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Ein völlig eigener Stil : Wie eine Rathauschefin Familie und Beruf vereinbart

Eliza Diekmann im Treppenhaus der Behörde, der sie vorsteht: dem Coesfelder Rathaus Bild: Stefan Finger

Für Politikerinnen ist es besonders schwierig, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Eliza Diekmann ist Mutter zweier kleiner Kinder, Bürgermeisterin von Coesfeld – und schafft den Spagat.

          10 Min.

          Gleich zur Begrüßung bietet einem die Bürgermeisterin das Du an. Das macht sie immer so, schon seit dem Wahlkampf: Alle Menschen in der nordrhein-westfälischen 36 382-Einwohner-Stadt Coesfeld dürfen frei entscheiden, wie sie es mit der Anrede halten wollen. Die rund 360 Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch. „Ich hab noch keine Situation erlebt, wo ich das Sie gebraucht hätte“, sagt die Bürgermeisterin: eine schmale Person in Dunkelblau mit weißen Turnschuhen und verbindlichem Lächeln. Selbst bei Konflikten funktioniere dieser persönliche Umgangston gut. „Wir arbeiten eher an den Bedürfnissen: Was steckt dahinter? Wie schaffen wir es, das zu lösen?“ Keine drei Minuten und schon ist klar: Diese Frau hat nicht nur den ein oder anderen Elternratgeber zum Thema bedürfnisorientierte Erziehung verinnerlicht. Sie steht für einen völlig eigenen Politikstil.

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Bürgermeisterin heißt Eliza Diekmann und ist gerade mal 36 Jahre alt. 67 Prozent der Coesfelder haben sie im Herbst 2020 gewählt – gewissermaßen aus dem Nichts. Über Jahrzehnte standen CDU-Männer an der Spitze der Gemeinde. Seither führt eine parteilose junge Mutter das Rathaus, die zwei kleine Kinder hat, aber keinerlei Erfahrung in Kommunalpolitik und Verwaltung. Außerdem ist sie allein, sie selbst würde sagen: getrennt erziehend. Grund genug für eine Reise nach Coesfeld. Wie hat diese Frau das geschafft? Was kann man von ihr lernen? Und funktioniert das alles überhaupt?

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