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Sarah und Pietro Lombardi : Engel mit nur einem Flügel

Eine Antwort darauf könnte lauten: Sie sind – oder jedenfalls waren – das bekannteste Castingshow-Pärchen Deutschlands. Am 7. Mai 2011 kürte das RTL-Publikum den 18 Jahre jungen Pietro Lombardi aus Karlsruhe zum Sieger der achten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, mit knappem Vorsprung vor der gleichaltrigen Kölnerin Sarah Engels. Nach der Verkündung seines Siegs hielt Lombardi die Unterlegene sekundenlang an sich gedrückt – sie hatten sich im Laufe der Sendung ineinander verliebt, und RTL machte sich einen Jux daraus, sie bei ihrem finalen Duett in Hochzeitsgewändern durch überdimensionierte goldene Eheringe schreiten zu lassen.

Hochzeit 2013

Dass es am Ende Pietro war, der sich „Superstar“ nennen durfte, und nicht die stimmlich begabtere Sarah, sollte in der Medienkarriere der beiden nur eine Fußnote sein. Zum echten Superstar wird ein RTL-„Superstar“ eben nicht, er wird noch nicht einmal zum Star; wenn’s hochkommt, wird er prominent, und mit ein bisschen Glück und Geschick kann er davon ein paar Jahre leben. Dem treuherzig-tapsigen Pietro hätte das gelingen können, war er doch immer gut für einen – oft auch unfreiwillig – komischen Spruch: „Ich sag’ mal, 60 km/h“, antwortete er auf die Frage eines Radiomoderators, wie schnell man wohl durch eine erogene Zone fahren dürfe. Eine Weile hätte das Publikum mit ihm und über ihn gelacht, irgendwann wäre er im „Dschungelcamp“ gelandet oder im „Big Brother“-Container und auf noch obskureren Fernseh-Resterampen für gefallene Castingshow-Teilnehmer.

Schon im DSDS-Finale wurden sie als Hochzeitspaar inszeniert.

Doch Pietros Geschichte sollte anders verlaufen, weil sich Sarah in ihn verliebte. Die hübsche Sarah, die ihn anfangs, wie sie gestand, „so’n bisschen gruselig“ fand. Die ihn aber einmal, als man bei „DSDS“ den Kandidaten die neuen Titel zum Singen zuteilte, herausforderte: „Wenn du weißt, was ich singe, heirate ich dich.“ Pietro tippte richtig auf Whitney Houston, und Sarah war „so geflasht, dass ich mich im Bus neben ihn gesetzt hab“. Im März 2013 heirateten die beiden. Der „DSDS“-Chefjuror Dieter Bohlen spendierte die Trauringe.

Auf einer Ebene mit dem Publikum

Ausgerechnet eine Castingshow, eine der künstlichsten aller Fernseh-Welten, als Nährboden für wahre Liebe: Das war etwas Neues. Und nimmt man Nähe zu den Fans als Erfolgskriterium, dann waren die Protagonisten perfekt: Sowohl Pietro als auch Sarah stammen aus einfachen Verhältnissen und aus Familien mit – italienischem – Migrationshintergrund.

Sie ließ sich nach der mittleren Reife zur Sprachassistentin ausbilden und steuerte das Fachabitur an, er hatte die Hauptschule ohne Abschluss geschmissen („Ich war eigentlich immer Scheiße“), schlug sich mit Minijobs durch, unter anderem als Swarovski-Steinleger in einer Juwelierwerkstatt, und hatte sich mit seiner Familie überworfen. Sarah und Pietro sahen so aus wie ihr Publikum, sie trugen die gleichen Klamotten und sprachen dieselbe Sprache, und wenn sie sich übers Internet an ihre Anhänger wandten, waren die Botschaften nicht zuvor noch von Rechtschreibfehlern bereinigt worden.

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