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Interview mit Tom Schilling : „Ich bin sehr, sehr ehrgeizig“

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Sein neuer Film „Who am I“ erscheint am Donnerstag in den Kinos. Bild: Gyarmaty, Jens

Tom Schilling ist seit „Oh Boy“ das coole Gesicht des deutschen Kinos. Jetzt ist er im Film „Who am I“ zu sehen. Im Interview spricht er über Vaterschaft, Nacktfotos und seinen ersten Kuss.

          Tom Schilling ist unausgeschlafen. Am Vortag erst ist dieser ewige Junge des deutschen Films vom Filmfestival in Toronto zurückgekommen. Morgens hat er seinem knapp achtjährigen Sohn die Stullen für die Schule geschmiert und das dreieinhalb Monate alte Baby in den Schlaf geschaukelt. Nach dem Interview wird er mit seiner Freundin Windeln kaufen gehen. Aber jetzt ist er da, auf die Minute pünktlich, wie immer im Anzug. Ein Café im nördlichen Prenzlauer Berg, Berlin, wo der Zweiunddreißigjährige wohnt.

          Niemand hat einen mehr berührt in dem Weltkriegsdreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ als Schilling, dessen Soldat vom sensiblen Zweifler zur Kampfmaschine verhärtete. Bei seinem Durchbruch mit „Crazy“ war er 18, seit „Oh Boy“ 2012 ist er das Gesicht des Berlin-Mitte-Lifestyles und wird auch international als Star gehandelt. Zwischendrin Preise, mehr als vierzig weitere Filme und eine Rolle als Hitler.

          Es dauert keinen Cappuccino, bis der Schauspieler einen auch jenseits der Leinwand in seinen Bann gezogen hat. Er wirkt plötzlich hellwach, ein offenes Gesicht, ehrliche Antworten. Schilling macht Pausen zum Nachdenken und lacht zwischendrin belustigt. Wer ist dieser Mann? Einfach mal nachfragen. Schließlich heißt sein neuer Film „Who Am I“, ein vergnüglicher, intelligenter Hacker-Thriller, der am Donnerstag in die Kinos kommt.

          Übersetzt hieße Ihr neuer Film „Wer bin ich?“. Fragen Sie sich das manchmal?

          Klar. Ich kreise schon sehr um mich selbst. Vielleicht ist das für andere nicht so relevant, aber für mich ist das eine zentrale Frage, die ich mir immer wieder stelle.

          Wann zum Beispiel?

          Im Beruf, wenn man mit irgendwelchen Dingen ein Unbehagen hat. Dann frage ich mich oft, ob ich mich locker machen soll oder ob das halt meine Haltung ist, ein bisschen konsequenter oder renitenter als bei anderen. Ob ich es beeinflussen kann, ob ich anders sein könnte. Oder ob ich dazu stehen soll, dass mir gewisse Dinge Bauchschmerzen machen.

          Und wenn ich Sie jetzt frage: Tom Schilling, wer sind Sie?

          Puuh. Sie denken nicht, dass ich das jetzt sagen kann, oder?

          Wenn man sich mit dieser Frage auseinandersetzt, versucht man doch zu konturieren: Was ist eigentlich mein Kern?

          Absolut. Aber so konkret und solide und banal gestellt, kann ich die Frage nicht beantworten. Sorry.

          Wir könnten uns rantasten. Ich hätte da ein paar Fragen zum Thema: Wer ist eigentlich Tom Schilling? So eine Art Steckbrief.

          Je konkreter, desto besser.

          Wenn Sie ein Superheld wären: Welche Superheldenfähigkeit hätten Sie gern?

          Kann ich auch länger antworten?

          Klar.

          Vielleicht erzählt das sogar mehr über mich. Ich finde Superhelden total bescheuert. Mich interessiert das null, ehrlich gesagt. Weder die Fähigkeiten noch das Phantastische, und mit Comics können Sie mich auch wirklich jagen.

          Was ist Ihre größte Leistung am Computer?

          Was ich aus dem Film mit in mein eigenes Leben genommen habe ist, dass ich mit zehn Fingern schreiben kann, blind. Das habe ich für den Film gelernt, und damit beeindrucke ich jetzt regelmäßig meine Freundin, die das eigentlich viel besser können müsste, weil sie im Büro arbeitet.

          Gibt es digitale Daten von Ihnen, die gehackt werden könnten? Nacktfotos?

          Klar. Alles. Natürlich. Aber nicht in der Cloud.

          Tragen Sie beim Fahrradfahren Helm?

          Nee.

          Jemals Ritalin probiert?

          Ja. Wirkt.

          Warum spielen Sie Tennis?

          Weil es mir Spaß macht. Weil ich es ein bisschen kann. Und weil es so ein schöner Sport ist, den man eigentlich gegen sich selbst spielt, habe ich jetzt festgestellt, nicht gegen den Gegner. Also: Man spielt mit dem Gegner, und wenn man verliert, verliert man gegen sich selbst.

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