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Begegnungsstätte in Potsdam : Sommerhaus, jetzt

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Wird bewahrt: Haus am See Bild: Foto dvt

Die Vorfahren des britischen Journalisten und Autors Tom Harding hatten eine bewegte Vergangenheit – auch in Deutschland. Nun schenkt seine Familie Potsdam einen Begegnungsort.

          Diese Geschichte geht weiter. Das Haus am See, das den Rahmen abgibt, wird eine Zukunft haben, die seiner Vergangenheit widerspricht. Es steht inzwischen unter Denkmalschutz. Die Stadt und die Universität Potsdam sowie das Land Brandenburg unterstützen das Vorhaben seiner rechtmäßigen Besitzer, die Deutschland 1936 verlassen mussten, dem Haus eine neue Rolle zu schenken.

          Alfred Alexander (1880 bis 1950) war ein bekannter und erfolgreicher Arzt, Präsident der Berliner Ärztekammer, und das, was er 1927 in der Ausstellung „The Weekend“ sah, animierte ihn zum Erwerb eines 30 mal 300 Meter großen Grundstücks am Groß-Glienicker See westlich von Berlin. Ein Muster-Holzhaus ließen sich die Alexanders errichten. Die Familie liebte die Sommerfrische im Bauerndorf Groß Glienicke. Der Chauffeur bewohnte ein Haus am großen Gewächshaus, unten am See gab es einen Tennisplatz.

          Kollektives Reinemachen

          Thomas Harding, Journalist und Buchautor, hat vor Jahren die reiche Geschichte seiner Familie als lohnendes Thema entdeckt und in Büchern beschrieben. Sein Großonkel Hanns (1917 bis 2006), der als britischer Offizier in Nachkriegsdeutschland deutsche Kriegsverbrecher suchte, fand 1946 den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß – Hardings Buch „Hanns und Rudolf“ erschien im Jahr 2012. Im Herbst vergangenen Jahres erschien „The House by the Lake“ auf Englisch, und dieser Tage erscheint es in deutscher Übersetzung als „Sommerhaus am See“ bei dtv.

          Harding ist Jahrgang 1968. Seine Familie gab den Anstoß, das verfallene Haus am See wiederherzustellen und zu öffnen, für Informationen über seine Geschichte und über die der Familie Alexander. Ein Verein „Alexander Haus e.V.“ wurde gegründet, an einem Frühlingstag im Jahr 2014 kam die Familie zum Großreinemachen auf das Grundstück, an dem auch viele Nachbarn aus Groß Glienicke, das inzwischen zu Potsdam gehört, teilnahmen. Demnächst soll das kollektive Reinemachen wiederholt werden.

          Zwiespältige Gefühle gegenüber Deutschland

          Das erste Mal war Harding mit seiner Großmutter Elsie Harding, einer Tochter von Alfred und Henny Alexander, im Haus am See, das war 1993. Die Mauer, die unmittelbar vor dem Grundstück verlief, war damals nicht mehr lebensgefährlich, aber noch sehr präsent. Von Elsie erfuhr er von der Geschichte des Hauses und seiner Familie. Doch sein Buch geht weit über das Haus und die eigene Familie hinaus. Es ist die deutsche Geschichte, erzählt an diesem einen Haus und seinen Bewohnern.

          Deutschland gegenüber herrschten durchaus zwiespältige Gefühle, sagte Harding am Mittwoch in Berlin, aber an Restitution habe man nicht gedacht. Und so gehört das Haus am See jetzt einem Verein, und es soll ein Ort der Begegnungen werden: zwischen Christen und Muslimen und Juden, zwischen den alten Nachbarn am See und den neuen Nachbarn, die seit 1945 und 1989 zugezogen sind: „Es wird faszinierend sein zu sehen, was die nächsten 100 Jahre bringen“, schreibt Thomas Harding im Nachwort zum „Sommerhaus“.

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