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Uruguays Präsident : Auch der Käfer wird abgewählt

An der Garage: Präsident José Mujica präsentiert seinen Zweitkäfer Bild: Reuters

José Mujica, der scheidende Präsident von Uruguay, ist bekannt für sein bedürfnisloses Auftreten – und seinen Dienstwagen. Ausgerechnet den hellblauen Käfer will er nun für einen Millionenerlös versteigern. Der Reichtum soll aber nicht von Dauer sein.

          José Mujica, Präsident von Uruguay, scheidet bald aus dem Amt: Am 30. November bestimmen die Wähler bei einem Stichentscheid über seinen Nachfolger. Vermutlich wird es Tabaré Vázquez von Mujicas Linksbündnis „Frente Amplio“ (Breite Front) sein, der von 2005 bis 2010 Präsident war. Mit Mujicas Amtsführung sind nach jüngsten Umfragen 60 Prozent der Uruguayer zufrieden; doch die Verfassung verbietet zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Gut möglich also, dass sich Mujica auch bald von seinem Dienstfahrzeug verabschieden wird, einem hellblauen VW-Käfer des Baujahrs 1987. Der Käfer gehört nicht dem Staat, sondern ihm selbst, und er fährt ihn auch selbst. Zum Beispiel bei der ersten Runde der Präsidentenwahlen vom 26. Oktober, als er zuerst selbst wählen fuhr und dann seine Frau, die Senatorin Lucía Topolansky, im Käfer zu einem anderen Wahllokal chauffierte.

          Der 79 Jahre alte Mujica pflegt sein Image als „ärmster Präsident der Welt“ sorgfältig. Er lebt mit seiner Frau nicht im Präsidentenpalast von Montevideo, sondern auf einer kleinen Farm am Rande der Hauptstadt, wo er noch immer seinem Beruf als Blumenzüchter nachgeht. Krawatten trägt Mujica, der sich als junger Mann der linken Tupamaro-Guerrilla angeschlossen hatte und unter der Militärjunta 14 Jahre im Gefängnis saß, aus Prinzip nicht. Auch bei Staatsbesuchen nicht.

          Der Käfer gehört nicht zu seinen materiellen Fetischen

          Nun spielt Mujica mit dem Gedanken, kurzfristig Millionär zu werden. Denn ein arabischer Scheich hat ihm schon im Juni beim Gipfel der G-77-Gruppe von Entwicklungs- und Schwellenländern in Bolivien eine Million Dollar für den hellblauen Käfer geboten. Mujica will nicht sagen, wer der Scheich ist, aber er sei durchaus geneigt, das Angebot anzunehmen. Den Erlös würde er dann einer Einrichtung zur Verfügung stellen, die Unterkünfte für Obdachlose baut.

          Inzwischen soll ein weiterer Bieter für Mujicas „Fusca“ – so heißt der Käfer in Brasilien und Uruguay – ein Angebot gemacht haben. Der mexikanische Botschafter in Montevideo habe dem Präsidenten versichert, bei einer Versteigerung in Mexiko könne er ohne weiteres zehn neue Geländewagen für Mujicas Dienstwagen erlösen. Auch dieses Angebot erwägt Mujica nun. Die neuen Autos würde er dann Mitarbeitern des staatlichen Gesundheitswesens für den Einsatz in ländlichen Gebieten zur Verfügung stellen.

          „Wir Menschen brauchen unsere kleinen Fetische, gewisse materielle Symbole“, sagt Mujica über den Bieterwettbewerb für seinen 27 Jahre alten Käfer. Auch er habe solche Dinge, zum Beispiel einen Hammer und eine Schaufel von seinem Vater: „Kleine Dinge, die für die Welt nichts wert sind, mir selbst aber viel bedeuten.“

          Der hellblaue Käfer gehört jedenfalls nicht zu seinen Fetischen. Mujica betrachtet ihn „als ein bisschen Eisen, zu dem ich keine Beziehung habe“. In einer Scheune auf Mujicas Farm steht noch ein zweiter Käfer, den Mujica aber seit Jahr und Tag nicht mehr benutzt. Auch den würde er hergeben. Für kein Geld der Welt hingegen seine Mischlingshündin Manuela, die nur drei Beine hat und mittlerweile 18 Jahre alt ist: „Bei Manuela wäre es etwas ganz anderes.“

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