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Verdi-Haus : La Forza del Denaro

  • -Aktualisiert am

Große Oper: Die Loggia des Palazzo Orlandi in Busseto. Bild: Getty Images

Ein Schatten liegt über dem 200. Geburtstag von Guiseppe Verdi: Der Palazzo Orlandi, in dem der Komponist lebte, steht zum Verkauf und könnte in chinesische oder russische Hände fallen.

          Der 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi an diesem Mittwoch oder Donnerstag wird auf der ganzen Welt gefeiert – er feierte stets den 9., aber das Taufregister der Gemeinde von Roncole spricht vom 10. Oktober. Nur in seiner Geburtsstadt Busseto in der Nähe von Parma liegt ein Schatten über diesem Jubiläum, denn der Palazzo Orlandi, den sich der Komponist 1845 kaufte und in dem er von 1849 bis 1851 mit der Sängerin Giuseppina Strepponi lebte, steht zum Verkauf. Offenbar will keine einzige der vielen italienischen Institutionen, die das Andenken des Nationalkomponisten ehren, die Immobilie erwerben. Dabei entstanden dort die Opern Luisa Miller, Stiffelio und Rigoletto.

          Über Jahre war das dreistöckige Gebäude mit Innenhof und kostbaren Holzdecken und Stuckaturen Verdi-Museum. Zudem wurden Erinnerungsstücke an den 1867 in Parma geborenen Dirigenten Arturo Toscanini gezeigt, der dort 1913 und 1926 bei der späteren Eigentümerfamilie Orlandi zu Gast war. Irgendwann musste das Museum schließen, weil die Familie die Kosten für den Erhalt der Gedenkstätte nicht mehr aufbringen konnte. Über längere Zeit hätten die Orlandis jetzt versucht, einen Käufer zu finden, berichtet die örtliche Presse. Aber vergebens. Nun wurde die große Immobilienagentur Héra International Real Estate in Mailand beauftragt, den neoklassizistischen Bau des ebenfalls in Busseto geborenen Architekten und Malers Giuseppe Cavalli meistbietend zu verkaufen.

          Mangelnde Zusammenarbeit mit dem Staat

          Die örtliche Presse kann darin aber wenig Gutes erkennen. Die Orlandis hätten die Agentur zwar gebeten, einen italienischen Käufer zu bevorzugen, aber die Agentur habe beste Verbindungen nach Russland und China. Da könne es leicht geschehen, dass Verdis Haus in fremde Hände komme, zumal da man ja wisse, wie beliebt Giuseppe Verdi gerade in China und Russland sei.

          Die Bürger von Busseto waren seinerzeit nicht gerade zuvorkommend gegenüber Verdi. Die Leute mokierten sich über sein außereheliches Leben mit der Strepponi. Verdi zog deshalb nach nur zwei Jahren aufs Land in die nahe Villa Agata, wo seine Eltern bis dahin gelebt hatten. Giuseppina Strepponi verkaufte das Haus in Busseto schon 1888 – lange vor Verdis Tod im Jahr 1910.

          Heute wird auch in Busseto darüber geklagt, dass es in Italien an einer Zusammenarbeit der alten Familien mit nationalem Erbe und dem Staat mangele. Der Staat müsse sie bei der Erhaltung dieses Erbes eigentlich unterstützen. Immerhin verabschiedete das Parlament in Rom im November 2012 ein Gesetz, das 6,5 Millionen Euro für das staatlich betreute Geburtshaus Verdis in Roncole und die Villa Agata freisetzen soll. Vom Palazzo Orlandi in privaten Händen ist in dem Gesetz aber nicht die Rede.

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