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Tourismus in der Türkei : „Es werden hochwertigere Reisen gebucht“

Die Strandpromenade und der Yachthafen in Kemer, Türkei. Bild: dpa

Die Urlaubsgebiete an der türkischen Mittelmeerküste werden wieder gut besucht. Die Pandemie hat dabei die Reisegewohnheiten verändert: Touristen buchen anspruchsvollere Reisen als zuvor.

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          Dank einer hohen Impfquote und dank verlässlicher Regelungen sind Reisen ans Mittelmeer wieder leichter geworden. Im zweiten Jahr der Corona-Pandemie habe daher eine Erholung eingesetzt, heißt es. Mehr als alle anderen internationalen Destinationen profitieren davon nahe gelegene Regionen am Mittelmeer. Daher erholen sich die Türkei, die griechischen Inseln und Mallorca überdurchschnittlich schnell.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Wie rasch sich der Trend beschleunigt hat, belegen die Zahlen des Flughafens Antalya. Noch im Mai herrschte dort gähnende Leere. Die Zahl der einreisenden ausländischen Urlauber lag bei lediglich 15 Prozent des Werts im Mai des Rekordjahres 2019. Im Juni waren es schon 40 Prozent, im Juli sogar 66 Prozent. Vier von fünf Einreisenden sind dabei Geimpfte oder ungeimpfte Kinder unter zwölf Jahren, die von der Testpflicht für Ungeimpfte befreit sind.

          Viermal mehr Buchungen als im Vorjahr

          Von diesem Rückenwind getragen erwartet Deniz Ugur, CEO des Unternehmens Bentour Reisen, nun einen guten Herbst. Bei dem führenden Türkeianbieter in Deutschland gehen derzeit jeden Tag mehr als 400 Neubuchungen ein, das sind viermal mehr als im Vorjahr. Möglich geworden sei das durch die Erfolge bei den Impfungen sowie durch die klaren, einheitlichen Regelungen, sagt er. Im Vorjahr hätten die häufigen Änderungen die Reisenden irritiert.

          Für die Türkei war im Krisenjahr 2020 aber eines besser geregelt. Damals wurde das Land nicht einheitlich eingestuft. Vielmehr wurden, wie in vielen europäischen Ländern, regionale Unterschiede gemacht. In diesem Jahr aber gilt die ­Türkei unterschiedslos als Hochrisiko­gebiet, womit vor der Rückkehr eine Anmeldepflicht und nach der Rückkehr eine Quarantänepflicht besteht. Aus­genommen davon sind Geimpfte und Genesene. Die Inzidenz liegt in der Türkei zwar landesweit bei über 200, sie ist regional jedoch sehr verschieden. Die niedrigsten Inzidenzen weisen die für den Tourismus wichtigsten Provinzen am Mittelmeer aus, Antalya und Mugla, wo der Wert bei 40 liegt. Der Grund dafür sind die Sonderimpfprogramme in den beiden Provinzen. Daher wäre eine Einstufung wie im Vorjahr gerechtfertigt, sagt Ugur. Schließlich benachteilige die aktuelle Regelung die Kinder, die bei der Rückkehr in Quarantäne müssen, während geimpfte und genesene Erwachsene davon befreit sind.

          Auch wenn der türkische Tourismus das Niveau des Rekordjahrs 2019 noch nicht wieder erreicht hat, ist die Branche zuversichtlich. Von neuen Reisegewohnheiten ist die Rede, deren Trends sich in der Zeit der Pandemie herausbilden und die darüber hinaus Bestand haben dürften. Weniger Geschäftsreisen werde es geben, jedoch qualitativ anspruchsvollere private Reisen, erwartet Ugur. Um sich vor der Gefahr einer Ansteckung zu schützen, werde hochwertiger gebucht, deutlich stärker als in der Vergangenheit würden exklusive Zimmereinheiten nachgefragt. Individualität und Flexibilität würden wichtiger. Gefragt sind etwa der Airport Premium Service, um schnell durch den Flughafen zu kommen, sowie Privattransfers. Bei Bentour nutzt bereits jeder zweite Kunde den Flextarif, bei dem man gegen einen Aufpreis von 29 Euro je Erwachsenen bis zu 14 Tage vor Abflug ohne Angabe von Gründen eine Reise stornieren kann.

          Durch die veränderten Reisegewohnheiten markiert die Pandemie für die Touristikbranche einen Einschnitt. Zugleich muss sie sich auf Veränderungen aufgrund des Klimawandels einstellen. Die Branche werde einen Katalog mit Maßnahmen aufstellen, was sie zu ressourcenschonendem Reisen beitragen könne, sagt Ugur. In einem ersten Schritt will er selbst mit einer Einteilung in Kategorien die Kunden darüber auf­klären, welche Fluggesellschaften über welche Flugzeugtypen verfügen. Investitionen in neue Flugzeuge sollen sich auch lohnen.

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