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Kritik von der Unesco : Alexa, förderst du Vorurteile über Frauen?

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Der Lautsprecher Amazon Echo ermöglicht den Kontakt mit Alexa – viele Menschen werden mit ihr bald mehr sprechen als mit ihrem Umfeld, glaubt die Unesco. Bild: dpa

Eine Frauenstimme, die jeder Bitte folgsam nachkommt: Laut einem Bericht der Unesco tragen Sprachassistenten wie Alexa und Siri zur Verbreitung von Geschlechterklischees und der Akzeptanz von sexistischen Beleidigungen bei.

          Sprachassistenten wie Alexa, Siri und Co. fördern und verbreiten Geschlechtervorurteile: Das ist der Ergebnis einer Studie der Unesco. Bedenklich ist das vor allem, weil die Organisation davon ausgeht, dass viele Menschen bereits vom kommenden Jahr an mehr Unterhaltungen mit Sprachassistenten als mit echten Menschen führen werden.

          Zur Förderung der Vorurteile trägt laut dem Bericht bei, dass die Sprachassistenten in der Regel Sprachassistentinnen sind, die jederzeit folgsam die Befehle ihrer Nutzer ausführen. Dadurch werde ein unterwürfiges Frauenbild transportiert. Bei den Nutzern könnte das eine falsche Erwartungshaltung an echte Frauen wecken, wie diese auf Bitten reagieren und sich ausdrücken sollen. Zwar könne der Nutzer bei manchen Angeboten auch eine männliche Stimme einstellen, doch die Standardeinstellung ist für gewöhnlich eine Frauenstimme. Das weibliche Geschlecht werde durch die Technologie auch zum „Gesicht“ für all die Fehler, die Hard- und Software machen, nach dem Motto: Kein Wunder, dass Alexa meine Frage nicht verstanden hat, sie ist ja eine Frau.

          Illustriert werden die Vorwürfe außerdem am Beispiel der Antworten, mit denen die amerikanischen Sprachassistentinnen 2017 in einer Quartz-Studie reagierten, wenn der Nutzer sie als „Schlampe“ bezeichnet: So sagte Amazons Alexa „Danke für das Feedback“, als hätte man ihr gerade ein Kompliment gemacht. Apples Siri erwiderte sogar: „Ich würde erröten, wenn ich könnte.“ Cortana, das System von Google, reagierte verwirrt: „Tut mir Leid, das habe ich nicht verstanden.“ Keine Assistentin macht darauf aufmerksam, dass solche sexistischen Beleidigungen unangemessen sind. Stattdessen würden sie Beleidigungen zu Akzeptanz verhelfen, kritisiert die Unesco.

          Saniye Gülser Corat, die Leiterin des Unesco-Bereichs für Gleichberechtigung, sagte anlässlich der Veröffentlichung: „Die Welt muss einen genauen Blick darauf werfen, welches Geschlecht Technologien mit künstlicher Intelligenz zugeschrieben wird, und vor allem, wer das tut.“ Noch, das wird im Bericht ebenfalls betont, sind das vor allem Männer. Gerade einmal zwölf Prozent der Forscher im Bereich Künstliche Intelligenz sind demnach Frauen, unter den Software-Entwicklern sind es lediglich sechs Prozent. Frauen sollten in diesem Bereich deshalb mehr gefördert werden.

          Die Unesco hat aber noch weitere Vorschläge, wie sich die Ungleichbehandlung der Geschlechter künftig vermeiden lasse. So könne beispielsweise eine neutrale Stimme entwickelt werden, die keinem der Geschlechter eindeutig zuzuordnen ist. Außerdem sollen die Sprachassistenten ablehnend auf Beleidigungen reagieren.

          Zumindest ein bisschen nachgebessert hat Apple, wie der Deutschlandfunk berichtet: Auf die Bezeichnung als „Schlampe“ sagt Siri inzwischen: „Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll.“ Bei dem Versuch eines FAZ.NET-Lesers lehnte Siri die Beleidigung mit dem Hinweis „Ich mag diese willkürlichen Kategorien nicht“ sogar ganz ab. Eine Agentur, die Amazon in Deutschland vertritt, teilte zudem mit, dass Alexa auf Beleidigungen nicht reagiere und die Sprachaufzeichnung stoppe. 

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