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Jamie Foxx kniet bei einer Demo in San Francisco als Geste des Protests gegen Polizeigewalt. Bild: Reuters

Stars gegen Rassismus : Die Show muss pausieren

  • -Aktualisiert am

Jamie Foxx kniet nieder, George Clooney schreibt einen Essay und Sängerin Halsey wird bei einer Demonstration verletzt: In den Vereinigten Staaten positionieren sich Stars gegen Rassismus. Eine Hashtag-Aktion findet auch in Deutschland Unterstützer.

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          Keine Selfies am Pool, keine Schnipsel aus Musikvideos, keine Werbung für Kosmetikprodukte: Belanglose Unterhaltung und Zerstreuung suchen Fans von zahlreichen amerikanischen Stars wie Rihanna, LeBron James, Kylie Jenner, der Band Mumford & Sons und vielen mehr am Dienstag vergeblich. Stattdessen haben viele Stars in den sozialen Medien ein schwarzes Bild gepostet und weisen statt auf sich selbst auf Online-Petitionen und Spendenkampagnen hin, die Opfer von Rassismus unterstützen.

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Die Aktion läuft unter den Hashtags „blackouttuesday“ und „theshowmustbepaused“. Letzteren haben die Musikproduzentinnen Jamila Thomas und Brianna Agyemany initiiert. Es geht darum, eigene Belange für einen Tag zurückzustellen und somit Stimmen gegen Rassismus und Polizeigewalt Raum zu geben. Gerade die milliardenschwere Musikindustrie profitiere von der Arbeit schwarzer Künstler und müsse sie deshalb unterstützen, schreiben die beiden auf ihrer eigens eingerichteten Homepage. Schnell haben sich über die Musikszene hinaus andere Prominente wie Sportler und Schauspieler, aber auch Unternehmen, verschiedene Organisationen und private Nutzer angeschlossen.

          Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich zahlreiche Prominente zu den teils eskalierenden Protesten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd, der vergangene Woche in Folge eines brutalen Polizeieinsatzes in Minneapolis ums Leben kam, geäußert. Schauspielerin Jennifer Aniston teilte ein Video auf Instagram, in dem ein Afroamerikaner seine Erlebnisse mit Rassismus schildert. „Es liegt in unserer Verantwortung, darauf aufmerksam zu machen“, schrieb sie. Schauspieler George Clooney verfasste ein Essay für die Nachrichtenplattform „The Daily Beast“, in dem er Rassismus als „unsere Pandemie“ beschrieb. „Wir sind alle infiziert und in 400 Jahren haben wir noch keinen Impfstoff gefunden.“ Sein Kollege Jamie Foxx nahm am Montag in San Franciso an einem von dem Football-Spieler Colin Kaepernick inspirierten „Kneel-In“ teil, ein symbolischer Kniefall als Geste des Protests gegen Polizeigewalt. Die Hashtags „Blackouttuesday“ und „theshowmustbepaused“ geben den Aktionen nun einen gemeinsamen Rahmen.

          Auch in Deutschland in den Trends

          Auch in Deutschland hat „blackouttuesday“ es unter die „Trends“ auf Twitter geschafft. Zahlreiche Fußballvereine der Bundesliga wie Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf beteiligen sich, ebenso Influencer und Firmen wie fritz-kola und Sportscheck. Einige politische Parteien machen zumindest auf Ortsebene mit. Daneben griff FDP-Chef Christian Lindner, der zunächst ein schwarz-weißes Selbstbildnis mit dem Hashtag versah. Wie sein Team später auf Instagram mitteilte, habe man es nach mehrfachen Hinweisen gelöscht und durch ein rein schwarzes Bild ersetzt, „da wir den Hashtag unterstützen wollen, ihn aber nicht durch ein unpassendes Bild torpedieren“.

          „blackouttuesday“ ist eine Solidaritätsbekundung, die kaum Aufwand erfordert und mit der manch einer womöglich nur sein Gewissen erleichtert, die ihre Wirksamkeit aber in der Masse entfaltet. Mehr als 6,3 Millionen mal wurde der Hashtag am Dienstagnachmittag bereits auf Instagram verwendet, die meisten Nutzer dürften in ihrer Timeline auf eines, wenn nicht sogar mehrere schwarze Rechtecke stoßen – und sich vielleicht mit dem Thema beschäftigen. In Kombination mit den Aufrufen zu Spendenkampagnen und Petitionen lässt sich im Idealfall auch in der analogen Welt etwas bewegen. Praktischer Nebeneffekt: Den Fans gefällt es ebenfalls. Schauspieler Jamie Foxx forderte seine „Hollywood-Freunde“ jedoch zu mehr Taten auf: Sie müssten auf die Straße gehen, um die Menschen und ihren Schmerz zu verstehen, anstatt von zu Hause zu twittern. 

          Das ist nicht ungefährlich, wie das Beispiel von Halsey zeigt: Die Sängerin wurde gleich zwei Mal von Gummigeschossen getroffen, als sie am Wochenende mit einigen Tausend Demonstranten in Los Angeles und dem Küstenort Santa Monica auf die Straße ging. „Wir waren friedlich, hielten die Arme nach oben und haben keine Absperrungen durchbrochen. Trotzdem hat die Polizei Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt“, twitterte die Fünfundzwanzigjährige. Obwohl sie nicht medizinisch ausgebildet sei, habe sie immer wieder blutende Wunden verbinden müssen. Ashley Nicolette Frangipane, wie Halsey bürgerlich heißt, wuchs als Tochter eines Afroamerikaners und einer Weißen in New Jersey auf. Wie sie wiederholt in Interviews sagte, fühlt sie sich aber als schwarze Frau. Neben Halsey waren am Wochenende auch Prominente wie Nick Cannon, J. Cole und Lil Yachty auf die Straße gegangen.

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