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Kritik an Trump : Widerstandsnester

Der Wahnsinn soll nicht normal werden: Alec Baldwin als Donald Trump Bild: F.A.S.

Amerikas Zivilgesellschaft formiert sich gegen Trump. Mit dabei: die Fernsehtalker der Nachtschicht. Welche Komiker führen den Widerstand gegen den Präsidenten an?

          Für gewöhnlich zeichnen die Herren von Amerikas abendlichen Talkshows ihre Sendungen am späteren Nachmittag auf, um sie dann kurz vor oder nach Mitternacht ausstrahlen zu lassen. So hielten die meisten von ihnen es auch am vergangenen Dienstag, als Donald Trump seine erste Rede vor beiden Kammern des Kongresses hielt. Nur Stephen Colbert, 52 und Gastgeber der „Late Show“ bei CBS, wie üblich trügerisch brav mit Anzug und Krawatte, machte eine programmatische Ausnahme: Er sendete wie üblich um 23.35 Uhr Ostküstenzeit, aber live.

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Demonstrativ auf Augenhöhe. In seinem üblichen ironischen Anfangsmonolog zeigte Colbert dann Ausschnitt um Ausschnitt aus Trumps Ansprache nur Stunden zuvor – um sie jeweils direkt mit einer bissigen Pointe zu kontern. Schon dass Trump, als er den Kongress betreten hatte, als „der Präsident der Vereinigten Staaten!“ angekündigt wurde, quittierte der Talker mit gekreuzten Fingern und einer Anspielung auf den Faux-pas aus der Oscar-Nacht zwei Tage zuvor: „Kann es nicht doch sein, dass ,Moonlight‘ der Präsident ist?“

          Klingen bereits wie ein Scherz

          Nun, Trumps zwielichtiger Berater Stephen Bannon sprach kürzlich vor einer Versammlung Gleichgesinnter darüber, das Weiße Haus betrachte die Medien als die eigentliche Oppositionspartei; es scheint ganz so, als müsste man dazu auch eine Reihe von Amerikas populären Late-Night-Talkern und Comedians rechnen. Knapp zwei Monate nach Trumps Einzug ins Weiße Haus ist an vielen Orten der Vereinigten Staaten – in Zeitungen, Universitäten, Kirchen, Denkfabriken, Nachbarschaftsinitiativen – noch immer deutlich spürbar, wie sich die Bürgergesellschaft nur widerwillig auf etwas einstellt, was viele als eine Travestie betrachten. Doch, so finden sie, soll sich die Herrschaft des Donald Trump wenigstens nicht allzu sehr verfestigen; der Wahnsinn soll als solcher erkennbar bleiben und bloß nicht normal werden. Wer könnte besser dafür sorgen als die Fernsehkomiker des Landes? Die „New York Times“, die sich auf ihre eigene, ernsthafte Weise an Trump abarbeitet, hat seit kurzem eine Serie namens „Best of Late Night“, in der sie die besten Momente des Anti-Trump-Spotts Revue passieren lässt; die Journalisten wissen eben, wo sie Mitstreiter finden, die Trumps Legitimität auf denkbar weiche Weise untergraben: mit einem Witz.

          Die Komiker für ihren Teil haben entdeckt, dass viele der Nachrichten aus Trumps Administration zwar klingen, als seien sie bereits ein Scherz; das nimmt den Humorhandwerkern die Arbeit aber nicht ab oder macht ihren Berufsstand gar überflüssig, wie man denken könnte. Nein, es schenkt ihnen reichhaltig Gelegenheit, noch eins draufzusetzen, noch einen Schritt weiterzugehen. So kann Colbert sich Trump vornehmen, der seine bislang magere Bilanz mit dem Hinweis kürzlich verteidigte, er habe von seinem Vorgänger ein Riesendurcheinander geerbt: „Nein, Sir“, so Colbert schneidend, „Sie haben ein Vermögen geerbt – aber wir haben ein Riesendurcheinander gewählt.“ Mit solchen Deutlichkeiten hat Colbert seine Quoten inzwischen näher an die „Tonight Show“ von Talk-Platzhirsch Jimmie Fallon bei NBC gebracht, der Trump weniger hart angeht.

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