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Uruguay : Flug-Plan abgesagt

  • -Aktualisiert am

Uruguays Präsident Tabaré Vázquez auf einer Konferenz in Wien am 5. Dezember 2016 Bild: dpa

Uruguays Präsident hätte gern ein Dienstflugzeug. Er würde sich mit einem gebrauchten für eine Million Dollar zufrieden geben – die „Air Force One“ kostet vier Milliarden. Doch der Rechnungshof sagt nein.

          Am Wochenende ist der uruguayische Präsident Tabaré Vázquez von einer langen Dienstreise nach Montevideo zurückgekehrt. Stationen seiner knapp zweiwöchigen Europa-Tour waren Rom, wo er auch von Papst Franziskus zur Privataudienz im Vatikan empfangen wurde, außerdem Österreich, Frankreich und Spanien. Überall standen Treffen mit den Staatschefs auf dem Programm. Daneben sprach der Onkologe Vázquez auf einem Ärztekongress in Wien über den erfolgreichen Kampf Uruguays gegen den Tabak und den Lungenkrebs, hielt eine Rede bei einer Konferenz über transparente Regierungsführung in Paris, verhandelte mit Investoren in Madrid und in Santiago de Compostela in der autonomen Region Galicien.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Mit 76 Jahren ist der gemäßigte Sozialist Vázquez, der im März vorigen Jahres das Präsidentenamt für eine fünfjährige Amtsperiode antrat, kein junger Mann mehr. Aber auch für einen Jüngeren wäre die Forderung wohl nicht unbillig, dass dem Staatschef für Dienstreisen ein Präsidentenflugzeug zur Verfügung stehen möge.

          Vázquez und seine Leute im Präsidentenamt haben auch ein entsprechendes Fluggerät im Blick: eine gebrauchte zweistrahlige Hawker 700, Baujahr 1979, zum Preis von umgerechnet etwa einer Million Dollar. Zum Vergleich: Die neue „Air Force One“ für amerikanische Präsidenten von Boeing soll mit gut vier Milliarden Dollar zu Buche schlagen.

          Rechnungshof und Parlament sind gegen das Flugzeug

          Doch während Vázquez mit einem Sammelsurium von Linienflügen nach und durch Europa reiste, machte ihm der Rechnungshof in Montevideo vorerst einen Strich durch die selbst für das frugale Uruguay scheinbar recht günstige Rechnung. Bei der Ausschreibung habe nur ein einziger Anbieter ein Angebot unterbreitet, das sei zu teuer und das Verfahren sowieso nicht in Ordnung, sagten die Rechnungsprüfer.

          Auch im Parlament in Montevideo ist man gegen die Flug-Pläne des Präsidenten. Am lautesten sprach sich ausgerechnet Vázquez’ Amtsvorgänger und sozialistischer Parteifreund José „Pepe“ Mujica dagegen aus. „Uruguay braucht kein Präsidentenflugzeug. Das war schon immer so, und so sollte es auch bleiben. Ich konnte damit umgehen, und deshalb teile ich nicht die Ansicht, dass wir ein Flugzeug kaufen sollten“, sagte Mujica.

          Der 81 Jahre alte ehemalige Staatschef war stets mit seinem uralten VW Käfer ins Präsidentenamt zur Arbeit gekommen. Während seiner Amtszeit von 2010 bis 2015 pflegte „Pepe“, der heute im Senat sitzt, auf Präsidentenreisen zudem lange Zwischenstopps in Kauf zu nehmen, um die Flugkosten zu senken.

          Aus der Traum von einer uruguayischen „Air Force One“

          Gerne ließ sich Mujica aber auch von seinen politischen Verbündeten Hugo Chávez in Venezuela, Dilma Rousseff in Brasilien und Cristina Kirchner in Argentinien mit deren Dienstflugzeugen abholen. Die befreundeten Machthaber sind nun alle nicht mehr, sie sind gestorben, abgesetzt oder abgewählt.

          Wenn nicht alles täuscht, ist Vázquez’ Traum von einer kleinen uruguayischen „Air Force One“ mit acht Sitzen, Bordküche, Satellitentelefon und medizinischer Notfallausrüstung schon wieder ausgeträumt.

          Auch künftig dürfte der Präsident des Landes mit seinen rund 3,4 Millionen Einwohnern, die als ordnungsliebend, fleißig und sparsam gelten, wohl nicht mit dem eigenen Fluggerät im Auftrag der Nation unterwegs sein.

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