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Lucy fiel von einem Baum : Forscher entdecken die Todesursache des Urmenschen

So sah Lucy vermutlich aus: Ein dreidimensionales Modell des Urmenschen „Australopithecus afarensis“ Bild: AP

Vor drei Millionen Jahren starb der Vormensch Lucy. Seit 1974 ihre Knochen entdeckt wurden, streiten Wissenschaftler darüber, ob sie noch wie ein Affe auf Bäumen lebte oder doch schon auf zwei Beinen lief. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse.

          Seit Lucy vor 42 Jahren das Licht der Welt wieder erblickte, wird darüber gestritten, ob sie vor 3,18 Millionen Jahren noch wie ein Affe hauptsächlich auf Bäumen lebte oder doch schon wie ein Mensch auf zwei Beinen durch ihr kurzes Leben schritt. Aufschluss darüber können nur die Knochen geben, die von dem etwa 25 Jahre alt gewordenen Individuum übrig geblieben sind. Von Lucy gibt es viele Knochen: Fast 40 Prozent ihres Skeletts sind erhalten, darunter Arme, Rippen, Hüfte, Becken und Teile des Schädels. Das ist viel für einen Vormenschen, und genau das macht den Fund so besonders.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Knochen, die 1974 in einer Tiefebene in Ostafrika, dem sogenannten Afar-Dreieck in Äthiopien, entdeckt wurden – daher der Name „Australopithecus afarensis“ –, sind in keinem allzu guten Zustand. Das hat die Forscher bislang nicht verwundert. Gemeinhin ging die Wissenschaft davon aus, dass die Knochen erst nach Lucys Tod verstreut und dabei auch gebrochen wurden. Nun aber will der amerikanische Anthropologe John W. Kappelman Jr. von der Universität Texas in Austin herausgefunden haben, dass viele der Knochenbrüche erst zum vorzeitigen Tod von Lucy führten.

          Kappelman hatte schon 2008, als Lucys Skelett auf einer Museumstour durch die Vereinigten Staaten war, erstmals Gelegenheit, sich die Überreste näher anzusehen. Dabei fielen ihm am Oberarmknochen ungewöhnliche Verletzungen auf, die er als scharfe, gerade Bruchkanten beschrieb. Merkwürdigerweise waren auch noch Fragmente und Knochensplitter vorhanden, was für ein Trauma zu Lebzeiten an der Fundstelle spricht.

          Lucy starb an inneren Verletzungen

          Kappelman glaubt, dass Lucy sich bei einem Sturz aus größerer Höhe abzustützen versuchte, was ihre Knochen brechen ließ. Und nicht nur diese: Dem Paläobiologen gelang es mit Hilfe des Orthopäden Stephen Pearce und des Geologen Richard A. Ketcham, weitere Verletzungen am Skelett zu entdecken, die zu einem möglichen Sturzgeschehen passen.

          Der amerikanische Professor John Kappelmann mit 3-D-Drucken von Lucys Skelett (Archivbild)

          Wie Kappelman nun in der Fachzeitschrift „Nature“ rekonstruiert, starb Lucy an einer Vielzahl von Knochenbrüchen und mutmaßlich einhergehenden inneren Verletzungen. Demnach stürzte das kaum ein Meter große und knapp 30 Kilogramm schwere Weibchen aus etwa zwölf Metern in den Tod. Sie kam mit den Füßen zuerst auf, wie massive Brüche an Schienbein, Knie und Hüfte zeigen. Dann fiel sie nach vorne und versuchte, sich mit den Armen abzufangen, schlug aber leicht verdreht mit der rechten Seite auf. Dafür sprechen die schweren Verletzungen am rechten Oberarmknochen und den rechten Rippen. Zuletzt kam sie noch mit dem Kopf auf.

          Kappelman nimmt an, dass das Skelett über Jahrtausende kaum bewegt wurde. Der Hominid mit dem Spitznamen Lucy könnte genau dort gestorben sein, wo er zu Boden fiel. Und eigentlich kann er nur von einem Baum gefallen sein – was Kappelman angesichts der Diskussion, ob Lucy noch ein Affe oder vielleicht doch schon ein auf zwei Beinen gehender Mensch war, ironisch findet.

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