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Uli Hoeneß : „Die Reporter sind die wahren Schuldigen“

Uli Hoeneß sagt, dass man im Gefängnis „niemandem trauen kann“. Bild: dpa

Uli Hoeneß hat als Zeuge vor Gericht überraschend einen Mithäftling verteidigt, der ihn im Gefängnis heimlich fotografiert haben soll: Es sitze der Falsche auf der Anklagebank.

          Freunde hat Uli Hoeneß im Gefängnis nicht gefunden, obgleich er sogar einmal Burger und Cola für alle Mithäftlinge ausgeben wollte. Dafür stieß er offenbar auf einige Mitinsassen, die ihn heimlich fotografieren wollten, und zwar nicht in erster Linie zum Andenken an gemeinsame Zeiten in der Justizvollzugsanstalt Landsberg.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Wie schwer diese Zeit im Gefängnis, wie groß die Eingriffe in seine Privatsphäre gewesen seien – auch von Fotos „nackt unter der Dusche“ ist die Rede – , hat der Präsident des FC Bayern am Montag laut der „Augsburger Allgemeinen“ vor dem Landgericht Augsburg geschildert. Hoeneß, der von 2014 bis 2016 die Hälfte seiner insgesamt dreieinhalbjährigen Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung verbüßte, hatte schon zuvor in Interviews dargelegt, dass man im Gefängnis „niemandem trauen kann“.

          Als Zeuge sagte Hoeneß nun in Augsburg in einem Berufungsverfahren aus, in dem es um einen ehemaligen Mithäftling geht, der ihn im Gefängnis mit einem zur Kamera umfunktionierten Kugelschreiber heimlich fotografiert haben soll. Der Mann war bereits im Frühjahr 2017 vom Amtsgericht Landsberg zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Dagegen hatte der Neunundvierzigjährige Berufung eingelegt. Am Montag sprang ihm nun überraschend Hoeneß selbst bei, obwohl der Angeklagte dessen Fotos, so der Vorwurf, für rund 2500 Euro an ein Magazin habe verkaufen wollen. Es sitze der Falsche auf der Anklagebank, kritisierte Hoeneß. Er verwies auf die Reporter des Magazins, die das Geld für die Fotos geboten und die „Notsituation“ der Insassen für ihre Interessen „schamlos“ ausgenutzt hätten. Die Journalisten gehörten also auf die Anklagebank.

          Angeblich, so die „Augsburger Allgemeine“, wurde auch über weit höhere Beträge, etwa 35000 Euro, verhandelt. Er habe kein Interesse daran, dass der Angeklagte verurteilt werde, sagte Hoeneß. Zurückziehen wollte er seinen Strafantrag gegen den ehemaligen Mithäftling aber auch nicht. Am liebsten würde er den Angeklagten „austauschen“.

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