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Junkers von 1919 nachgebaut : Die zweite Luft

  • -Aktualisiert am

Der fertige Nachbau der Junkers F13. Bild: Uwe Stohre

Ein Unternehmer lässt die Junkers F13 von 1919 als flugfähigen Nachbau neu erstehen – den Vorläufer der heutigen Verkehrsflugzeuge. Ein paar Zugeständnisse an die Moderne musste er aber machen.

          Der Testpilot Oliver Bachmann gibt seinem Copiloten für den Einweisungsflug auf dem Militärflugplatz Dübendorf in der Schweiz noch letzte Tipps. Anschließend liest er laut die Motorstart-Checkliste vor und überprüft, ob alles vorbereitet ist. Er betätigt den Anlasser. Der mächtige Sternmotor fängt an zu zünden, das ganze Flugzeug vibriert. Die klassischen Linien und die Außenhaut aus Wellblech wirken zwar nostalgisch, aber das Flugzeug ist nagelneu: Der Nachbau einer Junkers F13 hat nach eineinhalbjähriger Flugerprobung und 99 Jahre nach dem Jungfernflug des Originals nun seine Luftfahrt-Verkehrszulassung in der Schweiz erhalten.

          Das Original ist eine frühe Legende der Aviatik. Die deutsche Junkers F13 war in den zwanziger Jahren das erste Verkehrsflugzeug aus Ganzmetall mit der charakteristischen Junkers Wellblech-Außenhaut. Mehr als 300 Exemplare wurden zwischen 1919 und Anfang der dreißiger Jahre gebaut. Zeitweise wurde ein hoher Prozentsatz aller in der Welt transportierten Passagiere in Junkers F13 befördert. Sie war so etwas wie die Urmutter heutiger Airbusse und Boeings.

          Als damalige Besonderheit residierten bis zu vier Passagiere luxuriös in einer beheizten Kabine. Die beiden Piloten mussten hingegen im offenen Cockpit sitzen. Die Crew war damals wie heute nur durch kleine Windschutzscheiben vom Fahrtwind geschützt. „Man hat eher das Gefühl, in einer Kutsche zu sitzen als in einem Flugzeug“, beschreibt einer der Testpiloten das Ambiente im Cockpit. Oft war damals nur ein Flugzeugführer an Bord, dann bibberte neben ihm ein Mechaniker.

          Ein Traum geht in Erfüllung

          Eigentümer der F13 und Initiator des Nachbauprojekts ist Dieter Morszeck. Der Rheinländer war früher Eigentümer und Geschäftsführer des Kofferherstellers Rimowa. Seit dem Verkauf von 80 Prozent seines Unternehmens im Jahr 2016 widmet er sich intensiver seiner zweiten Leidenschaft, der Fliegerei. Nun ist er froh, dass sein fliegendes Projekt Anfang des Jahres die langersehnte Verkehrszulassung durch das schweizerische Bundesamt für Zivilluftfahrt erhalten hat.

          Morszeck ist langjähriger aktiver Pilot und steuert seine F13 am liebsten selbst. Mit ihrer Entstehung ging für ihn ein Traum in Erfüllung: Sowohl sein Vater als Gründer der Rimowa-Kofferfabrik als auch der Flugzeugbaupionier Hugo Junkers hätten gewelltes Duraluminium für ihre Produkte eingesetzt. Das war von den zwanziger Jahren an revolutionär in punkto Festigkeit und Leichtbau – es war aber nicht einfach zu verarbeiten. Die berühmte Junkers Ju 52 machte die „Wellblechbauweise“ später in der ganzen Welt bekannt.

          Original-F13-Flugzeuge haben zwar in Museen überlebt, keines davon wäre allerdings flugfähig zu restaurieren gewesen. Einst war die F13 meist mit Reihenmotoren verschiedener Hersteller ausgerüstet, die zwischen 170 und 500 PS stark waren. Heute kommt ein amerikanischer Sternmotor, der Pratt&Whitney 985 Wasp Junior, zum Einsatz. Er leistet normalerweise 450 PS, in der F13 ist er auf etwa 380 PS gedrosselt. Dadurch läuft er leiser und hat ein angenehm dunkles Motorengeräusch. Er verbraucht etwa 80 Liter verbleites Flugbenzin, sogenanntes Avgas, in der Stunde. Dass der Neunzylinder sehr zuverlässig ist, beweist er bis heute etwa in kanadischen Buschflugzeugen des Typs deHavilland Beaver oder betagten Doppeldeckern von Boeing der Baureihe Stearman. Die F13 war schon damals in einigen Varianten mit einem Sternmotor ausgerüstet, als Exportversion für den amerikanischen Markt beispielsweise.

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