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Eine Schülerin und das Klima : „Ihr seid nicht erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen“

Greta Thunberg bei einer Pressekonferenz während des Klimagipfels in Kattowitz Bild: AFP

Im Kampf gegen den Klimawandel schwänzt die 15 Jahre alte Greta Thunberg die Schule, streikt vor dem schwedischen Parlament und hält eine beeindruckende Rede auf dem Klimagipfel in Kattowitz. Was treibt die junge Aktivistin an?

          Gerade mal drei Minuten dauert die Rede der 15 Jahre alten Greta Thunberg am Mittwochabend auf dem Klimagipfel in Kattowitz. Doch diese kurze Zeit reicht der 15 Jahre alten Schwedin, um im Namen ihrer Generation klare Worte an die anwesenden Politiker zu richten. „Ihr sprecht nur von grünem, ewigen Wirtschaftswachstum, weil ihr zu viel Angst habt, euch unbeliebt zu machen. Ihr sprecht nur darüber, mit den immer gleichen schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Krise geführt haben. Und das, obwohl die einzige vernünftige Entscheidung wäre, die Notbremse zu ziehen“, so Thunberg. „Ihr seid nicht einmal erwachsen genug, die Wahrheit zu sagen.“

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Das Video von ihrem Auftritt ist viral gegangen. Auch der abermals als möglicher amerikanische Präsidentschaftskandidat gehandelte Demokrat Bernie Sanders hat es geteilt. Die Worte der jungen Klimaaktivistin sorgen weltweit für Aufsehen: Manche sind inspiriert, manche berichten von Gänsehaut, manche finden natürlich auch, die Schülerin habe keine Ahnung. 

          Mutig ist Thunbergs Auftritt auf jeden Fall. Was sie antreibt, hat sie zuvor in einem Video der Initiative Democracy Now“ erklärt. Mit neun Jahren habe sie zum ersten Mal über den Klimawandel gelesen – und mehr wissen wollen. Besonders die sogenannten „tipping points“, die Momente, ab denen bestimmte Entwicklungen im Klimawandel nicht mehr aufzuhalten sind, haben sie dabei interessiert. Bei ihrer Recherche habe sie festgestellt, „dass die Leute zwar immer das eine sagen, aber das Gegenteil davon machen.“

          Diese Erkenntnis lässt Thunberg depressiv werden. Sie hört auf zu sprechen, zu essen, ein ganzes Jahr lang geht sie nicht zur Schule. Schließlich beginnt sie ihr Leben umzustellen: Sie wird Veganerin, fliegt nicht und hat sich einen Einkaufs-Stopp auferlegt: „Ich kaufe nur neue Sachen, wenn es nicht anders geht“, sagt die Schülerin. Auch ihre Eltern bewegt sie zu einer Trendwende: Ihrer Mutter, einer international bekannten Opernsängerin, rechnet sie nach jedem Flug vor, wie hoch die CO2-Emissionen sind, die sie verursacht hat. Sie hat ihre Karriere inzwischen nach Schweden verlegt. Außerdem hat die Familie ein E-Auto angeschafft. Mit dem sind sie auch zum Klimagipfel nach Polen gefahren, obwohl die Reise zwei Tage dauerte.

          „Mein Gehirn funktioniert anders“

          In diesem Jahr ist Greta wieder nicht zur Schule gegangen. Diesmal blieb sie aber nicht zu Hause, sondern setze sich stattdessen vor das schwedische Parlament, um zu protestieren. Die Idee zum Schulstreik hat sie aus den Vereinigten Staaten: Im Frühjahr streikten dort nach dem Attentat auf eine Schule in Parkland zahlreiche Schüler für eine Verschärfung der Waffengesetze. Warum sollte das nicht auch für das Klima gehen?

          „Am Anfang wollte niemand mitmachen und ich musste alleine gehen“, erzählt Greta „Democracy Now“. Am zweiten Tag hätten sich aber mehr Menschen zu ihr gesetzt.“ Mittlerweile kennt sie das ganze Land. Drei Wochen lang protestierte sie jeden Tag. Inzwischen besucht sie wieder vier Tage pro Woche den Unterricht und streikt nur noch freitags. Ihrer Ansicht nach konnten die Schweden ihre Emissionen in den vergangenen Jahre nur reduzieren, weil sie sie ausgelagert haben, in dem sie in anderen Ländern produzieren lassen. Schweden sei nicht das Vorbild, wie es oft suggeriert wird, findet die Schülerin. 

          Dass ihre Leidenschaft für das Thema so groß ist, hat wohl auch etwas mit ihrem Asperger-Syndrom zu tun, sagt Thunberg selbst. Betroffene haben dann oft ein Thema, in das sie all ihre Energie investieren. Bei der jungen Schwedin ist es der Klimawandel. „Mein Gehirn funktioniert anders“, sagt sie. Ihr sei es egal, was andere über sie denken. Die Welt sei für sie schwarz-weiß. Es wird also wohl nicht das letzte Mal sein, dass Thunberg auf sich, oder besser, auf ihr Anliegen aufmerksam machen wird: „Ich will Gerechtigkeit in der Klimafrage und einen Planeten, auf dem wir leben können.“

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