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Wörner und Maas : „Ich habe gedacht, das wird kurz laut und dann geht’s weiter“

Auftritt: Als Paar beim Medienpreis der Kindernothilfe im November Bild: ddp Images

Im Frühjahr verrieten die Schauspielerin Natalia Wörner und Bundesjustizminister Heiko Maas, dass sie ein Paar sind. Für so eine Beziehung gibt es hierzulande kaum Vorbilder. Wie also lebt man so etwas?

          11 Min.

          Am Ende eines Jahres, das sie als eines der wichtigsten in ihrem Leben bezeichnet, sitzt Natalia Wörner bei ihrem Lieblingsitaliener in Berlin-Wilmersdorf und ist genervt. Eigentlich gibt es einen schönen Anlass für das Treffen: Die Schauspielerin ist von der SPD-Fraktion in Baden-Württemberg für die Bundesversammlung nominiert worden, um am 12. Februar Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten zu wählen.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wörner wird das mit staatstragenden, sehr ernst gemeinten Sätzen kommentieren: „Für mich gibt es keinen Besseren in der Position. Ich freue mich unfassbar für ihn. Und ich empfinde es als große Ehre, an so einem Tag dabei zu sein.“ Nett ist außerdem, wie der Kellner sie mit „Frau Kommissarin“ begrüßt, weil sie zwei Tage zuvor im Fernsehen als Ermittlerin in ihrer Reihe „Unter anderen Umständen“ zu sehen war. Dabei mag der Mann sonst keine Krimis.

          Trotzdem seufzt die Neunundvierzigjährige gleich zu Beginn des Gesprächs: „Das braucht kein Mensch.“ Die Knallpresse hat am Wochenende Fotos gedruckt, auf denen Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) seine Freundin Natalia Wörner nach zwei Münchner Branchenpartys am Flughafen abholt, Überschrift: „Er hat sie MAASlos vermisst.“ Ein anderes Blatt hat Wörner zu ihrem Fernsehkrimi interviewt. Wie vereinbart, drehte sich das Gespräch ausschließlich um den Film und ihre Arbeit. Das Ergebnis war ein Text, der unter dem Titel „Es gibt Liebe, die alles darf, die alles kann“ suggeriert, die Schauspielerin gäbe Einblicke in ihre Beziehung, die im Frühjahr bekanntgeworden ist.

          Privates bleibt privat

          Wörner wischt die Krümel ihres Croissants von der Tischdecke. Nicht, dass sie sich von ein paar Schlagzeilen ihren Sonntag vermiesen lasse. „Ich fühl mich nicht als Opfer. Da bin ich zu sehr Rock ’n’ Roll“, sagt sie. „Ich lasse mir meinen Alltag nicht neu diktieren.“ Aber es ärgert sie, wenn ihre Sätze in einen falschen Zusammenhang gestellt werden, und es ärgert sie umso mehr, wenn sie, wie in diesem Fall, das Risiko selbst übersehen hat.

          Natalia Wörner steckt in einem Dilemma.

          Ein Latte macchiato, eine große Flasche Mineralwasser, dann noch ein Kännchen Pfefferminztee: Zwei Stunden lang redet diese Frau, so beschwingt und nachdenklich und offenkundig gerne, dass man ihr sofort einen Job beim Radio antragen würde.

          Trotzdem sagt Wörner in gewisser Hinsicht – nichts. Jedenfalls nicht über Heiko Maas. Nicht dass sie ein Geheimnis daraus machen würde, welche Bedeutung dieser Mann in ihrem Leben hat. Einmal, als sie nach ihrer Lesebrille kramt, zieht sie zunächst versehentlich seine aus der Handtasche und stopft sie mit einem Lachen zurück. Sie ist offensichtlich glücklich. Aber wie geht es ihrem Sohn, was ist mit seinen beiden Jungs? „Über die Kinder möchte ich nicht reden.“ Seine Exfrau? Schweigen. Die Wohnsituation? Zukunftspläne? Was heißt es, wenn sich zwei Menschen um die Fünfzig ineinander verlieben und deshalb ihr Umfeld und ihren Alltag neu sortieren müssen? „Es gibt Dinge, die sind sowieso öffentlich in unserem Leben“, sagt Wörner. „Aber es gibt Dinge, da hat man die Wahl. Im Grunde ist es so simpel: Man hat die Wahl.“

          Politics meets glamour

          Leider ist es allerdings überhaupt nicht simpel. Wenn nämlich das Jahr 2016 für Wörner in privater Hinsicht eines der wichtigsten ihres Lebens war, stand sie gerade deshalb im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit wie nie zuvor. „Das habe ich unterschätzt“, sagt die Schauspielerin. „Ich habe gedacht, das wird kurz laut und man sagt, o. k., jetzt kurz mal alle innehalten. Und dann geht’s auch wieder weiter.“ Stattdessen beflügelt die Liaison die Phantasien. Der Minister und die Schauspielerin. Politics meets glamour. Macht plus Schönheit.

          Schnell standen Vergleiche im Raum, denen jeglicher Realismus für die tatsächliche Bedeutung eines deutschen Justizministers und einer Fernsehschauspielerin, die ihre größten Fans nie im Feuilleton hatte, fehlte. John F. Kennedy und Marilyn Monroe. Fürst Rainier von Monaco und Grace Kelly. Nicolas Sarkozy und Carla Bruni.

          Wörner ist die Erste, mit der man über die Glamoursehnsüchte einer Gesellschaft lachen kann, die mit vermeintlichen Traumpaaren wie den Guttenbergs und den Wulffs gehörige Bruchlandungen erlitten hat. Man kann mit ihr darüber fachsimpeln, warum die Trennung von Brangelina wie ein modernes Märchen als Spiegel kollektiver Beziehungsbefindlichkeiten funktioniert. Wäre sie nicht zufällig betroffen, wer weiß: Vielleicht würde sie die Berichterstattung über den Politiker und die Mimin sogar interessiert verfolgen. Trotzdem klingt sie ungewöhnlich ratlos. „Ich frage mich, was das weiter befeuert“, sagt sie. „Wir machen ja wohl kaum den Eindruck, dass wir das besonders forcieren würden.“

          Das stimmt, einerseits. Andererseits hat die überheizte Neugier unabhängig von den Mechanismen des Boulevards auch mit der Persönlichkeit, dem Stil und den Prioritäten von Natalia Wörner zu tun.

          Futter für den Boulevard

          Im Februar hatte Maas das Scheitern seiner Ehe bekanntgegeben. Schnell machte der Name der alleinerziehenden Schauspielerin die Runde, die in der Ken-Follett-Verfilmung „Die Säulen der Erde“ gespielt hatte und von Karl Lagerfeld für den „Playboy“ fotografiert worden war. Wer googelte, stieß auf das Video zu einem Boulevard-Interview aus dem Sommer zuvor, in dem der Politiker und die Fernsehfrau einander Komplimente und flirtende Blicke zuwarfen, so plump, dass sich jeder Teenager schämen würde. Frühestens in zehn Jahren, sagt Wörner heute zerknirscht, könne sie sich dieses Video wieder anschauen. Eine offizielle Bestätigung der Liaison blieb aus.

          Im April saß das Paar gemeinsam in der ersten Reihe bei einem Kammermusikkonzert im Jüdischen Museum der Hauptstadt.

          Im Juni schossen Paparazzi Turteltäubchenbilder bei dem Auftritt von Paul McCartney in der Berliner Waldbühne.

          Im Oktober nahmen Maas und Wörner an der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche teil.

          Als Paar in der Öffentlichkeit

          Ein Abend Anfang November. In Berlin wird der Medienpreis der Kindernothilfe verliehen, einer von Spenden getragenen Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, die Natalia Wörner seit zehn Jahren mit großem Engagement unterstützt. Sie gehört bei dieser Veranstaltung gewissermaßen zum Inventar: Umarmung hier, Küsschen da.

          Heiko Maas, der von Presse- und Sicherheitsleuten begleitet wird, hat eine Rolle als Laudator übernommen. Das ist ein geschickter Schachzug: Zwei Personen des öffentlichen Lebens besuchen aus unterschiedlichen Gründen dieselbe Veranstaltung. Aber sie kommen als Paar. Roter Teppich. Wörner, einen Hauch größer als Maas, wirkt entspannt. Sein Lächeln ist so schmal wie seine Krawatte. Er legt seine Hand auf den Spitzenrücken ihres Abendkleides. Sie streicht mit dem Daumen an seinem Hemdkragen entlang. Der Schwarm der Fotografen verwandelt sich in ein Ungetüm aus Blitzen, das sich nur mit Mühe durch die Absperrungen bändigen lässt. Die Bilder sind gewollt. Es ist der Versuch, ohne Worte so etwas wie Selbstverständlichkeit zu etablieren.

          Zweieinhalb Stunden dauert die Preisverleihung. So viel Zeit für ein Charity-Event ist selten in einem Minister-Terminkalender, es muss ihm wichtig sein. Anschließend trinkt man Weißwein und Bier an Stehtischen, die Fotografen sind weg. Während Wörner ein bisschen aufgekratzt ist, scheint Maas verhaltener, fast ein bisschen unsicher. Aber es ist ja auch ihre Party. Ab und an stellt sie ihm alte Bekannte vor. Während er länger mit einem Reporter vom „Spiegel“ redet, geht sie zwei Tische weiter in Gesprächen mit Journalisten und alten Weggefährten über engagierte Arbeit in Kenia, Vietnam und Singapur auf. Einmal dreht sie sich zu ihm um, sucht Blickkontakt und fragt leise zweieinhalb Meter durch den Raum: „Ist alles okay?“ Das Signal zum Aufbruch wispert er ihr von hinten durch die Locken ins Ohr.

          Wenn Maas jetzt öffentlich seine Meinung ändert, druckt ein Boulevardblatt ein Foto von den beiden; Überschrift: „Hat seine Freundin ihn zur Vernunft gebracht?“

          Zwei Tage später druckt ein Boulevardblatt ein Foto von der Preisverleihung zusammen mit einem Artikel über die Kurskorrektur des Justizministers zum Thema Kinderehen. Überschrift: „Hat seine Freundin ihn zur Vernunft gebracht?“

          Das ist nicht nur Quatsch, das ist gemein. Tatsächlich hat sich Natalia Wörner in den vorangegangenen Monaten weder zum Thema Kinderehen öffentlich geäußert noch zu anderen Streitfragen aus dem Hoheitsbereich ihres neuen Freundes – anders, als sie das vermutlich in der Vergangenheit getan hätte. Die Zurückhaltung ist angebracht, alles andere könnte ihm politisch schaden, und das weiß sie auch: „Es ist eher komplizierter geworden, weil ich deutlich mehr und vor allem anders unter Beobachtung stehe.“

          Ernstgemeintes Engagement

          Aber natürlich bleibt sie ein politischer Mensch. Ihre Jugend im Stuttgart der achtziger Jahre war von Anti-Atom-Protesten, der Friedensbewegung und den frisch gegründeten Grünen geprägt. Wäre Wörner nicht Schauspielerin geworden, womöglich hätte sich an den Leistungskurs Politik ein politikwissenschaftliches Studium angeschlossen. Frauenthemen waren ihr immer wichtig, inzwischen steht der Einsatz für Kinder im Vordergrund.

          Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im vergangenen Frühjahr, vor der ihr Engagement systematisch auf seine Belastbarkeit geprüft wurde, ist wie ein Beweis, wie ernst es dieser Frau ist. Wörner sagt: „Wenn ich irgendwann mal für mich eine Lebensbilanz ziehe, wird es ein paar Arbeiten als Schauspielerin geben, über die ich sage, da ist mir vielleicht was gelungen. Und dann gibt es mit Sicherheit die Arbeit mit der Kindernothilfe, über die ich sagen kann, ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe.“

          Anregende Politik

          Auch Wörners Nähe zur SPD hat eine lange Geschichte. Die einstige Schröder-Unterstützerin trat öffentlich für den Kanzlerkandidaten Steinmeier ein. Wenn sie heute von einer freundschaftlichen Beziehung zum designierten Bundespräsidenten spricht, geht das unter anderem auf eine Asien-Reise im Tross des Außenministers zurück. Wörner bereitete sich damals auf die neue Reihe „Die Diplomatin“ vor und gab anschließend Interviews, in denen sie die Kompetenz und Besonnenheit, die Weitsicht und Menschlichkeit von Politikern pries.

          In ihrer unbekümmerten Art sagte sie damals Sätze, die sie heute die Hände vors Gesicht schlagen lassen. Bestes Beispiel: „Ich finde grundsätzlich, dass sich Politik und Sex-Appeal nicht zwangsläufig ausschließen. Während meiner Recherche habe ich viele Menschen kennengelernt, die mich auch in diesem Sinn inspiriert haben.“ Es hat keinen Sinn, in solchen Aussagen nach den Anfängen ihrer Affäre mit Maas zu suchen. Aber man darf sich ausmalen, wie anregend es sein muss für eine Frau wie sie, schon am Frühstückstisch politische Diskussionen zu führen.

          Natalia Wörner bei der Arbeit

          „Ach, Frau Wörner“, stöhnt die Maskenbildnerin gespielt genervt, kurz bevor die erste Klappe fällt: „Die muss immer noch tausend andere Dinge machen.“ Ein Setbesuch in Bückeburg, wo ein Dokudrama über die vor hundert Jahren hingerichtete Doppelagentin Mata Hari gedreht wird, das die ARD in der ersten Jahreshälfte ausstrahlen will. Täglich neu verwandelt sich das Schloss des Fürsten zu Schaumburg-Lippe in historische Schauplätze in Deutschland, Spanien und Frankreich, an diesem Novembervormittag liegt neben dem großen Festsaal das Büro des deutschen Militärattachés in Madrid: Vergilbte Landkarten, Stühle mit kolonialistischer Drechselei, Palmen vor der Balkontür verbreiten trotz Eiseskälte mediterranes Flair.

          Natalia Wörner trägt das, was man im frühen zwanzigsten Jahrhundert unter einem Kostüm verstand, einen hellen taillierten Mantel zu langem Rock und buttercremefarbener Bluse mit Spitzenstehkragen. In ihrem aufgedrehten Haar steckt eine Feder.

          „Die öffentliche Aufregung habe ich unterschätzt“, sagt die Schauspielerin.

          35 Sekunden wird ihr Dialog mit dem Militärattaché dauern, und auf Bildschirmen ist schon während des Drehs zu sehen, wie ihr bei aller Contenance für einen Moment die Züge entgleiten, weil die Spionin erahnt, dass sie in Ungnade gefallen ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Schauspielern vermag Wörner diesen Ausdruck wie auf Knopfdruck herzustellen, unabhängig davon, was sie eine Minute zuvor getan hat.

          In diesem Fall heißt das: Sie besorgt dem Kameramann einen Kaffee, flachst mit dem Regisseur und verbreitet auch sonst gute Laune. Und sie bittet die Maskenbildnerin, für sie ein Foto zu knipsen, sobald das ungewöhnliche Hochzeitspaar wieder auftaucht, das sich eben überraschend durch die Kulissen geschoben hat, weil der übliche Schlossbetrieb mit Besuchergruppen und Trauungen parallel zu den Dreharbeiten weitergeht.

          Die Brautleute: ein schwarzbärtiger junger Mann und eine Dunkelhäutige in einem Rokoko-Traum von Rock und einem enganliegenden weißen Kopfschleier, der gerade eben das Gesicht freilässt. Und das, während in Deutschland die Burkadebatte tobt. Etwas später zeigt Wörner belustigt ihre Handyfotos herum, auf denen sie als Mata Hari mit dem frisch gebackenen Ehepaar posiert. „Mein Beitrag zur Integration“, blödelt sie und freut sich an der Antwort der Frau auf die Frage, wo sie eigentlich herkomme: aus Bielefeld.

          Politik scheint Teil ihres Wesens zu sein

          Es ist der Mittwoch, an dem Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten geworden ist. Wörner hat in ihrem Zimmer im Schloss auf ihr Morgenyoga verzichtet, um die politischen Reaktionen im Fernsehen anzuschauen. Während die Maskenbildnerin ihr die Locken hochsteckt, wischt Wörner das Konterfei des Justizministers von ihrem Handydisplay, um im Internet nach der Rede der Bundeskanzlerin zu suchen. Auch wenn sie über die Dreharbeiten redet oder von ihrem zehnjährigen Sohn erzählt, streut sie Anspielungen auf Trump ins Gespräch, mal erschüttert und nachdenklich, dann wieder spottend und frech. Ihr politisches Interesse scheint Teil ihres Wesens. Ähnlich verhält es sich mit ihrem Humor.

          Man muss sich das klarmachen: Die Freundin des Justizministers spielt Mata Hari. Eine Nackttänzerin, die es dank geschickter Selbstvermarktung zum Weltstar brachte und zur Prostituierten abstieg! Eine Konkubine der Politik! „Ich habe schon eine ungefähre Vorstellung, was da auf mich zukommt. Natürlich ist die Rolle mit ihren legendenhaften Stichworten eine Steilvorlage für Verhetzungs- und Versülzungspotential“, sagt Wörner. Natürlich hat sie darüber nachgedacht, ob sie die Rolle annehmen solle. Aber als Schauspielerin war die Sache für sie klar: eine legendäre historische Figur, ein vielschichtiger Charakter, ein Team, das sie schätzt, Sandra Maischberger als Produzentin. Sie entschied sich für ihre Freiheit.

          Präsent und unkompliziert

          Wörner hat dieses Image einer starken und selbstbewussten Frau, und das ist kein Zufall. „Ich habe bisher ein komplett autonomes Leben gelebt“, sagt sie. „Als Schauspielerin, als Frau, als alleinerziehende Mutter, als engagierte Bürgerin - in meinem Werdegang bin ich eine Selfmade-Woman.“ Seit sie und der kanadische Schauspieler Robert Seeliger sich vor knapp zehn Jahren getrennt haben, hat sie in der Öffentlichkeit nicht mehr über ihr Beziehungsleben geredet. Präsent war sie trotzdem. Ihr Aussehen und ihr Spaß daran, ihre Meinung zu sagen, werden dazu beigetragen haben.

          Ihre Authentizität verschaffte ihr Respekt. Außerdem schien Wörner vergleichsweise unkompliziert der Presse gegenüber. „Es hat eine Tradition, weltweit, dass ein Schauspieler auch einen Teil seines Privatlebens mit in die Runde wirft“, findet sie. „Es gibt nichts Langweiligeres als ein Malen-nach-Zahlen-Standard-Interview.“

          Aussagen müssen wohlüberlegt sein

          Was das angeht, ist der Minister unter den neuen Umständen im Vorteil: In Journalistentexten über ihn wird seine politische Arbeit bewertet, die prominente Freundin kommt nur am Rande vor. Sie hingegen musste im Frühjahr die Pressearbeit zu „Die Diplomatin“ stark eindampfen, weil jedes Wort zum Beziehungsstatement umgedeutet werden konnte. Jede Person, die in der Öffentlichkeit steht, sollte sich überlegen, was sie tut und was sie besser lässt.

          Wörner wird da in Zukunft noch genauer sein. Vielleicht wäre ein vollständiger Rückzug die sauberste Lösung. Wer nicht mehr auftaucht, kann kaum noch Thema sein. Aber das ist unmöglich, jedenfalls für sie, und zwar aus zwei Gründen. Als Schauspielerin muss Wörner ihre Projekte wenigstens in einem gewissen Rahmen bewerben. Und ihr politisches Engagement, das nur dank ihrer Popularität so wirksam ist, würde sie niemals drangeben.

          Kerzengerade sitzt sie bei ihrem Lieblingsitaliener. „Ich finde, wir leben in Zeiten, in denen sich jeder engagieren muss, wenn er kann, und sich hoffentlich mit Sinn und Verstand einsetzt für andere und eine Haltung hat und diese bewahrt und unsere Demokratie, die verteidigt werden muss, immer wieder stärkt und neu erfindet“, sprudelt es aus ihr heraus, um im gleichen Atemzug anzufügen: „Es kann ja nicht sein, dass man sich wegen wirklich unnötiger Blicke, die man selbst nicht will, an Stellen zurückhält, die einem wichtig sind. Da stimmt dann die Relation nicht.“

          Wer nutzt, wer schadet wem?

          Die Knallpresse wird sich daran gewöhnen müssen, dass Maas und Wörner nicht über ihr Privatleben reden. Wie schon bisher werden die beiden auch mit juristischen Mitteln dafür sorgen, dass sie auf dem Weg zum Bäcker oder zum Flughafen möglichst unbehelligt bleiben.

          Nur: Solange sein Reich und ihre Welt sich nicht sauber trennen lassen, solange sich der politische Alltag des SPD-Mannes und das gesellschaftspolitische Engagement der Schauspielerin in Teilen überlappen, bleibt es womöglich tatsächlich interessant, die nächsten Schritte dieses Paares zu beobachten: Wie viel Potential steckt in einer Verbindung, in der einer der Partner Wählerstimmen, der andere Einschaltquoten braucht? Wie setzt man sich gemeinsam in Szene in einer Zeit, in der Erfolg kaum unabhängig von Imagefragen und Medienpräsenz zu denken ist? Wer nutzt, wer schadet wem?

          „Ich habe gedacht, das wird kurz laut und dann geht’s auch wieder weiter.“ Wörner beim F.A.S.-Shooting im Dezember in Berlin

          Dieses Jahr ist Bundestagswahl, auch im Saarland wird gewählt. Man darf vermuten, dass sich die SPD nicht nur in der Bundesversammlung mit ihrer schönen Sympathisantin schmücken will. Wörner plant eine neue Kampagne für ein Projekt der Kindernothilfe in Äthiopien. Ihre Entscheidungen trifft die Selfmade-Woman neuerdings zu zweit. Aber auch das nur Schritt für Schritt, von Mal zu Mal. „Es gibt keine Strategie“, sagt sie. „Es gibt auch keinen Masterplan, ob ich bei irgendwelchen politischen Veranstaltungen im nächsten Jahr dabei sein werde. Ganz ehrlich: Das weiß ich noch nicht.“

          Halten statt aushalten

          Vorbilder fehlen. Nirgendwo eine Blaupause zum Nachahmen, niemand, von dessen Erfahrung sie profitieren könnte. Solange glaubt Wörner: „Man muss so was erst mal halten können.“ Sie sagt bewusst nicht: „aushalten“. Passives Erdulden wäre nicht ihr Ding. Ihr geht es vielmehr um eine Fähigkeit, die es auch braucht, wenn man ein Kind durch seinen Kummer begleiten will, anstatt Tränen mit Trost zu bekämpfen.

          Wenn man nicht weiß, wie eine Situation funktioniert, wo sich der Ausweg aus einem Dilemma befindet, was für alle Beteiligten die richtige Wahl wäre, wenn die Selbstverständlichkeit auf sich warten lässt – einfach halten, sagt Wörner: „Und das ist dann in der Tat eine Frage von Kraft. Das ist meine Lebenserfahrung. Und dann kommt die Lösung auch.“

          Auch das neue Jahr könnte für Natalia Wörner ein wichtiges werden.

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