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Touristen in Peru : Gestrandet in Machu Picchu

Protest in Aguas Calientes: Peruanische und ausländische Touristen warten darauf, doch noch eine Eintrittskarte für Machu Picchu zu bekommen. Bild: AFP

Alle wollen nach Machu Picchu, doch nicht alle haben ein Ticket dafür. Am Fuß der Inka-Stadt herrscht seit Wochen eine angespannte Stimmung.

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          Der Traum vom Besuch der weltberühmten Inka-Stadt Machu Picchu in Peru hat sich in den vergangenen Wochen für viele Touristen in einen Albtraum verwandelt. Grund: Sie reisen in die Region, haben aber keine Eintrittskarte für den Besuch der im 15. Jahrhundert errichteten Zitadelle.

          Tjerk Brühwiller
          Korrespondent für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          Die Tickets für die kommenden Wochen sind schon vergriffen – und ohne Ticket wird niemand hinaufgelassen. Die Enttäuschung der Touristen schlägt in Frustration um. Immer wieder ist es in den vergangenen Wochen zu Protesten gekommen, auch in den vergangenen Tagen, an denen der Ansturm wegen zwei Feiertagen in Peru am Donnerstag und am Freitag besonders groß war.

          In der Kleinstadt Aguas Calientes, am Fuße von Machu Picchu, verbrachten Besucher schon am Montag die Nacht auf den Straßen und vor der Tür des Büros der Kulturdirektion, um an Eintrittskarten zu kommen. Dutzende Touristen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft gingen auf die Straße und protestierten. Am Mittwoch blockierte eine aufgebrachte Gruppe sogar die Eisenbahnlinie, die von der Stadt Cusco nach Machu Picchu führt. Auch die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag mussten im Distrikt wegen der Proteste abgesagt werden.

          Kein Last-Minute-Ziel

          Viele Touristen reisen ohne Tickets an. Andere berichten von Betrügereien: Ihnen wurden Tickets verkauft oder versprochen. Nach der Anreise nach Cusco oder Aguas Calientes wird ihnen klargemacht, dass es weder eine Reservierung noch einen anderen Weg gibt, um an eine Eintrittskarte zu kommen. Die örtlichen Behörden berichten, dass täglich mehrere Hundert Touristen ohne Eintrittskarten ankämen. Die Tourismusagenturen von Cusco weisen darauf hin, dass Machu Picchu kein Last-minute-Reiseziel sei und gut organisiert werden müsse. Touristen ohne Tickets sollten nicht anreisen.

          Um die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Inka-Ruinenstadt zu schonen, wird jeden Tag nur eine beschränkte Anzahl von Besuchern eingelassen. Die Tickets sind meist schon Wochen im Voraus ausgebucht, besonders in der Hochsaison, wenn viele Touristen aus Europa anreisen. Laut dem Kulturministerium sind die Eintritte aktuell bis Mitte August ausgebucht. Angesichts des außer­ordentlichen Ansturms in der Feiertagswoche und der jüngsten Proteste haben die Behörden die Zahl der er­laubten Besucher nun „ausnahmsweise“ von gut 4000 auf 5000 pro Tag erhöht. Schon Mitte Juli war die erlaubte Besucherzahl um tausend Personen pro Tag angehoben worden.

          Kritik an zu hohen Besucherzahlen

          Die abrupte Anhebung der Besucherzahl hat nun allerdings das Internationale Entscheidungsgremium für Stätten unter Denkmalschutz (ICOMOS) auf den Plan gerufen. In einer Erklärung warnte es Peru davor, dem öffentlichen Druck nachzugeben, um die Kapazität der Inka-Zitadelle ohne technische Unterstützung zu erhöhen. Die UNESCO hat Machu Picchu im Jahr 1983 zum Weltkulturerbe erklärt. Seitdem verlangt die Organisation von Peru die Einhaltung einer Reihe von Richt­linien zur Erhaltung der Stätte. Im Jahr 2019 bereisten rund 1,5 Millionen Besucher Machu Picchu. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es rund 400.000 Besucher. Eine Eintrittskarte kostet 40 Dollar für ausländische Besucher und 16 Dollar für Peruaner.

          Mit dem Engpass an Eintrittskarten für Machu Picchu ist auch die Existenz einer „Ticket-Mafia“ ans Tageslicht gekommen. Angeblich sollen Mitarbeiter der Kulturdirektion Cusco, die den Verkauf organisiert, mit einigen lokalen Agenturen gemeinsame Sache gemacht haben. So sollen massenweise Eintrittskarten jeweils vorzeitig reserviert und für den lokalen Verkauf zu überteuerten Preisen abgezweigt worden sein. Inzwischen wird den Vorwürfen nachgegangen. Die Direktorin der Kulturdirektion sagte, dass der Staatsanwaltschaft mögliches Beweismaterial übergeben worden sei. Innerhalb der Kulturdirektion Cusco kam es zudem zu einer Rochade der Mitarbeiter. Auch sind Reservierungen für Machu Picchu künftig nur noch für ein bestimmtes Datum und unter einem ­spezifischen Namen möglich.

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