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Thomas Franz im Koch-Finale : Quarkbällchen für Israel

  • -Aktualisiert am

Der deutsche Koch Thomas Franz ist Israels neuer „Masterchef“. Bild: dpa

Mit seinen Rouladen ließ er die Einschaltquoten in die Höhe schnellen. Der Deutsche Thomas Franz ist Gewinner der Fernseh-Kochshow „Israels Masterchef“.

          Thomas Franz, der deutsche Einwanderer, überragte seine beiden letzten Konkurrentinnen am Herd nicht nur mit seinen 1,95 Metern, sondern auch kulinarisch, mit den Quarkbällchen, die er mit Aprikosen füllte. Der Hobbykoch, der aus Erftstadt stammt, wurde in der Nacht zum Mittwoch „Israels Masterchef“. Schon zuvor hatte der Jurist, der die Haare zum Pferdeschwanz bindet, die Einschaltquoten der Koch-Show im zweiten israelischen Fernsehkanal in die Höhe schnellen lassen. Mehr als eine Million Israelis schauten sich das Finale an. Franz, den man in Israel nur Tom nennt, trat gegen die israelische Araberin Salma Fajumi und die strenggläubige Jüdin Jackie Azulai an, deren Familie aus Marokko kommt.

          Palästinensische und deutsch inspirierte Küche

          Die letzte Runde wurde nach Jackie Azulais Ausscheiden zu einem Wettstreit zwischen palästinensischer und aus Deutschland inspirierter Kochkunst: Salma Fajumi, eine gläubige Muslimin, die auch beim Kochen ihr Kopftuch nicht ablegt, stellte als ersten Hauptgang das traditionelle arabische Reisgericht Maklube vor. Tom Franz improvisierte und rollte kleine Rouladen, die ebenso wie die Quarkbällchen zum Dessert seine deutsche Herkunft erkennen ließen. In den Sendungen zuvor hatte er schon mit Reibekuchen und gedämpfter Forelle mit Kartoffelsalat die Juroren begeistert. Ähnlich gut gelang es dem 39 Jahre alten Autodidakten aber auch, „Marokkanisches Kalbshirn“ zu kochen, eine Aufgabe, die ihm eine seiner Rivalinnen gestellt hatte.

          Die seit Oktober laufende Fernsehshow zeigte, wie vielfältig Menschen und Küche Israels sind - und wie kreativ. Land und Leute haben es Tom Franz angetan, seit er im Gymnasium war. Während eines Schüleraustauschs traf er zum ersten Mal Israelis. Besonders ihre Lebendigkeit gefiel ihm. Später leistete er in einem Altersheim in Tel Aviv seinen Zivildienst. Nach Banklehre und Jurastudium in Deutschland ließ er sich 2004 ganz in Israel nieder. Dort lernte er nicht nur Hebräisch. Fast drei Jahre dauerte es, bis ein Rabbiner seinen Übertritt zum Judentum anerkannte; dafür musste er sich auch beschneiden lassen.

          Der Glaube ist ihm wichtig. Während der Endrunde faltete Tom Franz immer wieder kurz die Hände, als wolle er beten, und blickte zum Himmel. Nach seinem Sieg dankte er seiner Frau und Gott: Man dürfe niemals vergessen, woher der Erfolg komme, sagt er. Seine Ehefrau Dana hatte er wenige Wochen nach seiner Konversion kennengelernt. Nicht zuletzt seinem Einfluss war es zu verdanken, dass Dana, die Tochter einer Familie von Holocaust-Überlebenden, religiös wurde. Sie wiederum überzeugte ihren Mann davon, sich beim Fernsehen zu bewerben. In Israel kennt man mittlerweile die ganze Familie. Ein Kamerateam begleitete ihn, die Ehefrau und den elf Monate alten Sohn David sogar, als sie seine Eltern in Deutschland besuchten.

          Die Liebe zum Kartoffelpuffer

          Seine deutschen Wurzeln hat Tom Franz in der Küche nie verleugnet. Das brachte ihm überraschende Sympathien ein. Ihm sei gelungen, dass viele Israelis, „die das Wort Deutschland hören, zum ersten Mal dabei auch lächeln können“, lobte ihn der Juror Haim Cohen am Dienstagabend. Selbstverständlich sind alle seine Gerichte auch koscher. Tom Franz hält sich an die jüdischen Speisegesetze, die es verbieten, Milchprodukte mit Fleisch zu vermischen; Schweinefleisch und Meeresfrüchte sind untersagt.

          In der entscheidenden Endrunde wandte sich Franz aber bewusst seiner neuen Heimat zu. Auberginencreme und Paprikapüree gab es zum Steak. Seinen „Kampf zwischen Europäischem und Mediterranem“ fanden die Juroren von Anfang an spannend. Mittlerweile kommen schon die ersten Angebote, in Israel ein Gourmetrestaurant zu eröffnen. Tom Franz kann sich aber auch vorstellen, die israelische Küche in Deutschland bekannter zu machen, sollte er nicht in Israel eine Kette mit Reibekuchen-Buden gründen. Er sei, so gibt er zu, „ein riesengroßer Fan“ der Kartoffelpuffer.

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