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Die Fantasy-Reihe zählt zu den erfolgreichsten Jugendbüchern: Von den sieben Bänden sowie den drei Ablegern wurden mehr als 500 Millionen Exemplare verkauft. Bild: dpa

Wegen „echter“ Zaubersprüche : Schule verbannt „Harry Potter“ aus der Bücherei

  • Aktualisiert am

Wer Sprüche wie „Expelliarmus“ und „Wingardium Leviosa“ laut wiederhole, laufe in Gefahr, von einem bösen Geist befallen zu werden, sagt ein amerikanischer Schulpfarrer – und lässt „Harry Potter“ aus den Regalen nehmen.

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          Das wahrlich Zauberhafte an der „Harry Potter“-Reihe ist, dass sie ihren Lesern die kleine Hoffnung lässt, es gebe die darin beschriebene magische Welt tatsächlich. Schließlich existiert sie in Film und Büchern neben der „normalen“ Welt der nichtsahnenden Muggel, bestens verborgen durch zahlreiche Zauber und Banne. Wer sagt also, dass es nicht wirklich Hexen und Zauberer gibt? Dem Schulpfarrer Dan Reehil aus Nashville im amerikanischen Bundesstaat Tennessee scheint das Ganze jedenfalls ein wenig zu echt zu sein – vor allem die Zaubersprüche. Er hat deshalb die siebenteilige Buchreihe aus der Bibliothek seiner katholischen Schule entfernen lassen.

          „Die Flüche und Zaubersprüche in den Büchern sind echte Flüche und Zaubersprüche. Liest ein Menschen sie vor, könnte ein böser Geist ihn befallen“, zitiert das amerikanische Portal „Tennessean“ aus einer E-Mail des Pfarrers an die Eltern. Als besonders perfide an den Werken von Joanne K. Rowling kritisiert Reehil, dass in ihnen Magie sowohl als gut wie auch als böse beschrieben werde: „Das ist nicht wahr, aber eine clevere Täuschung“. Auch Exorzisten in den Vereinigten Staaten und Rom würden empfehlen, die Bücher zu entfernen, schreibt er weiter.

          Eine offizielle Haltung der katholischen Kirche zu den Büchern gibt es nicht. Es sei den Pfarrern überlassen, wie sie damit umgehen, erklärte eine Mitarbeiterin der für Nashville zuständigen Diözese dem „Tennessean“. Allerdings hält zumindest der emeritierte Papst Benedikt XVI. wenig von Harry Potter: Als Joseph Kardinal Ratzinger schrieb er 2003 in einem Brief von „subtilen Verführungen, die unmerklich und gerade dadurch tief wirken und das Christentum in der Seele zersetzen“.

          Rowling: „Ich lache ein wenig darüber“

          Autorin Rowling muss sich schon seit Beginn der Reihe gegen den Vorwurf verteidigen, sie verführe Kinder zur Zauberei. 1999, zwei Jahre nachdem Erscheinen des ersten Bandes, sagte sie in einem Interview: „Ich habe definitiv nicht mit dem Schreiben angefangen, um Kinder zur Hexerei zu animieren. Ich lache ein wenig darüber, denn mir scheint dieser Gedanke absurd.“ Sie selbst, schob sie ein Jahr später nach, sei übrigens auch keine Hexe, sondern Christin.

          An den Abenteuern des Zauberlehrlings stoßen sich immer wieder Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen – nicht nur in den Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten steht die „Harry Potter“-Reihe schon seit 2002 nicht mehr in den Regalen von Schulbüchereien.

          Aber auch in Deutschland sahen sich 2007 Eltern in ihren christlichen Gefühlen verletzt, als ihre Kinder im Deutschunterricht „Harry Potter“ im Rahmen der im Lehrplan verankerten „Märchen- und Zaubergeschichten“ durchnehmen sollten. Die betroffene Schule in Chemnitz fand einen Kompromiss: Die Lektüre wurde in Gruppenarbeit besprochen, sodass die Kinder der beschwerdeführenden Eltern in einer eigenen Gruppe ein anderes Buch besprechen konnten. Auch eine Art Parallelwelt also, wie bei den Muggeln und Zauberern.

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