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Thronjubiläum Elisabeth II. : Triumphzug auf dem Wasser

Die Queen an Bord der „Gloriana“

Der Zeremonienmeister Evans und der Organisationschef Lord Salisbury (der vor allem die umgerechnet rund zwölf Millionen Euro für das Spektakel aus privaten Spenden eintreiben muss) haben den maritimen Aufzug auf der Themse in zehn Abteilungen untergliedert, von denen jede ein eigenes thematisches Bild bieten soll. Den Anfang machen Ruderboote, Kajaks und Galeeren, deren Besatzungen mit der Kraft ihrer Arme das Tempo der ganzen folgenden Armada bestimmen. Das staunenswerteste Fahrzeug trägt den Namen „Gloriana“. Es ist ein nagelneuer Nachbau jener Prachtgondeln, die einst auf der Themse Adel und Honoratioren transportierten. Das aus Kastanienholz gezimmerte Boot stellt ein Geschenk an Elisabeth II. dar, finanziert aus vielen privaten Zuwendungen. Am Sonntag wird die Königin an Bord der Barke von einem Herold vertreten, an den Rudern sitzen Veteranen und Kriegsversehrte der britischen Armee.

Die Königsfamilie hat ihren Platz im Paradeaufzug erst in der dritten Abteilung, ihr fahren 55 kleine Boote voran, in denen See-Kadetten die Flaggen sämtlicher Commonwealth-Länder präsentieren. Dann folgt „The Spirit of Chartwell“, ein umgerüstetes Flusskreuzfahrtschiff, dessen Oberdeck, in Purpur und Gold dekoriert, die Kulisse bietet für die Präsentation der Monarchin. Elisabeth II. und Prinz Philip nehmen auf Thronsesseln Platz; vom für Sonntag vorhergesagten Regen wird sie ein auf vier vergoldeten Säulen ruhender Baldachin nur notdürftig schützen. Das Protokoll sieht vor, dass die Königin auf ihrem Paradeschiff nur vom Thronfolger Charles, von dessen Gattin Camilla und von Charles’ Söhnen William und Harry begleitet wird, die den zweiten und dritten Rang in der Thronfolge innehaben.

Die jüngeren Kinder der Königin verteilen sich auf Begleitboote: Andrew und Edward haben mit ihren Familien Plätze auf dem einstigen Vermessungsboot „Havengore“, das einst den Leichnam Churchills auf der Themse transportierte. Prinzessin Anne hingegen kann auf ein eigenes repräsentatives Fahrzeug zurückgreifen: Sie fährt auf der Schaluppe „Trinitiy House 1“, die der gleichnamigen maritimen Gesellschaft gehört, die in England die Leuchttürme und Seestraßenfeuer betreibt. Anne hat kürzlich ihren Vater, Prinz Philip, als Schirmherrin der Organisation abgelöst.

Der königlichen Phalanx folgt eine weitere Schar historischer Boote und Schaluppen, unter ihnen ein mit Dampf betriebenes Beiboot der Marine, das 1897 auf Kiel gelegt wurde - in jenem Jahr, in dem Königin Victoria ihr Diamantenes Thronjubiläum beging. Als nächste Abteilung ziehen Polizeiboote, Schlepper, Feuerlöschboote und andere schwimmende Arbeitstiere den Fluss hinab - Fahrzeuge, wie sie früher auf der Themse viel häufiger zu sehen waren, als der Hafen von London noch der geschäftigste Hafen der Welt war und seine Kais und Speicherschuppen sich weit in die Stadt hinein bis zur Tower Bridge zogen.

Zur Titelmelodie der James-Bond-Filme

In der Schiffsprozession folgen noch Passagierschiffe, schmale Kanalboote, private Motoryachten; die Parade endet etwa auf der Höhe des Towers von London, von wo an auf beiden Seiten des Flusses alte Segelschiffe die Ufer säumen - ein Spalier aus Segeln, hinter dem sich der Zug der Schiffe dann aufzulösen beginnt.

Zehn Musikdampfer gliedern die einzelnen Sektionen des Umzuges: Allen voran zieht ein Schleppkahn, auf dessen Leichter acht Kirchenglocken montiert sind, deren Geläut die Prozession ankündigen soll. Es folgen unter anderen die Akademie Alter Musik, die Händels Wassermusik und Feuerwerksmusik darbietet, eine Militärkapelle, eine Pop-Band und, ganz am Ende, das London Philharmonic Orchestra. Sein Musikprogramm soll sich nach den Sehenswürdigkeiten am Ufer richten. Für den Augenblick, an dem die Flotte am Hauptquartier des Auslandsgeheimdienstes vorbeizieht, ist beispielsweise die Titelmelodie der James-Bond-Filme vorgesehen. Aber auch nach den Umständen will sich der Orchesterchef richten. Sollte es regnen, so sagte er, werde man einfach „Raindrops are falling on my Head“ spielen.

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