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Das Leben als Paar : Habt euch ganz doll lieb!

Ein Küsschen und am besten noch die Frage „Liebling, wie war dein Tag?“ Das lässt sich nach einem anstrengend Tag nicht immer umsetzen. Bild: dpa

Eltern kümmern sich um die Kinder, den Haushalt und den Job. Dabei sollten sie sich als Paar nicht vernachlässigen, sagen die Experten. Das aber erzeugt nur noch mehr Druck im Familienchaos. Und nun?

          Abends, wenn die Kinder im Bett sind, beginnt die Aufarbeitung. Wie war der Tag? In Gedanken gehe ich alles durch: Der Morgen war okay. Na ja, bis auf den blöden Disput mit dem Schal. Ist kalt! Sagte ich. Will nicht! Sagte die Tochter. Immerhin: Ranzen war am Abend vorher gepackt. Pluspunkt! Nachmittags im Supermarkt. Kein Trotzanfall am Süßigkeitenregal. Prima! Dafür Streit im Auto, Nerven behalten (Doppelsmiley). Später Fernsehen, 20 Minuten überzogen. Konsequent gehandelt: Morgen bleibt der Fernseher aus! Kinder um 20.20 Uhr im Bett, besser wäre 20 Uhr. (Memo: Morgen Druck erhöhen.)

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist der Zeitpunkt, an dem ich normalerweise einschlafe, mehr oder weniger zufrieden mit meinem Tagwerk. Neuerdings aber muss ich die interne Revision um einen wichtigen Punkt erweitern: Es geht nicht mehr nur darum, wie es mit den Kindern geklappt hat, ob die Wäsche erledigt oder der Termin beim Kinderarzt im Familienkalender eingetragen ist, nein, neuerdings geht es auch darum: Habe ich alles dafür getan, meine Ehe in Schwung zu halten?

          Handlungsbedarf ist vorhanden

          Zu den vielen Erziehungsratgebern, die den Markt fluten, hat sich eine neue Gruppe Bücher gesellt, die das Augenmerk auf die Eltern lenkt. Erziehung? Schön und gut. Das Verhältnis zu den Kindern? Wichtig! Das Leben als Paar? Essentiell! Der Familienoptimierungswahn – jetzt ist er bei den Eltern angekommen.

          Einerseits verständlich, denn es besteht Handlungsbedarf: Jede zweite Ehe wird geschieden, bei etwa der Hälfte aller Scheidungen haben die Paare laut Statistischem Bundesamt minderjährige Kinder. 40 Prozent dieser Trennungen finden bereits im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes statt. Bis gestern dachte ich noch, ich könnte meine Beziehung schleifen lassen. Wenn man weniger schläft, der Haushalt aus dem Ruder läuft, das Sportprogramm auf Eis gelegt ist – darf man sich da nicht wenigstens bei seinem Partner ein bisschen gehen lassen?

          Wenn die Eltern häufig streiten, hat das auch Auswirkungen auf die Kinder. Manchmal muss man allerdings auch Tacheles reden.

          Nein, sagt der dänische Familientherapeut Jesper Juul: „Familie braucht Eltern, die mehr an sich denken.“ Das ist der Untertitel seines jüngsten Buches „Liebende bleiben“. Klingt gut. Mehr an mich denken, das wäre schön. Denn in den 16 Stunden, die ich durchschnittlich am Tag nicht schlafend verbringe, denke ich vielleicht zusammengerechnet eine Stunde an mich, um meine Grundbedürfnisse zu befriedigen: Duschen, Zähne putzen, Toilettengang, Nahrungsaufnahme. Der Rest der Zeit ist meinem Arbeitgeber und meinen Kindern gewidmet. Typisch Frau, sagt Juul: „Mütter sind immer damit beschäftigt, was ist gut für mein Kind? Das sind aber nur 50 Prozent. Was ist gut für meinen Partner?“ Geht es nach Jesper Juul, müssen Mütter also künftig auf ihrer To-do-Liste notieren: Quality Time mit dem Partner.

          Es ist natürlich nicht so, dass ich nicht jetzt schon Zeit mit meinem Mann verbrächte, abends zum Beispiel, wenn die Kinder im Bett sind und wir darüber reden, wer am nächsten Tag den Kundendienst anruft, weil die Spülmaschine rattert. Danach treffen wir uns gelegentlich vor dem Fernseher und führen Dialoge wie diese: „Schon wieder ein Krimi? Gibt’s nicht was anderes?“ – „Doch, aber ich will den Krimi gucken.“ – „Dann gehe ich ins Bett.“ – „Gute Nacht.“

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