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Fragwürdige Filmkritik : Trump verspottet Oscar-Gewinner „Parasite“

  • -Aktualisiert am

„Parasite“ war der Abräumer bei der diesjährigen Oscarverleihung. Der amerikanische Präsident ist damit nicht zufrieden. Bild: AP

Der Film „Parasite“ war der Überraschungsgewinner der diesjährigen Oscarverleihung. Präsident Donald Trump ist nicht einverstanden. Er findet den Film einfach zu...südkoreanisch.

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          „Wie schlecht waren die Academy Awards in diesem Jahr?“, höhnte Präsident Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Colorado Springs am Donnerstagabend (Ortszeit). Angestachelt vom Gelächter seiner Anhänger imitiert Trump den Laudator der Oscar-Nacht: „Und der Gewinner ist ein Film... aus Südkorea“ – „Was zum Teufel war da denn los?“.

          Auslöser sowie Zielobjekt des Spottes ist die gesellschaftskritische Komödie „Parasite“ des südkoreanischen Regisseurs Bong Joon-ho. Der Film handelt von einer armen Familie, die sich nach und nach als Angestellte in das luxuriöse Anwesen einer reichen Familie einschleicht. Er hatte in diesem Jahr vier Oscars gewonnen: bester Film, bester fremdsprachiger Film, beste Regie und bestes Originaldrehbuch.

          Sein inhaltliches Unwissen scheint Trump wenig von der Filmkritik abzuhalten. „War der gut? Ich weiß es nicht“, gibt er zu. Doch das größte Manko des Films hat, laut Trump, auch nichts mit der Handlung zu tun: Er ist ausländisch. Fassungslos fragt er: „Ist das schon mal passiert?“.

          Nein, Herr Trump. Tatsächlich hat die Satire „Parasite“ in diesem Jahr Oscar-Geschichte geschrieben, indem sie als erster, nicht englischsprachiger Film die Auszeichnung zum besten Film bekam.

          Ausländisch findet Trump nicht per se schlecht. Doch ausländische Filme sollten gefälligst auch in ihrer Kategorie bewertet werden, findet Trump.

          Der Film ist nicht nur anderssprachig, zu allem Überfluss für Trump kommt der Film ausgerechnet aus Südkorea. Die Vereinigten Staaten hätten wegen des Handels genug Probleme mit diesem Land – und jetzt bekämen die auch noch die Auszeichnung für den besten Film des Jahres?

          Zwar bekommt nicht das Land einen Oscar, sondern eine Filmproduktion, doch dieses Detail scheint für Trump nur Nebensache zu sein.

          Regisseur Bong Joon-ho postiert mit seinen Oscars bei der diesjährigen Verleihung – Sein Film „Parasite“ war der Erfolg des Abends.

          Stattdessen schwärmt er über die guten alten Zeiten. Er wünsche sich all die „großartigen Filme“ zurück. Dazu gehören für ihn zum Beispiel „Boulevard der Dämmerung“ und „Vom Winde verweht“.

          Letzterer spielt zu den Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs und erzählt die Liebesgeschichte der Tochter eines reichen Plantagenbesitzers. Er gilt zwar als Klassiker und wurde seinerzeit, wohlgemerkt vor fast 80 Jahren, mit gleich mehreren Oscars ausgezeichnet, wird aber heute wegen der Rolle der Afroamerikaner in dem Film als rassistisches Werk eingeordnet.

          Das nordamerikanische Unternehmen Neon, das den koreanischen Oscar-Film mit Untertiteln in den Vereinigten Staaten vertreibt, lieferte auf Twitter eine Erklärung für Trumps Missfallen: „Verständlich. Er kann nicht lesen“.

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