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Interview mit Senta Berger : „Meine Söhne haben nichts ausgelassen“

Sonst irgendeinen Quatsch, das trifft es schon ganz gut. Ich glaube, sie haben nichts ausgelassen. Sie haben mir lange viel erzählt und tun das erstaunlicherweise immer noch. Ich stand bei ihnen aber sehr in der Kritik, und der Ton war erstaunlich brutal, mir gegenüber noch mehr als gegenüber meinem Mann. Da war auch ein bisschen Rache dabei, Rache, dass ich ihre Mutter bin und dass sie sich von mir lösen müssen. Sie gaben mir das Gefühl, dass ich dafür verantwortlich bin. Erwachsenwerden ist ein furchtbarer Prozess, gerade für junge Männer.

Wie hielten Sie das aus?

Meine Mutter lebte damals im Haus bei uns. Wenn ich sagte: „Ich kann nicht mehr, ich will auch nicht mehr, es ist jetzt aus“, dann sagte sie immer zwei Sätze: „Aber geh, Senta, du warst doch viel schlimmer als die.“ Das war sehr tröstlich. Und das andere, was sie sagte, war immer: „Du bist die Mutter, und du bleibst die Mutter.“ Das ist ja auch so, man kann sich nicht davonstehlen.

War Ihr Ehemann Michael Verhoeven der Strengere von Ihnen beiden?

Er wäre es gerne gewesen, glaube ich. Er wurde selbst von seinen Eltern sehr streng erzogen, dafür hatte er eine Kinderfrau, die so liebevoll war, dass er heute noch ganz glänzende Augen bekommt, wenn er von der Gunda erzählt. Wenn wir überhaupt Auseinandersetzungen in der Ehe gehabt haben, dann war eines der Themen die Kindererziehung, wobei ich immer sehr optimistisch war und gesagt habe: Lass doch, warte doch, das kommt schon. Es kam auch vor, dass ich ein Verbot nicht durchgehalten oder es umgangen habe, was natürlich schlecht ist, aber die Kinder haben mir oft so leid getan.

Wann war das zum Beispiel?

Luca sollte mit 14 mal ins Internat, und das hat mir schon das Herz gebrochen. Und nach drei Monaten sagte er zu mir: „Mama, mein Leben ist zu Ende in dem Internat. Ich habe gar nichts Schönes mehr.“ Da habe ich angefangen zu heulen und sofort gesagt: „Ich rede mit dem Papa.“ Wir haben ihn dann rausgenommen und in seine alte Schule zurückgeschickt. Das war natürlich ein Fehler: Ein Jahr später ist er aus der Schule geflogen.

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Haben Sie ihm das übel genommen?

Nein. Das Interessante ist, meine Kinder waren, wenn ich nicht da war, loyaler, als wenn ich da war. Wenn ich da war, habe ich ja gar nicht gemerkt, dass sie die Schule schwänzen, denn sie sind ja morgens weggegangen, und mittags sind sie wiedergekommen. Wenn ich gedreht habe, gingen sie in die Schule, da waren sie ganz loyal. Weil sie gewusst haben, Mama hat jetzt keine Zeit, die kann sich nicht aufregen.

Was war ein Leitfaden in Ihrer Erziehung?

Fairness war uns sehr wichtig. Es gibt ja den Satz von George Tabori: Jeder ist jemand. Das ist der Satz, um den es geht, immer. Auch wenn ein 14-Jähriger nach Hause kommt und sagt: „Ich kann mit dieser Mathematiklehrerin nicht leben, dann soll sie mir eine 5 geben.“ „Moment mal, du kennst sie ja gar nicht.“ „Mama, sie ist furchtbar.“ „Jetzt überleg mal...“ Da kannst du schon anfangen, „Jeder ist jemand“ zu lehren.

Immerhin haben Sie heute zu Ihren Söhnen ein gutes Verhältnis.

Ich kann das gar nicht in das Wort „Verhältnis“ reinpressen. Man kann sagen, es ist eine große Liebe zwischen uns.

Die Fragen stellte Anke Schipp.

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