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Transition beim Militär : Eine trans Frau bei der Bundeswehr

„Ich kenne natürlich beide Seiten. Ich glaube zu wissen, wie die Männer ticken. Ich gehörte ja lange genug dazu.“ Bild: Nerea Lakuntza

Eine Geschlechtsangleichung als Bundeswehrsoldat? Oberst Elisabeth Landsteiner ist diesen Schritt gegangen. Ihre Karriere hat die Transition gut überstanden – und ihre Ehe auch.

          7 Min.

          „Alle einrücken“, steht auf dem Aushang am Schwarzen Brett, „7.30 Uhr, Be­sprechungsraum, Bekanntmachung Oberstleutnant Landsteiner“. Es ist der 12. Dezember 2012, und alle sind gekommen, die Kameraden vom Feldwebel bis zum Oberst. „Natürlich“, sagt Landsteiner rückblickend, „war ich angespannt und aufgeregt. Die Stimme hat gezittert.“ Hochzeit, Kinder – die üblichen Anlässe für persönliche Ankündigungen sind mit Ende 40 eigentlich abgehakt. Landsteiner hat zwei DIN-A4-Seiten in Schriftgröße 20 vorbereitet. Die Strategie: einfach raus damit. Die Ansprache dauert vier Minuten. Der wichtigste Satz: „Ich bin transsexuell.“ Es gibt Applaus, ein paar Männer schütteln den Kopf. Anschließend fragt Landsteiner die Frauen ihrer Abteilung, ob sie künftig deren Toiletten und Duschen benutzen dürfe. „Zu den Buben wollte ich da nicht mehr gehen.“

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Frau, die in einem schmalen Reihenhaus in Unterfranken am Esstisch sitzt und ihre erstaunliche Geschichte er­zählt, hat ihren Vornamen im Frühjahr 2013 zu Elisabeth Sophia geändert; in­zwischen ist sie zum Oberst befördert worden. Streng genommen erzählt sie zwei Geschichten, beide haben dasselbe Happy End: Soeben ist die 58-Jährige zum dritten Mal zur Militärischen Gleichstellungsbeauftragten des Ausbildungskommandos im Heer gewählt worden ­ – ein Amt, das nur Frauen wählen und bekleiden dürfen. Es gab eine Ge­genkandidatin, Landsteiner gewann mit Zweidrittelmehrheit. Zu ihrer Eignung sagt sie: „Ich kenne natürlich beide Seiten. Ich glaube zu wissen, wie die Männer ticken. Ich gehörte ja lange genug dazu.“

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