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Thomas Reiter im Interview : „Die Zeit ist im Fluge vergangen“

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Rückkehr in die Schwerkraft: Thomas Reiter nach der Landung Bild: AP

Wer noch nie im All war findet es faszinierend, schwerelos dahinzuschweben. Dabei vergessen wir, daß wir Wesen sind, die für das Leben auf der Erde eingerichtet sind. Thomas Reiter empfand nach seiner Rückkehr von der ISS die Schwerkraft jedenfalls als überwältigendes Erlebnis.

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          Nach einem halben Jahr auf der Internationalen Raumstation ISS freut sich Esa-Astronaut Thomas Reiter, daß er Weihnachten mit der Familie verbringen kann - notfalls in der Quarantänestation auf Cape Canaveral. Trotz der Trennung von Frau und Kindern verging die Zeit im Weltraum für den gebürtigen Frankfurter wie im Flug.

          Herr Reiter, Sie sind am Freitag abend mit der „Discovery“ von der Internationalen Raumstation zurückgekehrt. Wie war das Gefühl gleich nach der Landung?
          Das ist ein sentimentaler Moment. Man weiß: Jetzt ist die Mission, für die man jahrelang trainiert hat, vorbei. Und man kann endlich seine Familie wiedersehen.

          Und rein körperlich?
          Die Rückkehr in die Schwerkraft ist wirklich überwältigend. Im Shuttle liegt man noch auf dem Rücken im Konturensitz. Solange man sich nicht bewegt, läßt sich das gut ertragen. Wenn man aber aufstehen muß, fällt einem das unglaublich schwer. Das Gleichgewichtssystem, das System, das unseren Blutdruck reguliert, und die Muskeln müssen aktiviert werden. Die ersten Stunden sind kein Vergnügen. Wenn man den Kopf nur ein bißchen bewegt, hat man das Gefühl, daß einem total schwindlig ist. Aber heute ging's mir schon viel besser.

          Sind Sie auch gleich medizinisch untersucht worden?
          Ja. Für unsere Experimente haben wir gestern abend eine Untersuchung zum Gleichgewichtssystem gemacht und heute morgen eine zum Immunsystem. Schon in den ersten Stunden nach der Rückkehr wird hier geforscht und geschaut, wie sich der Körper nach der Rückkehr aus der Schwerelosigkeit an die Schwerkraft gewöhnt.

          Was haben Sie als erstes gegessen?
          Gestern abend hatte ich nicht so recht Appetit. Aber gerade habe ich ein schönes Frühstück hinter mir: Spiegeleier mit Schinken, Tomaten, Kaffee, Orangensaft. Ich muß sagen: Darauf habe ich mich schon lange gefreut. Das Essen an Bord ist aber auch nicht schlecht. Wenn ich das mit meiner ersten Mission zur russischen Raumstation Mir vor elf Jahren vergleiche: Man hat eine größere Vielfalt.

          Und was haben Sie in dem halben Jahr an Bord der Raumstation sonst noch vermißt?
          Zu Beginn der Mission fehlt einem nichts. Man ist begeistert vom Ausblick auf die Erde und in den Sternenhimmel. Man ist voll damit beschäftigt, das wissenschaftliche Programm auszuführen und die Station in Betrieb zu halten. Nach einer gewissen Zeit vermißt man dann die Familie, die Freunde - und die Natur, denn dort oben lebt man in einer hochtechnisierten Umgebung und hat nicht viel Platz. Ein halbes Jahr lang kann man das aber aushalten. Ich habe jede Sekunde genossen, freue mich jetzt aber auch, daß es rum ist.

          Welche wissenschaftlichen Untersuchungen haben Sie gemacht?
          Wir haben zwanzig Experimente durchgeführt, viele aus Physik, Astrophysik, Biologie. Allein das wissenschaftliche Programm der Esa umfaßte 456 Stunden. Zusätzlich gab es russische und amerikanische Programme, an denen ich teils auch mitgewirkt habe. Da geht es etwa um die Mechanismen, die das Immunsystem gegen Virusattacken hat. Jetzt gerade untersuchen die Forscher schon unsere Daten.

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