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Rammstein-Frontmann : Till Lindemann wird zum Opfer russischer Propaganda

  • Aktualisiert am

Wurde für russische Propaganda instrumentalisiert: Rammstein-Sänger Till Lindemann. Bild: dpa

Ist der Rammstein-Sänger ein Verehrer des russischen Präsidenten? Auf russischen Internetseiten findet sich ein Foto von ihm mit Putin-Shirt. Nur: Eigentlich prangt darauf ein Totenkopf.

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          In schwarzer Lederjacke, den Daumen gehoben, blickt der Frontmann der Rockgruppe Rammstein, Till Lindemann, in die Kamera. Auf seinem T-Shirt prangt das zwinkernde Konterfei des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die Aufnahme entstand offenbar bei einem Konzert der Gruppe am 19. Juni in der russischen Hauptstadt Moskau. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, erschien das Bild inzwischen auf verschiedenen russischen Internetseiten.

          Dort wird Lindemann auch mit den Worten zitiert: „In Deutschland kann sich nicht einmal Angela Merkel mit solch einer Popularität wie Putin brüsten. Ich mag ihn, er ist ein harter Leader und keine Marionette.“ Auch halte er die „politischen Angriffe“ auf Russland für ungerecht. Russische Medien berichten weiter, dass der Sänger nach dem Konzert in Moskau auch ein iPhone der „Goldenen Putin Edition“ erhalten habe, auf der Rückseite des Handys soll ein goldener Kopf des russischen Staatschefs eingeprägt sein.

          Ist der Rammstein-Sänger ein glühender Sympathisant des umstrittenen Politikers? Lindemann dementiert das im Interview mit der Boulevardzeitung. Bei dem Foto soll es sich um eine Montage handeln. Offenbar wurde das Motiv des T-Shirts mit einem Bildbearbeitungsprogramm manipuliert. Tatsächlich prangt auf dem Oberteil ein stilisierter Totenkopf und nicht etwa das Gesicht des russischen Präsidenten. Das T-Shirt sei ein Geschenk seiner ehemaligen Freundin Sophia Thomalla gewesen.

          Das goldene Handy, das etwa 4500 Euro wert sein soll, sei kein Teil der Bildmanipulation gewesen, räumt Lindemann in dem Interview ein. Es soll ihm aber aufgedrängt worden sein. „Freunde des russischen Tour-Promoters Ed Radnikov kamen vor dem Konzert zu mir und drückten mir das Telefon in die Hand. ,Mit freundlichen Grüßen von Wladimir Putin‘, sagten sie“, zitiert die „Bild“-Zeitung Lindemann.

          Den erhobenen Daumen erklärt Lindemann als Reaktion auf die Frage der Freunde des Promoters, wie es ihm in Moskau gefalle. Laut Zeitungsbericht hat der Rammstein-Sänger mittlerweile Anwälte eingeschaltet, die rechtliche Schritte gegen die veröffentlichten Bildmanipulationen in die Wege leiten sollen.

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