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Tom Jones im Gespräch : „Ich möchte gerne unsterblich sein“

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„Man sollte die Finger von Sachen lassen, die nicht zur eigenen Person passen“: Manche Dinge ändern sich nie, wie Tom Jones’s offenes Hemd beispielsweise. Bild: Ludwik Erdmanski / Roba Press

Sänger Tom Jones über die sanfte Seite des Tigers, das Geheimnis seiner 55 Jahre währenden Ehe und Saufgelage bis zum Sonnenaufgang.

          5 Min.

          Mr. Jones, mit Ihren beiden jüngsten Platten haben Sie eine neue Seite von sich gezeigt: Sie singen spirituelle, fast religiöse Songs. Was ist mit dem Mann passiert, den man den „Tiger“ nennt?

          Ich würde die Alben nicht nur als religiöse Platten bezeichnen. Natürlich bin ich ein gläubiger, religiöser Mensch. Aber in meinen Alben geht es mehr um den Menschen, der sich selbst in Frage stellt. Im Vordergrund steht die Ehrlichkeit - und um ehrlich zu sich selbst zu sein, muss man nicht unbedingt religiös sein. Die Songs auf meinem neuen Album „Spirit in the Room“ kommen, auch wenn sie von anderen Künstlern geschrieben sind, wirklich von mir. Denn ich gebe ihnen meine persönliche Note.

          Wollten Sie ein persönlicheres Album abseits des Mainstreams?

          Das war der Plan. Die Aufnahmen erinnern mich sehr an die Zeit, als ich angefangen habe, Musik zu machen. Damals habe ich in Wales in Pubs und Clubs gesungen. Eine tolle Zeit. Ich durfte singen, was ich mochte, ohne dass eine Plattenfirma im Hintergrund stand, die mitbestimmte. Mit meinem ersten Hit „It’s Not Unusual“ 1965 änderte sich das alles. Wenn man beginnt, Alben aufzunehmen, wird man als Künstler immer in Kategorien eingeordnet. Aber ich singe gern diese emotionalen, langsamen Songs. Schließlich bin ich in Wales aufgewachsen, und wir sind ein emotionales Völkchen.

          Ein Lied des neuen Albums heißt „(I Want to) Come Home“. Sie leben mit Ihrer Frau in Los Angeles. Wo fühlen Sie sich zu Hause?

          Mein Zuhause ist immer noch Wales. Schließlich habe ich die ersten 24 Jahre meines Lebens dort verbracht. Natürlich genieße ich es, in LA zu leben, sonst wäre ich nicht dort hingezogen. Doch wenn ich die Severn Bridge überquere und lese „Willkommen in Wales“ - das ist meine Heimat.

          Haben Sie je darüber nachgedacht, zurückzukehren?

          Wir hatten ein Haus in Wales, aber meine Frau war nur selten dort. Obwohl wir beide in Wales aufgewachsen sind, sagte sie eines Tages zu mir, dass sie vergessen habe, wie düster die Winter dort seien. Außerdem hatten wir in Wales ein großes Anwesen mit einem schönen Ententeich. Meine Frau kümmerte sich immer gerne um die Enten, aber irgendwann hatte sie die Nase voll davon. Ich bot ihr an, jemanden einzustellen, der die Fütterung der Enten übernimmt. Das kann schließlich jeder. Aber nein, sie wollte es entweder allein machen oder gar nicht. Und da sie eine Veränderung wollte, fragte sie mich, ob ich mir vorstellen könnte, nach Amerika zu ziehen. Mir war das recht - denn dort, wo sie sein will, möchte ich auch sein.

          Wie schafft man es, fünfzig Jahre im Showbusiness zu überleben?

          Ich liebe einfach die Musik, das Singen und meine Auftritte. Wenn wir in einem Club oder auf einer Party sind, wo jemand Klavier spielt, muss man mich immer zurückhalten, damit ich nicht die Bühne stürme. Solange ich meine Stimme noch habe, wird sich das auch niemals ändern. Momentan bin ich zum Beispiel Jurymitglied bei der Casting-Show „The Voice“. So etwas habe ich vorher noch nie getan. Aber es stellte sich heraus, dass es eine tolle Entscheidung war. Viele Jugendliche kommen seitdem auf mich zu, und ich freue mich darüber. Denn es hat immer noch mit Musik zu tun.

          Was ist schwerer: Berühmt zu werden - oder es zu bleiben?

          Eine gute Frage. Für mich war der Beginn meiner Karriere unglaublich schwer. Die Zeit vor meinem ersten Album war sehr frustrierend. Ich hatte nur dieses eine Ziel vor Augen, meinen Fuß in die Tür zu bekommen. Als ich dann mit 24 Jahren meinen ersten Hit hatte, fühlte ich mich sehr alt - schließlich singe ich schon, seit ich ein Teenager bin. Wenn man einmal sein erstes erfolgreiches Album hat, ist man irgendwie drin. Die Karriere zu halten, ist zwar nicht leichter, aber man betrachtet alles aus einem neuen Blickwinkel.

          Ist es für eine öffentliche Person schwerer, alt zu werden?

          Nicht, solange man ehrlich zu sich selbst ist. Man sollte die Finger von Sachen lassen, die nicht zur eigenen Person passen. Es gibt einen Song, der den Titel trägt „I Wish I Was Eighteen Again“. Aber jeder weiß doch, dass man nicht noch einmal 18 Jahre alt sein kann. Ich möchte das auch gar nicht, weil ich mein Leben auch jetzt noch sehr genieße. Ich bin glücklich so, wie es gerade ist. Das Einzige, was an mir nagt, ist die Frage: Wie lange bleibt mir noch? Die Zeit, die man hat, wird immer kürzer. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre ich gern unsterblich. Ich möchte gerne für immer leben. Denn seit ich meinen ersten Hit hatte, durchlebe ich eine großartige Zeit, und ich möchte nicht, dass diese endet.

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