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Tourismus in Österreich : Klimaschützer gegen großes Skigebiet

Im Pitztal soll das Skigebiet noch größer werden. Bild: AFP

In Tirol sollen zwei Skigebiete zusammengelegt werden. Umweltschützer haben dagegen eine Petition gestartet. Der Betreiber wehrt sich: Der Eingriff in die Natur sei kleiner als behauptet.

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          In Tirol wird über den Zusammenschluss zweier Skigebiete auf Gletschern gestritten. Es geht um die Gebiete Ötztal und Pitztal, die durch Sprengungen, Begradigungen, drei Seilbahnen und einen Tunnel miteinander verbunden werden sollen. Organisationen wie WWF, Alpenverein und „Naturfreunde“ kritisieren das als schwerwiegenden Eingriff in die Natur. Eine informelle Online-Petition hat binnen weniger Tage die Namen von zehntausenden Gegnern des Vorhabens gesammelt.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Dabei hat sich die Darstellung, es müsse für die Fusion ein Gipfel weggesprengt werden, die Spitze des Linken Fernerkogels, als wirkungsvoll erwiesen. Sie hat auch in deutschen Medien Verbreitung gefunden. Das haben nun allerdings die Betreiber der Skigebiete als „Falschmeldung“ dementiert. Die beteiligten Bergbahngesellschaften gaben an, es gehe um die „Begradigung einer Felskuppe“. Dafür müsste eine „Gratspitze“ um 36 Höhenmeter abgetragen werden, die auf keiner Karte einen Namen habe. Auch einige kolportierte Zahlen seien falsch: Bei dieser Sprengung würden 120.000 Tonnen Gestein bewegt, nicht 750.000, wie es in einigen Berichten hieß.

          Dass der Streit über das seit mehr als 15 Jahren in Planung stehende Projekt jetzt zugespitzt ausgetragen wird, liegt offenbar daran, dass die zuständige Landesbehörde demnächst ihre Entscheidung über die Umweltverträglichkeit des Projekts fällt. Dass es insgesamt um große Dimensionen und „einen Eingriff“ geht, bestreiten die Betreiber nicht. Sie wollen drei neue Seilbahnen, einen Skitunnel, ein betoniertes Wasserreservoir und eine Gipfelstation für Tausende Gäste errichten. Für die touristische Vermarktung eines Skigebiets ist es ein wichtiges Argument, eine möglichst große Zahl an zusammenhängenden Pistenkilometern aufbieten zu können. Dafür wird gerne zu dem Mittel gegriffen, Skigebiete zusammenzulegen. Außerdem erlaubt das Gesetz im Grundsatz lediglich Erweiterungen, aber nicht eine Neuerschließung eines Gebiets.

          Die Gegner des Projekts argumentieren damit, dass in der ohnehin durch den Klimawandel bedrohten alpinen Gletscherwelt der Naturschutz und nicht der Tourismus ausgebaut werden müsste. Die Pläne sähen einen „brutalen“ Umgang mit der Natur vor, sagte am Dienstag Josef Schrank vom WWF. Auch sei in den ursprünglichen Plänen der Rückgang der Gletscher in der derzeitigen Dimension nicht berücksichtigt. Daher drohe eine „Dauerbaustelle“, weil immer neue Eingriffe nötig würden, um den Skibetrieb in den Gebieten zu sichern.

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