https://www.faz.net/-gum-9rgpd

Geringste Zahl seit 1973 : Warum Amerikanerinnen seltener abtreiben

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Amerika ist gesunken – jedoch auch die Zahl der Geburten. Bild: obs

Immer weniger Frauen in Amerika entscheiden sich für einen Schwangerschaftsabbruch. Anders als Abtreibungsgegner womöglich behaupten würden, liegt das nicht an strengeren Gesetzen.

          2 Min.

          Amerikanerinnen treiben immer seltener ab. Für 2017, das bislang letzte untersuchte Jahr, zählte das Guttmacher-Institut für Reproduktive Gesundheit in den Vereinigten Staaten rund 860.000 Schwangerschaftsabbrüche. Im Jahr 2014 hatten noch etwa 925.000 Amerikanerinnen abgetrieben. Für das Jahr 2011 registrierte die Organisation mehr als eine Million Abbrüche. Die am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung markiert die geringste Zahl von Abtreibungen seit 1973, als der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten Abtreibungen durch die Grundsatzentscheidung Roe v. Wade legalisierte. In den Jahren nach dem Urteil hatte die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche stetig zugenommen, bevor sie 1990 mit etwa 1,6 Millionen Abtreibungen den Höhepunkt erreichte.

          Diese Abnahme schreibt das Guttmacher-Institut unter anderem einem Rückgang an Schwangerschaften zu: Von 2011 bis 2017 wurden nicht nur weniger Abtreibungen gezählt, sondern auch weniger Geburten. Zudem verwies die Organisation auf das von der Regierung Obama beschlossene Gesetz Affordable Care Act, das die Übernahme der Kosten für Verhütungsmittel durch die Krankenversicherung erleichtert.

          Rückgang auch in Staaten ohne strenge Regeln

          Obwohl viele amerikanische Bundesstaaten in den vergangenen Jahren Gesetze zu Einschränkungen von Abtreibungen verabschiedeten, fand das Guttmacher-Institut keine Hinweise auf eine Verbindung der restriktiveren Regelungen und sinkenden Zahlen von Schwangerschaftsabbrüchen. Etwa 57 Prozent des Rückgangs wurden in den 18 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington beobachtet, die bislang auf eine Verschärfung der Abtreibungsregelungen verzichteten. Seit vergangenem Jahr versuchen immer mehr konservative Bundesstaaten, das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche einzuschränken. Neben Georgia und Alabama verabschiedeten auch Missouri, Louisiana, Kentucky, Arkansas, Iowa und Utah Gesetze, die das Recht auf Abtreibung aushöhlen. So erlaubt Alabamas „Human Life Protection Act“ einen Abbruch nur wegen Lebensgefahr der Mutter oder einem erwarteten Absterben des Fötus. Abtreibungen nach Inzest oder Vergewaltigung schließt die Regelung dagegen aus.

          Die sogenannte Heartbeat Bill des Bundesstaates Georgia sieht vor, alle Schwangerschaftsabbrüche unter Strafe zu stellen, die nach dem Entdecken eines Herzschlags des Fötus, etwa in der sechsten Woche, vorgenommen werden. Abtreibungsbefürworter monieren, dass viele werdende Mütter die Schwangerschaft zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal bemerkt hätten. In der vergangenen Woche wurde auch der Bundesstaat Texas aktiv. Die Abtreibungsgegner des Südstaats verlangten von Gouverneur Greg Abbott eine Sondersitzung, um „auch die letzte Möglichkeit eines selbstbestimmten Schwangerschaftsabbruchs abzuschaffen“.

          Die schon verabschiedeten Gesetze der anderen Bundesstaaten wurden bislang nicht umgesetzt. Falls sie in den kommenden Monaten die Gerichte beschäftigen, könnte die Abtreibungsdebatte abermals den Supreme Court erreichen. Das bahnt sich bereits seit der Präsidentschaftswahl 2016 an. Damals versprach der Kandidat der Republikaner, Donald Trump, nach einem Einzug in das Weiße Haus Richter für den Obersten Gerichtshof zu nominieren, die die Grundsatzentscheidung ablehnten. „Von dort geht die Bewegung in die einzelnen Bundesstaaten. Das läuft dann ganz automatisch“, versprach Trump damals in einem Interview.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.