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„Traumschiff“-Kapitän : Stolpersteine bei der Namensfindung

Der ehemalige Kapitän Sascha Hehn (rechts) mit seiner Crew.

An Bord des „Traumschiffs“ war Florian Silbereisen schon im Jahr 2017 einmal, in der Folge „Tansania“ spielte er den jungen Offizier Florian Barner. Und vielleicht hätte das ZDF bei diesem Namen bleiben sollen. Gar nicht einmal deshalb, weil sich auch Silbereisens neuer Rollenname als Kapitän auf einem Stolperstein in Berlin findet: Der Kaufmann Max Prager wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. An ihn freilich wird das ZDF kaum gedacht haben, und der Einwand, dass angesichts des Ausmaßes der nationalsozialistischen Menschenvernichtung schwerlich Namen zu finden sind, die sich nicht in irgendeiner Form mit unserer fürchterlichen Geschichte verbinden ließen, wäre gewiss berechtigt.

Seemann, Kolonialist und Krieger

Ebenfalls keine Absicht, doch zumindest ein dummer Zufall jedoch ist es, dass vor Florian Silbereisen schon einmal ein deutscher Kapitän namens Max Prager in See gestochen ist. Das ist eine ganze Weile her, allerdings lassen sich nicht zuletzt die Zeugnisse, die dieser Max Prager selbst über sein Wirken ablegte, heute im Internet finden. Prager, geboren 1854 in Stettin und gestorben 1910 in Wandsbek, stand als Kapitän des einstigen Rheindampfers „München“ dem Afrika-Forscher Hermann von Wissmann zur Seite, dem späteren Gouverneur Deutsch-Ostafrikas. In dem Wissmann gewidmeten Buch „Deutschlands größter Afrikaner“ aus dem Jahr 1907 heißt es, Prager habe mit seiner Überfahrt vom Rhein bis nach Bagamoyo im heutigen Tansania „ein seemännisches Meisterstück“ geleistet.

Zeichen der Verbundenheit: ein tätowierter Kompass

Prager war indes nicht nur ein fähiger Seemann, sondern auch ein stolzer Kolonist und Krieger, der Wissmann von 1889 an bei der Niederschlagung eines Aufstands der ostafrikanischen Küstenbewohner unterstützte, unter anderem bei der Erstürmung der Stadt Pangani. In seinem 1901 erschienenen Erinnerungsband „Die deutsche Dampfer-Expedition zum Nyassa-See“ äußerte sich Prager in Kolonialherrenart über die Einheimischen, die der „Erziehung“ bedürften und deren Widerstand „mit Gewalt niedergehalten“ werden müsse. „Der Neger“, heißt es an anderer Stelle, „kann es nicht recht einsehen, warum der weiße Mann in Betreff der Reinlichkeit so penibel ist und er so oft bei ertappter Unsauberkeit gescholten wird.“ Der Deutsche hingegen sei zweifellos „der beste und geeignete Kulturarbeiter der Erde“.

Wir schätzen mal, dass niemand der Verantwortlichen bei der Namenssuche für Silbereisens Kapitän an diesen Max Prager gedacht hat – das wäre ja auch schlimm gewesen. Wirklich glücklich aber ist es auch nicht, dass offensichtlich gar keiner an ihn gedacht hat oder auch nur daran, den Namen mal zu googeln. Man habe, heißt es beim ZDF, den Namen gewählt, „weil er einen positiven und zugleich bayerischen Klang“ habe.

Andererseits muss man den alten Prager sicher nicht als herausragende Figur der Historie betrachten, er dürfte wenigen noch geläufig sein – und irgendwann dürfte auch die letzte Erinnerung an ihn überlagert sein vom fröhlichen und menschenfreundlichen „Traumschiff“-Käpt’n Silbereisen. Trotzdem ist man erleichtert, dass dessen erste Reisen in die Karibik und nach Kolumbien führen – und nicht nach Ostafrika. In Tansania ist Silbereisen ja auch schon gewesen, als er noch der Offizier Florian Barner war.

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