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UN-Botschafter Biolek : Im Bio-Stress

Suppe mit fünf Flaschen Rotwein für Straßenkinder Bild: Peter-Philipp Schmitt

Was hat Alfred Biolek mit Ex-„Spice Girl“ Geri Halliwell gemein? Beide sind Botschafter des UN-Bevölkerungsfonds. Als solcher bereist Biolek eine Woche lang Kambodscha - und kocht Bohnensuppe für Straßenkinder.

          Der prominente Mann muß sich vorstellen - immer und immer wieder: „My name is Alfred Biolek and I am a celebrity.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Letzteres könnte stimmen, mag sich mancher erstaunte Kambodschaner denken. Immerhin darf der ältere Herr aus dem fernen Deutschland eine Woche lang an der Seite von Chea Samnang durchs Land reisen. Und der Vierunddreißigjährige ist nicht irgendwer, sondern ein berühmter Fernsehunterhalter, der zudem schon in mehr als 40 Filmen edle Prinzen und wagemutige Krieger gespielt hat.

          Biolek ist kein Kinoheld, aber genauso wie Chea Samnang seit bald fünf Jahren „Goodwill Ambassador“ des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. „Anfangs wußte ich nicht genau, warum mich UNFPA ausgewählt hat“, sagt Biolek. „Ich bin ja nicht Sir Peter Ustinov oder Madonna.“ Bald schon habe er aber festgestellt, daß es ums Kennen und Erkennen nicht gehe - zumindest nicht in den Ländern, in denen sich der Bevölkerungsfonds engagiert. So versicherte Alfred Biolek auch in Kambodscha stets aufs neue: „Wichtig ist doch nur, daß überhaupt jemand kommt.“

          Erstmals in Asien

          Aufklärungsarbeit: Biolek mit Renate Bähr (Deutsche Stiftung Weltbevölkerung)

          In Südafrika, Kenia, Uganda und Äthiopien war Biolek schon, nun ist er erstmals nach Asien gekommen, um Projekte zu besuchen, die von UNFPA, aber auch von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung gefördert werden. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, 1969 als Spezialorgan gegründet, finanziert in Entwicklungsländern Programme, die sich unter anderem der Familienplanung, der Sexualaufklärung und der Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten widmen.

          Um der weithin doch eher unbekannten UN-Organisation, die bisher in rund 140 Ländern etwa sechs Milliarden Dollar ausgegeben hat, ein Gesicht zu geben, wurde die „Face to Face“-Kampagne ins Leben gerufen. Gesucht wurden bekannte Persönlichkeiten, die vor allem im jeweiligen Heimatland für UNFPA werben und dem Bevölkerungsfonds mehr Geld einbringen sollen. Künstler (etwa das ehemalige „Spice-Girl“ Geri Halliwell oder die Amerikanerin Linda Gray, die als Sue Ellen Ewing in der Serie „Dallas“ bekannt wurde), Sportler (wie die japanische Marathonläuferin Yuko Arimori) und Politiker (wie die Irin Mary Banotti), dazu ein Astronaut, ein Schriftsteller, eine Prinzessin und gleich ein halbes Dutzend ehemaliger Miss Universe und Miss World wurden als „Goodwill Ambassador“ gewonnen.

          Französische Küche am Mekong

          Biolek, der sich vor anderthalb Jahren aus dem wöchentlichen Talkshow-Geschäft zurückgezogen hatte, ist zwar nicht der älteste unter den mittlerweile 27 UNFPA-Botschaftern. Das Reisen in, wie er sagt, „exotische Länder“ fällt dem Siebzigjährigen allerdings schon sichtlich schwer. Auch darum legt der Gourmet Wert auf eine angemessene Unterkunft mit entsprechender Küche. In Phnom Penh etwa muß es das „Le Royal“, ein Fünf-Sterne-Hotel aus der französischen Kolonialzeit, und die Suite des Hauses sein - die er jedoch auch größtenteils selbst zahlt. Genauso wie die allabendlichen Dinners, zu denen er gerne seine kleine Reisegruppe einlädt. Von der asiatischen Küche hält „Alfredissimo“ aber offenbar nicht allzuviel: Biolek ißt auch am Mekong bevorzugt französisch-mediterran und sucht dazu sorgfältig die jeweils passenden Weine aus.

          Wie gut ihm der Rheingauer Riesling wirklich schmeckt, verrät der höfliche Gast dem deutschen Botschafter Pius Fischer beim gemeinsamen Lunch nicht. Auf ein Glas Roten verzichtet Alfred Biolek aber, genauso wie auf den geplanten Kaffee. Aus Zeitgründen, denn der erste Tag ist vollgepackt mit offiziellen Terminen. Zum Bundesadler auf Porzellan, Besteck und Servietten läßt der Diplomat Krabben, gebratenen Fisch und ein Schokoladendessert servieren.

          „Charmantes Land“

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