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Elisabeths Weg zum Thron (7) : Pflichterfüllung ging ihrer Großmutter über alles

Vier Generationen Windsors: Die Königinmutter Maria von Teck (links) und Königin Elisabeth (rechts) feiern mit der damaligen Prinzessin Elisabeth die Taufe ihrer Tochter Anne am 21. Oktober 1950. Bild: Picture alliance

Königin, Mutter und Großmutter – Maria von Teck hatte im Buckingham-Palast die Hosen an. Sie war eine Stütze für ihren Mann, eine schützende Mutter und übernahm schließlich auch die königliche Erziehung ihrer Enkelin Elisabeth.

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          Vor 70 Jahren gab es im Vereinigten Königreich ein Dreiköniginnenjahr. Die junge Thronfolgerin Elisabeth bestieg nach dem vorzeitigen Tod ihres Vaters Georg VI. am 6. Februar 1952 den Thron. Ihre Mutter Elisabeth war vorher offiziell zwar nur eine Königsgemahlin, „Queen Consort“, gewesen, hieß aber auch Königin Elisabeth. Um sich von ihrer Tochter zu unterscheiden, ließ sich die 51 Jahre alte Witwe fortan als „Ihre Majestät Königin Elisabeth, die Königinmutter“ anreden. Daraus wurde das ­liebevoll gemeinte und kürzer gefasste „Queen Mum“. Doch es gab in jenem Jahr noch eine weitere „Königinmutter“: die einstige Königsgemahlin Maria von Teck. Sie wiederum hatte nach dem Tod ihres Manns, Königs Georg V., im Jahr 1936 den offiziellen Titel einer „Witwen-Königinmutter“ bekommen. Als „Dowager Queen Mother“ aber wollte sie sich nicht anreden lassen. Und so blieb sie „Her Majesty Queen Mary“.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dass Maria von Teck einmal „Königin“ werden würde, war bei ihrer Geburt im Jahr 1867 genauso wenig abzusehen wie bei der Geburt ihrer Enkelin im Jahr 1926: Elisabeth war nur die älteste Tochter des zweitgeborenen Sohns des britischen Königs Georg V. und seiner Frau Maria von Teck. Diese wiederum war zwar über ihre Mutter eine Urenkelin des britischen Königs Georg III., und ihre Mutter war auch eine Cousine der damals regierenden Königin Victoria. Doch Marias Vater, Franz von Teck, entstammte einer „morganatischen Ehe“. Ihre Großmutter war adelig gewesen, aber von „niederem Stand“ und einem Sprössling aus dem württembergischen Königshaus nicht ebenbürtig.

          Prinzessin May, wie Maria genannt wurde, hatte mit Königin Victoria jedoch eine Patentante, die sich über solcherlei Konventionen hinwegsetzen konnte. Und so verlobte sie Maria von Teck 1891 mit ihrem Enkel Albert Victor, dem künftigen Thronfolger Großbritanniens. Der älteste Sohn des damaligen Prinzen von Wales war ein Mann von zweifelhaftem Charakter und Ruf. Es gibt bis heute Spekulationen, dass er der berühmte Serienmörder Jack the Ripper gewesen sein könnte. Nur wenige Monate nach der Verlobung mit Maria starb der erst 28 Jahre alte Albert Victor – wahrscheinlich an der Influenza.

          Verlobung nach Wunsch

          Königin Victoria hielt dennoch an ihrem Plan fest, sah sie in Maria doch eine perfekte „Königsgemahlin“. Nach der Trauerzeit verlobte sich die Vierundzwanzigjährige daher 1893 wunschgemäß mit dem nächst­jüngeren Bruder des Toten, Prinz Georg. Er war das Gegenteil des älteren. Maria und er führten eine harmonische Ehe und bekamen sechs Kinder. Es heißt, Georg sei der erste britische Prinz und dann auch König in der Geschichte des Landes gewesen, der sich keine Mätresse gehalten habe – anders als sein Vater Eduard VII., der zahllose Geliebte hatte, unter ihnen über viele Jahre Alice Keppel, die Urgroßmutter der Frau des heutigen Thronfolgers, Camilla, Herzogin von Cornwall.

          Maria von Teck und Prinz Georg im Jahr ihrer Hochzeit 1893
          Maria von Teck und Prinz Georg im Jahr ihrer Hochzeit 1893 : Bild: Abb. aus dem Band „Die Diamanten der Queen von Hugh Roberts“ (S. 138)

          Unter Marias sechs Kindern war auch „der verlorene Prinz“, wie der kleine John über Jahrzehnte genannt wurde. Denn er war nahezu verschollen und machte erst 1998 wieder Schlagzeilen, als er auf einem Bild auftauchte, das in einem Fotoalbum seines ältesten Bruders Eduard, des Herzogs von Windsor, klebte und damals versteigert wurde. John, 1905 geboren, war an Epilepsie erkrankt; auch eine Form von Autismus wird nicht ausgeschlossen. Er sei vor der Öffentlichkeit versteckt worden, weil sich der angehende König und seine Frau für ihn schämten, hieß es zunächst. Inzwischen glauben die Historiker aber, vor allem die Mutter habe den Jungen nur schützen wollen, der mit 13 Jahren starb. Dafür spricht, dass Maria von Teck auch sonst eine liebevolle Mutter und Großmutter gewesen ist. Sie war John bis zuletzt zugetan und verbrachte Zeit mit ihm, anders als etwa der älteste Bruder Eduard, der 1919 an seine damalige Geliebte Freda Dudley Ward schrieb, der Junge sei mehr ein Tier als alles andere und nur dem Fleische nach ein Bruder für ihn gewesen.

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