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Trumps Frau im Porträt : Mehr Versailles fürs Weiße Haus

  • -Aktualisiert am

Donald Tump und seine Frau bei einer Wahlkampfveranstaltung im Februar 2016. Melania Trump ist außerhalb Amerikas kaum bekannt – das könnte sich bald ändern. Bild: AFP

Melania Trump, die Frau an Donald Trumps Seite, wäre eine traditionsbewusste First Lady. Zumindest stellt sie sich das selbst so vor.

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          Sie würde wahrscheinlich erst einmal umdekorieren. Den taubenblauen Teppich aus dem East Room reißen, dem Red Room mit Spiegeln mehr Glanz verleihen und die gestreiften Tapeten des Oval Office hinter Marmor und Gold verstecken. Und der Gemüsegarten ihrer Vorgängerin Michelle Obama? Plattwalzen und den Tennisplätzen zuschlagen. Für Gartenarbeit mit Schulkindern hätte Melania Trump nach einem Umzug in das Weiße Haus vermutlich ohnehin keine Zeit.

          Seit ihr Ehemann Donald in der vergangenen Woche bei den Vorwahlen auch in Nevada die republikanische Konkurrenz hinter sich ließ, versucht Amerika, sich Mrs. Trump als First Lady vorzustellen. Außerhalb New Yorks, wo das frühere Model mit dem Immobilieninvestor an der Fifth Avenue residiert, ist Melania Trump fast unbekannt.

          Da sich ihre seltenen Auftritte bei Wahlveranstaltungen zudem auf Plattitüden wie „Er wäre der beste Präsident“ oder „Er liebt euch alle“ beschränkten, konnten sich die meisten Wähler bislang keinen Reim auf die Frau an der Seite des Kandidaten machen.

          Die Trumps sind nicht immer einer Meinung

          Das soll nun anders werden. Bei einem Interviewmarathon bot die Fünfundvierzigjährige in den vergangenen Tagen wohlorchestrierte Einblicke in ihr Eheleben. „Ob ich immer seine Meinung teile? Nein, und das lasse ich ihn auch wissen“, sagte Trump dem Sender MSNBC.

          Melania Trump, damals noch Melania Knavs, 1987 bei einem Fotoshooting in Ljubljana. Donald Trump lernte sie 1998 während der Fashion Week kennen.

          Von der Moderatorin Mika Brzezinski auf abfällige Äußerungen ihres Mannes über Mexikaner angesprochen, hielt sie ihm die Stange. „Ich habe nicht das Gefühl, dass er die Mexikaner beleidigt hat. Er hat ,illegale Einwanderer’ gesagt und nicht alle Mexikaner gemeint.“ Als gebürtige Slowenin sei sie mit den Visa-Formalitäten in den Vereinigten Staaten bestens vertraut. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, ohne Papiere hier zu bleiben“, versicherte Melania Trump.

          Das ehemalige Model war nach einem Umweg über Mailand und Paris im Jahr 1996 nach Amerika gekommen. Zwei Jahre später lernte sie während der Fashion Week ihren späteren Ehemann kennen. Obwohl „The Donald“ die Feier der Agentur ID Models in Begleitung einer Freundin besuchte, fragte er die damals Achtundzwanzigjährige ungeniert nach ihrer Telefonnummer. Als sie sich weigerte, verriet der 24 Jahre ältere Immobilienmogul seine Nummern – die seines Büros, seines New Yorker Apartments und seines Strandschlosses Mar-a-Lago in Florida.

          Sie ist seine dritte Ehefrau

          Nach drei Tagen und einem Fotoshooting in der Karibik rief Melania Knauss, wie sie damals hieß, ihn an. Was sie an Trump mochte? „Seine Energie. Er hatte so einen Sinn für Vitalität“, erinnerte sich Trump in der Modezeitschrift „Harper’s Bazaar“.

          Vorwahlen in Amerika

          Für zwei frühere Beziehungen hatte Trumps Energie nicht gereicht. Die Ehe mit dem tschechischen Model Ivana Trump, der Mutter seiner Kinder Donald Jr., Ivanka und Eric, endete im Jahr 1991 mit der Scheidung. Von Marla Maples, seiner zweiten Ehefrau und Mutter seiner Tochter Tiffany, hatte sich der Geschäftsmann gerade getrennt, als er seine dritte Ehefrau kennenlernte. In New York kursierten Gerüchte, Trump habe sich in der Vergangenheit zu intensiv um die Schönheitsköniginnen gekümmert, die er als Veranstalter von Wettbewerben wie „Miss Universe“ und „Miss USA“ auf den Laufsteg schickte.

          Seine neue Freundin konnte Trumps Ruf aber nicht schrecken. Im Januar 2005 trat die Tochter eines Autohändlers in Palm Beach mit dem Milliardär vor den Traualtar. Zu den fast 500 Gästen zählten neben dem früheren New Yorker Bürgermeister Rudy Guiliani auch der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton und seine Ehefrau Hillary – damals Senatorin des Bundesstaates New York, heute als demokratische Präsidentschaftsbewerberin Trumps Konkurrentin.

          „Wie Betty Ford oder Jackie Kennedy“

          Während Ivana Trump in den achtziger Jahren bei Immobilienprojekten wie dem Trump Tower an der Fifth Avenue als Partnerin ihres damaligen Mannes auftrat, spielt ihre Nachfolgerin Melania eine dezentere Rolle. „Ich bin eine Vollzeit-Mutter, und ich bin es gern“, ließ die Mutter des neun Jahre alten Barron wissen. Nebenbei verkauft sie bei einem Homeshopping-Kanal Schmuck und engagiert sich für karitative Organisationen wie die Stiftung für Brustkrebsforschung.

          Falls „The Donald“ bei den Präsidentschaftswahlen gewinnt, wäre sie die erste First Lady seit fast 200 Jahren, die nicht in den Vereinigten Staaten zur Welt kam. Ihre Rolle als Präsidentengattin hat die dritte Mrs. Trump aber längst geklärt. „Ich wäre sehr traditionell. Wie Betty Ford oder Jackie Kennedy“, sagte sie der „New York Times“ schon vor 17 Jahren, als sie noch Knauss hieß. Trump, mit dem sie sich durch das New Yorker Nachtleben feierte, versuchte sich damals als Präsidentschaftsbewerber der Reformpartei.

          Wie die amerikanischen Fernsehzuschauer in den vergangenen Tagen sehen konnten, hat sich seitdem einiges getan. Mit Ehemann und Sohn residiert Melania Trump in einem 100-Millionen-Dollar-Penthouse an der Fifth Avenue mit Blick über den Central Park. Die Dekoration ist dem Schloss von Versailles nachempfunden: Marmor, Deckengemälde und 24 Karat Gold, so weit das Auge reicht. Das Weiße Haus scheint da fast eine Nummer zu klein.

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