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Conways Wortschöpfung : Unwort des Jahres 2017 ist „alternative Fakten“

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Erfinderin des Unworts „Alternative Fakten“: Trumps Beraterin Kellyanne Conway (Mitte) Bild: EPA

Das Unwort des Jahres 2017 steht fest. Es hat viel mit Donald Trump zu tun. Aber nicht nur. Wie begründet die Jury in Darmstadt den Gewinner?

          Das Unwort des Jahres 2017 ist „alternative Fakten“. Die Bezeichnung „alternative Fakten“ sei der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen, sagte Jury-Sprecherin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt. Der Ausdruck stehe für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie „alternative Fakten“ als legitim gekennzeichnet würden. Der Ausdruck sei 65-mal eingesandt worden.

          Erfunden hat den Begriff 2017 Kellyanne Conway. Die Beraterin des amerikanischen Präsidenten Donald Trump rechtfertigte mit dieser Formulierung falsche Aussagen des ehemaligen Pressesprechers im Weißen Haus, Sean Spicer. Der hatte behauptet, bei der Amtseinführung Donald Trumps seien mehr Menschen vor Ort gewesen als bei jener Barack Obamas im Jahr 2009. Seine Aussagen wurden jedoch unter anderem durch Luftaufnahmen widerlegt. Um diese Äußerungen zu verteidigen, sagte Conway in der Talksendung „Meet the Press“, Spicer habe „alternative Fakten“ benutzt.

          Neben diesem Begriff wurden von der Jury in Darmstadt als Unwörter die Formulierungen „Shuttle-Service“ für die Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer und ihre Überführung nach Italien und „Genderwahn“ für Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit kritisiert.

          Auch Vorschläge aus sozialen Netzwerken

          Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern und einem Publizisten hatte den Begriff aus 684 verschiedenen Vorschlägen ausgewählt, von denen rund 80 den Unwort-Kriterien entsprachen. Außerdem erhielt das Jury-Mitglied Barbara, eine anonyme Street-Art-Künstlerin, rund 3.500 Vorschläge über die sozialen Netzwerke. Am häufigsten vorgeschlagen (122-mal) wurde der Begriff „Babycaust“, der Abtreibungen mit dem Holocaust gleichsetzt. Insgesamt gab es 1.316 Einsendungen. Im Vorjahr waren 1.064 Einsendungen mit 594 Vorschlägen eingegangen.

          Das „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 von einer unabhängigen sprachkritischen Initiative gekürt. „Unwörter“ waren zuletzt „Volksverräter“ (2016), „Gutmensch“ (2015), „Lügenpresse“ (2014), „Sozialtourismus“ (2013) und „Opfer-Abo“ (2012).

          Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Die Aktion möchte den Blick auf Wörter und Formulierungen lenken, „die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“ und dadurch die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern.

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