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Twitter : Hundertvierzig Zeichen reichen

  • -Aktualisiert am

Mehr als heiße Luft: Twitter Bild: AFP

Mit Geplapper verstopfen unzählige Hänschen Müllers die sozialen Netzwerke. Dass es anders geht, zeigen einige Twitterer: Wir stellen vier von ihnen vor. In aller Kürze, versteht sich.

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          Hinter dem niedlichen Pseudonym @ohaimareiki könnte eine schüchterne Zehntklässlerin stecken. Könnte, denn tatsächlich ist @ohaimareiki eine Fachfrau für Spöttelei und Selbstkritik. Die Psychologiestudentin aus Frankfurt am Main liefert feinen bis groben Humor und kluge Beobachtungen über weniger kluge Mitmenschen. Falls das Kerle sind, die sie in der Bahn anstarren, wird sie auch mal laut. @ohaimareiki scheint eine begabte und hübsche Frau zu sein; also fragt man sich, weshalb sie dauernd nörgelt. Doch das ist möglicherweise ihr Erfolgsrezept. Denn gerade so entstehen beklatschenswert bissige Kommentare, die mehr als 15 000 Follower lesen.

          Schwarzer Humor als Lebensmodell? @Schlachtzeile präsentiert sich als begabter Realitätsverdreher mit über 13 000 Followern. Woher der berufstätige Familienvater die Zeit nimmt, jeden Tag urkomische Tweets rauszuhauen, wissen wir nicht. @Schlachtzeiles Hang zu Zoten ist offenkundig, dennoch scheint der Mann gebildet zu sein und textet in einwandfreiem Deutsch. Das Drama seines Lebens sind Begegnungen mit der Polizei in Verkehrskontrollen. @Schlachtzeile macht es wie Woody Allen und verarbeitet den Ärger darüber auf ironische Art. Seitenhiebe des Hamburgers bekommt alles und jeder ab - gehäuft jedoch seine Kinder und seine Frau, die ihn irgendwann vor die Wahl stellen könnte: Löschung des Twitter-Profils oder Scheidung.

          @farbeaufschwarz malt Tweets, die das Leben umarmen. Auf die Leinwand kommen meist gedämpfte Töne, denn wenn @farbeaufschwarz twittert, ist die Melancholie nicht weit. Oder wie sie selbst es ausdrückt: „Mein Alltag ist grau und sammelt gern bunte Momente.“ Die bringt sie mit feinem Pinselstrich zum Schimmern und findet ungewöhnliche Worte für Gewöhnliches. Die in sozialen Netzwerken übliche Selbstinszenierung bleibt dabei auf Minimalniveau. Warmherzig und abwechslungsreich textet @farbeaufschwarz über ihr Kind, ihre Mutter, die Katze und das Liebesleben - alles Gründe, weshalb manch weibliches Wesen (un)glücklich ist und Endlos-Telefonate führt. @farbeaufschwarz reichen hierfür hundertvierzig Zeichen.

          „Ich muss aufhören, weniger zu trinken“, schreibt @jazcblu. Andere ähnliche Bemerkungen und ein Foto ihres Weinvorrats belegen, dass sie dem Alkohol durchaus zugeneigt ist. Glücklicherweise mindert das den Scharfsinn ihrer Tweets keineswegs. @jazcblu präsentiert sich als Expertin im rhetorischen Nahkampf, die ihre Künste gerne anwendet. Aufs Kreuz legt sie Arbeitskollegen, ungeschickte Zeitgenossen und absolut jeden, der ihr nicht passt. Noch ungnädiger als mit anderen ist sie mit sich selbst. Erbauliches liest man von der sich-Schlechtfühl-Spezialistin bloß selten. Bleiben zwei Fragen: Wie ernstgemeint ist das alles? Hoffentlich nur medium. Und warum mögen zahlreiche Follower diese Sauertöpfigkeit? Vielleicht, weil sie gerne so schlagfertig wären wie @jazcblu.

          Millionen zwitschern

          Twitter wurde 2006 in San Francisco gegründet. Inzwischen verwenden weltweit 200 Millionen Menschen die Kommunikations- und Nachrichtenplattform; durchschnittlich versenden die Nutzer 500 Millionen Tweets pro Tag. Laut einer Untersuchung des Internetexperten Thomas Pfeiffer twittern etwa 825 000 Nutzer auf Deutsch. Die tatsächliche Zahl der deutschsprachigen Nutzer hält Twitter geheim.

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