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Verdeckte Ermittlung : Mein Date mit Phillip von Senftleben

Frauen- und Männerversteher in Personalunion – Dienstleister Phillip von Senftleben in seinem Rundfunkstudio Bild: Steffen Jaenicke

„Der Flirter“ Phillip von Senftleben hört sich im Radio ziemlich cool an. Er ruft dort wildfremde Frauen an und kriegt sie dazu, ihre Handynummer herauszurücken. „Ist der wirklich unwiderstehlich?“ fragte sich Katrin Hummel - und traf ihn quasi „privat“.

          7 Min.

          „Ich freue mich sehr, Sie zu hören“, sagt Phillip von Senftleben, 42, als erstes. „Warum freuen Sie sich, Sie kennen mich ja noch gar nicht?“ frage ich. Er meint, meine Stimme klinge ganz bezaubernd, irgendwie zerbrechlich, so dass er sehr behutsam mit mir umgehen müsse.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich will mich ihm unerkannt nähern, ihn sozusagen ausspähen. Nicht als Journalistin, sondern als unglückliche Alleinerziehende aus dem Münsterland. Meine Geschichte: Geschieden, zwei Kinder, verliebt in den Fußballtrainer meiner Söhne. Meine Mission: Herausfinden, wie Phillip von Senftleben sich verhält, wenn er nicht auf Sendung ist.

          Zwei Stunden „privates Flirtcoaching“

          Wie man an ihn herankommt, habe ich im Internet recherchiert: Ein Klick auf seine Homepage „Der Flirter“ zeigt, dass man ihn nicht nur im Radio hören, sondern auch im wirklichen Leben kennen lernen kann. Und zwar, indem man entweder ein Flirt-Seminar bei ihm bucht - oder eine Einzelbetreuung für 120 Euro die Stunde. Ich entscheide mich für die Einzelbetreuung, denn ich will mich ihm so privat wie möglich nähern. Also buche ich zwei Stunden „privates Flirtcoaching“.

          Zunächst telefoniere ich mit Senftlebens Geschäftspartner Dirk Stiller. Ich muss oft anrufen, bis er versteht, dass ich kein Gruppenseminar will, sondern eine Einzelbetreuung. Das scheint nicht so oft vorzukommen. Doch Stiller ist von Anfang an sehr höflich, fast besorgt, als fürchte er, ich könne mich vor lauter Verzweiflung von einer Brücke stürzen. Vielleicht liegt auch das an meiner Stimme. Die habe ich nämlich verstellt, weil ich mich möglichst verzweifelt anhören will.

          Von Berlin nach Münster

          Nachdem Stiller die geschäftlichen Dinge geklärt hat (ich zahle die 240 Euro im Nachhinein, per Überweisung), ruft Senftleben mich an. Unser Telefonat soll dazu dienen, das Flirt-Coaching inhaltlich vorzubereiten. Er sagt, dass er von Berlin nach Münster kommen will, um mich zu treffen, weil er sowieso auf dem Weg ins Ruhrgebiet sei. Da könne man das doch verbinden, dann sei es für mich nicht so teuer. Und wir könnten auch ruhig länger machen als die zwei Stunden, falls es so richtig nett werde. Das müsse ich dann nicht bezahlen. Ich denke: Entweder hat er wirklich Spaß an seinem Job. Oder er arbeitet schon daran, mich ins Bett zu kriegen, bevor er mich überhaupt gesehen hat. Oder beides.

          Nachdem der Termin steht, bittet er mich, ihm schon mal ein Foto von mir zu mailen: Er will angeblich checken, wie ich aussehe, damit er weiß, wie ein Mann mich wahrnimmt. „Sie kennen doch die Theorie vom sexuellen Marktwert?“ fragt er. Sein Coaching sei zwar sehr individuell, aber „manche Dinge funktionieren eben immer. Wir kommunizieren auch durch unser Aussehen.“ Aber natürlich gehe es vorrangig um innere Werte. „Ich habe mich gerade wieder in eine Dame verliebt, nur am Telefon“, erzählt er und signalisiert mir damit, dass er sich auch in mich jederzeit verlieben könnte, wenn ich mir nur ein bisschen mehr Mühe mit ihm geben würde.

          „Ich bin etwas hingerissen von Ihnen.“

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