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Tim Bendzko im Gespräch : „Ich bin allen auf den Keks gegangen“

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„Ich bin von Beruf Sänger, nicht Prominenter“: Bendzko in Berlin. Bild: Pein, Andreas

Seit er „nur noch kurz die Welt retten“ wollte, ist Popsänger Tim Bendzko bekannt. Ein Gespräch über Melancholie, Udo Jürgens, Kinder, Frauen und die Bibel.

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          Ist es dir peinlich, dass Hannelore Kraft deinen Hit „Nur noch kurz die Welt retten“ sang, als sie 2012 ihren Wahlsieg in NRW feierte?

          Ich hab’s ja nicht gehört und weiß nicht, wie gut ihre Gesangskünste sind. Ich hätte das Lied nicht da gesungen, aber wenn sie das gemacht hat, ist das in Ordnung.

          Fühlst du dich als Musiker ernst genommen?

          Darüber denke ich nicht nach, und am Ende des Tages spricht der Erfolg für sich selbst. Ich treffe allerdings manchmal Menschen, deren Musik ich bewundere, und höre von denen, dass sie meine Musik total feiern. Entscheidend ist aber, dass man sich selbst ernst nimmt.

          Du wirkst fröhlich, deine Lieder neigen aber zur Melancholie. Das scheint widersprüchlich.

          Ganz im Gegenteil: Es sind zwei Seiten derselben Medaille. Über Dinge, die cool sind, muss ich keine Texte schreiben. Meine Lieder entstehen eher unbewusst. Dabei kommen Sachen hervor, die einen beschäftigen - oder solche, mit denen man sich nicht genug beschäftigt hat, die dann verarbeitet werden. Als Selbsttherapie möchte ich das aber nicht bezeichnen, weil das so klingt, als ob ich ohne Musik zum Therapeuten müsste. Wenn ich die Musik nicht hätte, würde ich mich wahrscheinlich mit jemandem über diese Dinge unterhalten.

          Schreibst du alle Lieder selbst?

          Die Texte schon, wobei ich kürzlich entdeckt habe, dass man die manchmal auch gemeinschaftlich fertig schreiben kann. Die Musik ist mindestens zur Hälfte von mir.

          Tim Bendzko in der Sendung „The Voice Kids“

          Kannst du den Unterschied zwischen Pop und Schlager erklären?

          Nee, weil das für mich völlig unerheblich ist. Bei Musik gibt’s nur zwei Kategorien: gefällt mir oder gefällt mir nicht. Alles andere ist irrelevant. Schlager ist so ein weites Feld: Es gibt fürchterliche Partyschlager, und es gibt Udo Jürgens, der macht auch Schlager, und das total gut. Der Grat zwischen Popmusik und Schlager ist schmal, das ist aber in allen Genres so. Wenn jetzt zum Beispiel das Cro-Album als Hip-Hop gilt, das hat mit Hip-Hop nichts zu tun. Aber Genres werden sowieso immer unwichtiger.

          Angeblich hast du dich schon sehr früh als Musiker gefühlt. Dafür gab es bestimmt einen Grund.

          Meine Eltern sind gänzlich unmusikalisch, können also nicht der Grund gewesen sein. Es war so: Ich stand mit elf, zwölf Jahren im Wohnzimmer und habe darüber nachgedacht, was ich beruflich mal machen will, was mich erfüllen könnte. In dem Moment beschloss ich: Es muss die Musik sein. Seitdem habe ich mir eingeredet, dass es nicht anders gehen kann.

          Wie warst du denn als Kind?

          Ich war wohl so ein kleiner Witziger, der allen auf den Keks ging.

          Willst du selbst Kinder?

          Bestimmt irgendwann mal. Ich weiß aber nicht, wie viele. Erst macht man mal eins, und dann schaut man, wie man damit klarkommt.

          Bist du so wie andere Achtundzwanzigjährige oder eher anders?

          Lustigerweise kenne ich nur wenige Achtundzwanzigjährige, bin aber bestimmt ein bisschen anders, allein schon wegen meines Berufs. Ich bin fast jeden Tag in einer anderen Stadt unterwegs, und das prägt einen total.

          Wie findest du es, wenn bei deinen Auftritten gekreischt wird?

          Das hält sich zum Glück in Grenzen und beschränkt sich auf die Pausen zwischen den Liedern. Bei Auftritten von Tokio Hotel war es in den Hoch-Zeiten ja so, dass keiner mehr die Musik gehört hat, weil alle nur noch geschrien haben. Bei meinen Konzerten ist es eher so ein Mitgesinge.

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