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Thronjubiläum Elisabeth II. : Triumphzug auf dem Wasser

Queen Elisabeth besichtigt die „Gloriana“ Bild: REUTERS

Das größte Spektakel zum Thronjubiläum muss ohne Generalprobe auskommen: Auf der Themse werden 1.000 Boote fahren. An Bord weilt die Königsfamilie, auf dem prachtvollsten Boot natürlich die Königin.

          5 Min.

          Die Parade der Staatskarossen und Garderegimenter ist am Freitag, früh um vier Uhr, schon einmal zur Probe von der St. Paul’s Cathedral zum Buckingham Palace gezogen - damit am Dienstag nichts schiefgeht, wenn die Königin zum Abschluss ihrer Jubiläumsfeiern auf dieser Strecke reist.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das größte Spektakel hingegen muss ohne Generalprobe auskommen. Die Prozession der 1.000 Boote auf der Themse, die am Sonntag in gemessener Fahrt den Fluss hinunterziehen soll, ist zu groß, um komplett eingeübt zu werden. Lord Salisbury, ein Aristokrat und Politiker, der schon allerlei Jubiläumsfeiern großer Weltkriegs-Jahrestage in London ausrichtete, spricht im Blick auf die Bootsparade „vom größten Tagesereignis, das die Menschheit je gesehen hat“. Wer will das messen? Die Vorbilder für das schwimmende Fest auf der Themse gehen zurück auf lang vergangene höfische Zeiten: König Charles II. empfing vor 350 Jahren seine katholische portugiesische Braut mit einem pompösen Triumphzug auf dem Wasser, der eine Art Trost für den Verzicht auf eine Krönungszeremonie sein sollte, die der neuen Königin als Katholikin nicht zustand.

          Tausend Boote und zwei Millionen Zuschauer

          Den Einfall für das aktuelle Spektakel darf Adrian Evans für sich beanspruchen, ein versierter Festveranstalter, der unter anderem für den Londoner Bürgermeister jedes Jahr ein Uferfest an der Themse organisiert. Evans saß vor zwei Jahren in einer Vorbereitungsrunde, in der Ideen für das Diamantene Jubiläum der Königin geschmiedet wurden. Alle möglichen Vorschläge seien da gemacht worden: dass in allen Parks des Königreiches Platzkonzerte stattfinden sollten oder dass die Königin jedem Kind im Land einen Erinnerungsbecher schenken solle. Da habe er gesagt: „Lasst uns den größten Festumzug veranstalten, den es je gab.“

          Der Rekord lautet in Zahlen: 1.000 Boote und Schiffe fahren auf der Themse die fünf Kilometer lange Strecke zwischen Battersea Bridge und Tower Bridge flussabwärts. Sie werden 30.000 Menschen an Bord haben, Bootsführer und Helfer, Ruderer und Kajakfahrer, Musiker und Dirigenten, Ehrengäste und die königliche Familie. Zwei Millionen Menschen werden als Schaulustige an den Uferstraßen erwartet, Hunderte Millionen werden am Fernseher zuschauen - die BBC überträgt das Ereignis weltweit.

          Ein Dutzend „Dünkirchen-Boote“

          Kein anderes Ereignis im vollen Jubiläumsfestkalender hat so viel Aufregung und Vorfreude erzeugt wie die Flussparade. Alle anderen Elemente einer königlichen Jubiläumsschau - Gardemärsche, Gottesdienste, Kutschfahrten, Festkonzert - sind den Untertanen Ihrer Majestät von früheren derartigen Anlässen schon vertraut. Die Bilder des Umzugs auf der Themse zielen aufs britische Gemüt. Hier vereinen sich Grundelemente der nationalen Existenz wie das Wasser, der historische Glanz und die Krone.

          Die ganze Sache solle „wie Dünkirchen werden, bloß viel fröhlicher“, hat der Londoner Bürgermeister Boris Johnson zusammenfassend bemerkt. Die Ortsbezeichnung markiert jene Niederlage im Zweiten Weltkrieg, die den Briten seither als einer der kühnsten Siege in jener Schreckenszeit erscheint: Vor 72 Jahren rettete eine zusammengestoppelte Flotte von großen und kleinen Schiffen, Kuttern, Motor-Yachten und Fischerbooten die britische Armee aus dem von der Wehrmacht eingekesselten französischen Hafen; binnen weniger Tage transportierten sie mehr als 300.000 Soldaten über den Ärmelkanal.

          Ein ganzes Dutzend der „Dünkirchen-Boote“ schwimmt am Sonntag auf der Themse. Die stolzen Yachten haben einen Ehrenplatz in der Formation; sie fahren in der Parade-Flotte direkt hinter den Barkassen mit der königlichen Familie. All diese Boote präsentieren ihre eigene narbige Geschichte: „Tom Tit“, die von zwei Brüdern im Hafen von Ramsgate kurzerhand geklaut wurde, weil sie bei der Evakuierung Dünkirchens helfen wollten, oder „Sundowner“, ein Versorgungsboot der Marine, das später die Familienyacht eines Handelsschiffers namens Charles Lightoller war - jenes Mannes, der als ranghöchster Offizier den Untergang der Titanic im April 1912 überlebt hatte. Im Mai 1940 brachte Lightoller mit seinem „Sonnenuntergang“ 120 Mann aus Frankreich zurück an die englische Küste.

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