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Feiertage in Deutschland : Christi Himmelfahrt und Vatertag: Deshalb fallen die Feste zusammen

Eine Gruppe junger Männer feiert den Vatertag mit einem mit Bier gefüllten Bollerwagen in Isernhagen in Niedersachsen. Bild: dpa

An Christi Himmelfahrt wird in Deutschland auch Vatertag gefeiert. Doch kaum jemand kennt die Bedeutung und den Ursprung dieser Feiertage. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

          5 Min.

          In diesem Jahr wird am Donnerstag, 26. Mai 2022, Christi Himmelfahrt gefeiert. Der Tag ist in ganz Deutschland ein gesetzlicher Feiertag. Doch anders als etwa an Weihnachten und Ostern wissen die wenigsten, worum es an diesem kirchlichen Feiertag eigentlich geht. Bekannter hingegen ist der Vatertag, der in Deutschland ebenfalls an diesem Tag gefeiert wird – meist mit viel Alkohol. Doch welchen Ursprung haben die Feste und was bedeuten sie?

          Warum feiern wir Christi Himmelfahrt?

          Katharina Ganz
          Redakteurin

          Die Feste im christlichen Kirchenjahr orientieren sich am Leben Jesu, wovon in den vier Evangelien im Neuen Testament der Bibel berichtet wird. So wird Jesu Geburt an Weihnachten, sein Tod an Karfreitag und seine Auferstehung an Ostern gefeiert. Im Lukas-Evangelium wird Christi Himmelfahrt erwähnt, aber auch in der Apostelgeschichte wird zumindest am Rande davon berichtet. Lukas schildert die Himmelfahrt nur sehr knapp. Es heißt dort: „Und es geschah, während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.“ In der Apostelgeschichte steht: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“

          Ein eigenes Himmelfahrtsfest gibt es erst seit dem 4. Jahrhundert. Zuvor wurde es gemeinsam mit der Auferstehung Christi an Ostern gefeiert. Allgemein verbreitet ist Christi Himmelfahrt erst seit dem 5. Jahrhundert.

          Was passierte an Himmelfahrt?

          Das Bild von Jesus, der auf einer Wolke in den Himmel steigt, ist oft Gegenstand der Bildenden Kunst und der Kirchenmalerei. In der Theologie wird Christi Himmelfahrt aber nicht als eine reale Reise verstanden. Sie steht vielmehr sinnbildlich dafür, dass Jesus nicht mehr als Mensch auf der Erde weilt, sondern dass der auferstandene Jesus Christus „bei Gott ist“. Der Himmel ist also kein geografischer Ort. Deutlicher wird das zum Beispiel in der englischen Sprache. Der geografische Himmel heißt dort „sky“, der biblische wird als „heaven“ übersetzt.

          Himmelfahrt ist im christlichen Glauben also die Erklärung dafür, dass Jesus zwar lebt, aber nicht mehr in körperlicher Gestalt bei seinen Jüngern ist. Vielmehr ist es sein Geist, der Heilige Geist, so glauben es die Christen, der heute noch unter ihnen ist.

          Warum ist Christi Himmelfahrt immer an einem Donnerstag?

          Christi Himmelfahrt wird immer 40 Tage nach Ostern gefeiert, also am 39. Tag nach Ostersonntag. Der Grund: In der Bibel steht, dass sich Jesus Christus nach seiner Auferstehung an Ostern noch 40 Tage lang den Aposteln gezeigt hat, ehe er in den Himmel aufgefahren ist. Das Himmelfahrtsfest kann deswegen von Jahr zu Jahr ein unterschiedliches Datum haben, fällt aber immer auf einen Donnerstag.

          Wie feiern die Christen Christi Himmelfahrt?

          Vor allem in der katholischen Kirche ist Christi Himmelfahrt ein besonderer Feiertag. Schon im Mittelalter wurde in vielen Kirchen im Gottesdienst eine Jesusfigur an einem Seil durch ein Loch in der Decke hinaufgezogen. Aus diesem „Heilig-Geist-Loch“ regnete es anschließend Blumen, Heiligenbildchen und teilweise auch „brennendes Werk“, meist brennendes Flachs, das die Feuerzungen des Heiligen Geistes darstellen sollte. Dieser Brauch ist allerdings selten geworden und wird laut Erzbistum Köln nur noch vereinzelt in Süddeutschland und Tirol durchgeführt.

          Wie die evangelische Kirche in Hessen und Nassau berichtet, sei es auch manchmal üblich gewesen, aus dem Gewölbehimmel eine Teufelsfigur zu stürzen, die dann von der Gemeinde geschlagen wurde. Mit diesem Himmel- oder Höllensturz sollte symbolisch das Ende der Herrschaft des Bösen gezeigt werden. Jesus konnte damit den ihm zustehenden himmlischen Thron besteigen. Verbreitet war es außerdem, dass Christen an diesem Tag nur Geflügel, „fliegendes Fleisch“, essen, damit auch zu Hause der Himmelfahrt Christi gedacht wurde.

          Ein weiterer Brauch waren früher die sogenannten Bitttage in der Woche vor Christi Himmelfahrt. Bei diesen Gebets- und Prozessionstagen baten Bauern Gott um eine fruchtbare Ernte und Schutz vor Unwettern. Neben Prozessionen sind heute auch noch Gottesdienste in Pfarrgärten, Wäldern und auf Bergen üblich.

          Wo ist Christi Himmelfahrt ein Feiertag?

          Nicht nur in Deutschland bleiben an Christi Himmelfahrt Kindertagesstätten, Schulen, Büros und Geschäfte geschlossen. Auch in der Schweiz, in Österreich, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, Dänemark, Frankreich, Finnland, Niederlande, Norwegen, Schweden, Island, Grönland, Namibia, Madagaskar, Indonesien, Haiti und Kolumbien ist der Tag ein gesetzlicher Feiertag. In Liechtenstein und in der Schweiz wird der Tag auch „Auffahrt“ genannt.

          Wo Christi Himmelfahrt kein gesetzlicher Feiertag ist, wird es kirchlich auf den darauffolgenden Sonntag verlegt. So ist es zum Beispiel in Italien, Polen und Tschechien. In Deutschland ist der Tag seit den 1930er Jahren ein gesetzlicher Feiertag.

          Warum ist Vatertag an Christi Himmelfahrt?

          Vielen Menschen ist Christi Himmelfahrt vor allem als Vatertag bekannt. In Ostdeutschland wird er auch als Herrentag oder Männertag bezeichnet. Männer feiern diesen Tag feuchtfröhlich und ziehen mit Bollerwagen durch die Landschaft, verabreden sich zu Fahrrad-, Wander- oder Kneipentouren. Ob der Vatertag seinen Ursprung in Christi Himmelfahrt hat – darüber scheiden sich die Geister. Der Brauch soll seine Wurzeln sowohl in der christlichen als auch der heidnischen Kultur haben. Dem Erzbistum Köln zufolge waren neben den Bitttagen auch Flurumgänge in der Woche vor Christi Himmelfahrt üblich. Sie sollten an den Gang der Jünger zum Ölberg erinnern, wo sie sich von Jesus verabschiedet haben. Die Ausflüge am Vatertag könnten also auf diesen Gang der Jünger zurückgehen.

          Die Wurzeln dieses Brauchtums könnten aber auch auf einen germanischen Rechtsbrauch zurückzuführen sein. Demnach mussten Grundeigentümer einmal im Jahr ihren Besitz umschreiten, um den Anspruch darauf aufrechtzuerhalten. Auch daraus könnte die Vatertagswanderung resultieren.

          Eine andere Erklärung bezieht sich auf eine veränderte Gesellschaftsstruktur zu Zeiten der Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert. Viele Männer zogen vom Land in die Stadt, um zu dort zu arbeiten. Feiertage des Christentums wurden seltener im Kontext der Kirche gefeiert, und das Thema Freizeit rückte bei den Arbeitern vermehrt in den Vordergrund. Der freie Tag an Christi Himmelfahrt wurde also eine willkommene Gelegenheit, Ausflüge mit Freunden zu unternehmen.

          Warum trinkt man an Vatertag Alkohol?

          Auch dass es am Vatertag feuchtfröhlich zugeht, wird unter anderem auf die altertümlichen Bräuche zurückgeführt. Die Prozessionen, bei denen Flur und Ernte gesegnet und die Grundstücke rechtlich neu abgesteckt wurden, endeten nicht selten mit Speis und Trank, Tanz und Musik.

          Doch das fröhliche Fest zu Vatertag hat auch Schattenseiten: Vor Ausbruch der Corona-Pandemie, am Vatertag im Jahr 2019, gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts so viele Unfälle mit Alkoholeinfluss wie an keinem anderen Tag des Jahres. Bei 160 dieser Unfälle kamen den Angaben zufolge Menschen zu Schaden – ebenfalls der höchste Wert des Jahres 2019 an einem Tag.

          Wann ist internationaler Vatertag?

          Vatertag wird auf der ganzen Welt gefeiert, allerdings überall auf andere Art und Weise und an unterschiedlichen Daten. Während hierzulande Männer an Christi Himmelfahrt hauptsächlich unter sich bleiben, wird der Tag in den Niederlanden, in Frankreich, in der Türkei und vielen Ländern Südamerikas am dritten Sonntag im Juni ganz anders gefeiert. Nämlich ähnlich wie der Muttertag: Väter bekommen von ihren Kindern Frühstück ans Bett gebracht, ein Gedicht vorgetragen oder Geschenke gemacht.

          In der Schweiz wird der Vatertag inoffiziell erst seit dem Jahr 2007 gefeiert und ist dementsprechend dort nicht sonderlich weit verbreitet. Die Einführung geht auf die Männerorganisation männer.ch zurück. Seit 2009 findet er immer am ersten Wochenende im Juni statt und wird ebenfalls ähnlich wie der Muttertag gestaltet.

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