidenten als Ausdruck einer allgemeinen Geisteshaltung - die Regierung weigere sich beharrlich, „Informationen herauszugeben, die für alle wichtig sind“, wetterte die Senatorin und frühere First Lady Hillary Clinton, die sich nach Meinung vieler schon für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur 2008 in Stellung bringt.

          Objekt ständiger Kaffeesatzleserei

          In der Tat verkörpert Cheney wohl wie kein anderer eine in der Bush-Regierung besonders ausgeprägte Abwehrhaltung gegenüber den Medien. Der Vizepräsident spricht generell nur ungern mit Journalisten und tritt auch nur selten als Redner auf - dann aber vor ihm wohlgesonnenen konservativem Publikum. Am liebsten betätigt sich der 65jährige, der vor seinem Amtsantritt 2001 bereits vier Herzattacken erlitten hatte, als Strippenzieher hinter den Kulissen.

          Weitere Themen

          Die Untersuchung kommt Trump immer näher

          Sturm aufs Kapitol : Die Untersuchung kommt Trump immer näher

          Welche Rolle spielte der ehemalige Präsident beim Sturm aufs Kapitol? Inzwischen werden Schlüsselzeugen im Untersuchungsausschuss gehört. Der ehemalige Trump-Berater Steven Bannon erscheint nicht zum Termin – ihm drohen juristische Folgen.

          Topmeldungen

          Die Verfassungsrichter Susanne Baer und Stephan Harbarth am 15. Januar 2019 in Karlsruhe

          Bundesverfassungsgericht : Ein Abendessen mit Nebenwirkung

          Im Juni trafen sich Bundesverfassungsrichter mit Mitgliedern der Bundesregierung. Daraufhin versuchte es erst die AfD mit einem Befangenheitsantrag. Nun hatte das Gericht über einen weiteren zu entscheiden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.