https://www.faz.net/-gum-8k2ed

Netztrend : Handauflegen mit Trump

  • -Aktualisiert am

Hat ein Händchen für spitzfindige Kommentare - und muss sich nun vermehrt selber persönlichen Angriffen stellen: Donald Trump. Bild: AP

Donald Trump erklärt sich gerne einmal für den Größten. Dass diese Einschätzung nicht unbedingt zu den Maßen gewisser Körperteile passt, beweist nun das Netz mit einem Experiment.

          3 Min.

          Wie in kaum einem anderen Land dreht sich der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten um die Person der Präsidentschaftskandidaten. Schon Kleinigkeiten können da wichtig werden. Beziehungsweise die Diskussion darüber, ob diese Kleinigkeiten wirklich so klein sind, wie es alle immer behaupten. Ganz besonders scheint sich diese Frage bei Donald Trumps Händen zu stellen.

          Da sich der Präsidentschaftskandidat selbst auch gerne und ausgiebig über die körperlichen Gegebenheiten seiner Gegner auslässt und ihnen zweifelhafte Spitznamen gibt - über seine Kontrahentin im Kampf um das Präsidentschaftsamt Clinton spricht er nur als „Crooked Hillary“, betrügerische Hillary also – sind Kampagnengegner auch bei ihm nicht gerade zimperlich. Erst wurde sein Haar, das inzwischen einen eigenen Twitteraccount besitzt, Thema der Diskussion, dann der Teint, der meist eher orange als braun anmutet, jetzt hat die Diskussion um die Größe seiner Hände einen neuen Schub bekommen. Die findet Trump nämlich normal bis überdurchschnittlich groß, während das Netz da seine Zweifel hat.

          Das Magazin „Hollywood Reporter“ ließ seine Leser nun selber entscheiden, wie klein oder groß sie die Hände des Präsidentschaftskandidaten finden – und landete damit einen viralen Hit. Ein Reporter der Zeitschrift hatte in einer versteckten Ecke beim Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds in New York Bronzeabgüsse der Hände entdeckt. Diese entstanden vermutlich, als Mitarbeiter des Kabinetts 1997 verschiedene Abgüsse von Trumps Körperteilen für eine lebensgroße Wachsfigur nahmen. Auch wenn die Figur selber nicht mehr im Kabinett steht, konnte der Reporter so Skizzen der Hände in Originalgröße anfertigen. Unter dem Hashtag #TrumpMyHand verbreitete sich die daraus entstandene Druckvorlage rasch im Netz.

          Nutzer druckten sie aus und verglichen auf sozialen Netzwerken ihre Hand mit der des Präsidentschaftskandidaten. Ganze Bürogemeinschaften probierten sich im Handauflegen und teilten ihre Fotos in sozialen Netzwerken. Immerhin größer als Hundepfoten scheinen Trumps Hände zu sein, aber manche Kinderhand scheint ähnliche Ausmaße wie die des 70-Jährigen zu haben.

          Trump reagierte bislang oft dünnhäutig, wenn es um die Größe seiner Hände ging. Diese Erfahrung machte als erstes Graydon Carter, langjähriger Herausgeber des Monatsmagazins Vanity Fair. Er thematisierte Donald Trump – damals bereits ein aufstrebender Immobilientycoon – vor dreißig Jahren mehrmals im Satiremagazin „Spy“. Nur um den Mann, der schon damals zu großen Sprüchen neigte, ein wenig zu triezen, habe er ihn einen „short-fingered vulgarian“ genannt, berichtete Carter im Editorial der Vanity Fair im vergangenen Oktober.

          Bis heute bekomme Carter sporadisch Umschläge von Trump zugesendet mit aus Zeitungen herausgetrennten Bildern des Milliardärs, auf denen die Finger mit einem goldenen Filzstift eingekringelt seien. Beim letzten Fingerbild, kurz bevor Trump bekanntgab, dass er sich als republikanischer Kandidat für die Vorwahl aufstellen ließ, habe der New Yorker noch daneben geschrieben: „See, not so short“.

          Auch Nominierungsgegner Marco Rubio bewies ein Händchen für die schwache Stelle seines Kontrahenten, als er Trumps Fingergröße im Februar im Wahlkampf aufgriff. Nachdem dieser ihn zuvor wegen seiner Körpergröße mehrfach „Little Marco“ genannt hatte, sagte Rubio vor seinen Anhängern bei einer Wahlkampfveranstaltung: „You know what they say about men with small hands“, und machte danach eine bedeutungsvolle Pause, bevor er unter den Lachern seines Publikums ergänzte: „You can’t trust them!”

          Amerikanische Late Night Shows thematisierten in der Folge mehrmals die Länge der Finger. Eine politisch-humoristische Initiative rief sogar die Kampagne „Americans Against Insecure Billionaires with Tiny Hands“ ins Leben. Donald Trump solle endlich seine offiziellen Handmaße bekannt geben, so die Forderung der Gruppe. Denn: „America cannot risk having a president with teeny tiny baby hands.” Sogar einen Fernsehspot ließ die Initiative schalten. Darin wirft eine junge Frau die Frage auf: „If the White House phone rings at 3 am, could his little hands even pick up the receiver?“

          Ab welcher Länge die Fingers eines knapp 1,90 Meter großen Mannes als kurz gelten, ist in diesem Fall eigentlich irrelevant, genauso wie die Tatsache, dass Trumps Finger in den meisten Situationen ziemlich normal lang aussehen. Kabarettisten, Journalisten und Trump-Gegner genießen es, dass der sonst so selbstüberzeugte Milliardär sich über die Fingerdebatte echauffieren kann. „My fingers are long and beautiful, as, has been well-documented, are various other parts of my body”, sagte Donald Trump bereits 2011 der Washington Post. Und auf Rubios Andeutungen während des Wahlkampfs reagierte er mit: „He referred to my hands - if they’re small, something else must be small. I guarantee you there is no problem.” Alles, wirklich alles an Trump, hat also die richtige Länge.

          Viel relevanter als die Maße seiner Finger oder sonstigen Körperteile dürfte aber sowieso die Frage werden: Sind es die zarten Frauenhände von Hillary Clinton, welche bei der Präsidentschaftsvereidigung im kommenden Januar auf der Bibel liegen werden – oder die „tiny baby hands“?

          Weitere Themen

          Mafia-Betrug mit Luxusautos

          Razzien in drei Ländern : Mafia-Betrug mit Luxusautos

          Die Polizei in Deutschland, Italien und Bulgarien ist gegen eine Bande vorgegangen, die mit einem „Umsatzsteuerkarussell“ mindestens 13 Millionen Euro Millionen ergaunert haben soll.

          Vom Pilotprojekt zur Dauereinrichtung

          Kampf gegen Missbrauch : Vom Pilotprojekt zur Dauereinrichtung

          Innerhalb von 15 Monaten hat eine Taskforce in Nordrhein-Westfalen im Kampf gegen Kindesmissbrauch 3800 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der Erfolg zeige, dass es sich nicht um Nischenkriminalität handele, so Justizminister Biesenbach.

          Topmeldungen

          Eine Passantin geht mit einer Papiertüte auf der Prager Straße in Dresden vor einem Schaufenster mit der Aufschrift „Frohe Weihnachten“ entlang.

          Lieferengpass : Werden die Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr teurer?

          Das Lieferketten-Chaos stellt auch immer mehr Einzelhändler vor Herausforderungen. Wird es Lücken in den Regalen geben? Und werden die Geschenke pünktlich ankommen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
          „Bitte Aushangfahrplan beachten“: Wenn die Technik versagt, geht am Bahnhof nicht mehr viel.

          Verspätet, veraltet, kaputt : Die Bahn im Stau

          Klimaschutz mit attraktivem Schienenverkehr? Für dieses politische Ziel wird viel passieren müssen. Die täglichen Störungen im Betrieb der Deutschen Bahn zeigen den hohen technischen Nachholbedarf.
          Sachsen, Leipzig: Mitarbeiter des Hotel Westin, die mit einem Banner ein Zeichen gegen Antisemetismus setzen wollen.

          Interne Hotel-Ermittlungen : Kein Beweis für Antisemitismus

          Eine interne Untersuchung des Leipziger Hotels ergibt kein Fehlverhalten des Mitarbeiters, den der Sänger Gil Ofarim des Antisemitismus beschuldigt hat. Gegen beide liegen Strafanzeigen vor.
          Fische am Great Barrier Reef an der Küste von Queensland, Australien

          Klimaneutralität bis 2050 : Australiens späte Mission Null

          Kaum ein Land spürt den Klimawandel so sehr wie Australien. Trotzdem hat sich das Land lange gegen ambitionierte Klimaziele gesträubt. Nun vollzieht die Regierung eine Wende – und mit ihr das Murdoch-Imperium. Wie kommt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.