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Urbi et Orbi : Papst versagt die Stimme: „Es ist eine Qual für ihn“

  • Aktualisiert am

Quält sich: Papst Johannes Paul II. am Ostersonntag Bild: AP

Stumm mußte der Papst den Segen „Urbi et Orbi“ erteilen. Viele Gläubige auf dem Petersplatz brachen in Tränen aus, als sie sahen, wie sehr sich Johannes Paul quält.

          Der kurze Auftritt von Papst Johannes Paul II. am Ostersonntag hat die Sorge um den schwer kranken 84jährigen verstärkt. Von seinem Fenster über dem Petersplatz aus wollte der Papst den Segen „Urbi et Orbi“ sprechen, er brachte jedoch kein Wort heraus. Johannes Paul II. beschränkte sich schließlich darauf, die wartende Menge mit dem Kreuzzeichnen zu segnen. Einige Gläubige brachen in Tränen aus.

          Es war der erste öffentliche Auftritt des Papstes seit Palmsonntag, als er nur für eine Minute an seinem Fenster erschienen war. Dieses Mal harrte der von seiner Krankheit schwer gezeichnete Pontifex fast eine Viertelstunde lang aus und las an seinem Fenster stumm mit, während Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano die Osterbotschaft vortrug. Johannes Paul hatte Schwierigkeiten, seinen Kopf aufrecht zu halten, und hustete mehrmals. Noch im vergangenen Jahr hatte der Papst die Predigt selbst gehalten und zu einer Friedensbotschaft an die ganze Welt genutzt.

          „Nun sind allte traurig“

          In der von Sodano verlesenen Botschaft wurde zur Bekämpfung von Hunger und Armut aufgerufen. Die Menschen sehnten sich nach „Wahrheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden“. Der Inhalt der Predigt trat jedoch angesichts des beängstigenden Zustands des Papstes in den Hintergrund. „Nun sind alle traurig, und viele haben Tränen in den Augen“, sagte Hubert Wichert, ein deutscher Besucher, der aus Essen angereist war. Ein Franzose kommentierte: „Es ist eine Qual für ihn, und man konnte sehen, wie frustriert er war. Man muß seine Stärke bewundern.“

          Ostersegen unter größter Anstrengung

          Es war das erste Mal seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus am 13. März, das Johannes Paul überhaupt öffentlich zu sprechen versuchte. In den vergangenen zwei Wochen hatte er auf Anraten seiner Ärzte darauf verzichtet. Bei seiner Luftröhrenoperation Ende Februar war dem 84jährigen zur Erleichterung seiner Atembeschwerden ein Plastikröhrchen eingesetzt worden, das ihn beim Sprechen behindert. Kurz vor seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hatte er den vor der Gemelli-Klinik wartenden Gläubigen jedoch „einen guten Sonntag“ gewünscht.

          Sodano und Ratzinger als Vertreter

          Zum ersten Mal in den 26 Jahren seines Pontifikats mußte der Papst in diesem Jahr weitgehend auf die Teilnahme an den Feierlichkeiten der Karwoche und der Ostertage verzichten. Während Sodano die Ostermesse leitete, wurde Johannes Paul in der Nacht zum Sonntag von dem deutschen Kardinal Joseph Ratzinger vertreten.

          Ratzinger verlas eine Botschaft das Papstes, in der dieser versicherte, er verfolge die Messe in seiner Wohnung am Fernseher. Anders als am Karfreitag wurden aber keine Videoaufnahmen des Papstes übertragen. Die Ausstrahlung am Freitag hatte in der Öffentlichkeit große Besorgnis erregt, weil er nur von hinten gezeigt wurde.

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