https://www.faz.net/-gum-9rogd

Deutsche Urlauber erzählen : Baden gehen mit Thomas Cook

  • -Aktualisiert am

Die ganze Familie trifft sich in der Lobby. Ihr Bruder erzählt, seine Familie sei aus dem Mittagsschlaf gerissen worden, der Hotelier habe energisch an die Tür geklopft und „Checkout!“ gerufen. Gerade hieß es doch noch, es sei alles in Ordnung? Die Reiseleiterin sei nicht mehr zuständig, lässt das Hotel mitteilen. Zwei Stunden hält das Hotel Laczo und ihre Familie sowie vierzig weitere Gäste in der Lobby fest, ohne Informationen. „Meine Eltern konnten ihre Herztabletten nicht einnehmen, die auf dem Zimmer lagen“, sagt sie. Um 16 Uhr dürfen alle für 60 Minuten ohne Zugangskarte in die Zimmer, um zu packen. Laczos Familie muss nach langer Diskussion zwar nicht doppelt zahlen – aber eine neue Unterkunft suchen.

Die Stille nach dem Schluss: Das Hotel von Tamara Laczo liegt verlassen da.

Heike Grün und Michael Steffen verbringen da schon seit einer Woche unbeschwerte Tage auf der maledivischen Insel Angaga. Die Abreise ist für den 4. Oktober geplant. Ihre Pauschalreise haben sie über Neckermann Reisen gebucht, die zur deutschen Thomas-Cook-Tochter gehören. Zwar hat ihre Reiseleitung mitgeteilt, dass erst mal alles weitergehe wie bisher, dennoch ist das Paar beunruhigt. Steffen sagt: „Uns war klar, der deutsche Anbieter ist nicht automatisch auch pleite. Aber da kommt noch was.“

Mittwoch, 25. September.

„Deutsche Thomas Cook stellt Insolvenzantrag“, gibt die Deutsche Presse-Agentur (dpa) um 10:11 Uhr bekannt.

Für Heike Grün und Michael Steffen auf den Malediven endet damit der Stillstand. „Wir müssen jetzt wissen: Wie geht es mit unserer Reise weiter?“ Für die Versicherung möchten sie Unterlagen ausfüllen und online einreichen. Das Problem: „Auf einer 500 Meter langen und 250 Meter breiten Insel hat man nicht unbedingt einen Drucker dabei“, sagt Steffen. Die Rezeptionisten ihres Hotels helfen, danach heißt es wieder: Warten.

Versicherer Zurich greift ein

Janina Fuchs erreicht die Airline Sun Express, mit der es am Freitag von Bulgarien nach Deutschland gehen soll. Ob der Rückflug stattfinden wird, kann man ihr nicht sagen. Auch wenn Fuchs zum Strand geht, sorgt sie sich: „Wenn es wenigstens nur mein Mann und ich wären.“ Sie könnten zur Not auch zwölf Stunden am Flughafen ausharren, sagt sie: „Aber nicht mit dem Kleinen.“

Gegen 20 Uhr können Heike Grün und Michael Steffen vorerst aufatmen. Auf den Malediven erreicht sie eine SMS ihres Reisebüros: „Neue Infos zu Ihrer Reise: Laut Veranstalter wird diese regulär zu Ende geführt.“ Eine Mail des Reisebüros eine Stunde später bestätigt Grün und Steffen, dass der Versicherer Zurich die Kosten für Hotel und Transport übernimmt. Bei Familie Fuchs und den Eichhorns meldet sich niemand. „Die Kommunikation ist gleich null“, sagt Fuchs.

Donnerstag, 26. September.

Pressemitteilung von Thomas Cook um 9:44 Uhr: „Gäste, die sich bereits im Zielgebiet befinden und deren Reise einen Sicherungsschein enthält, können ihren Urlaub regulär bis zum geplanten Ende fortführen.“

Noch immer stehen die Koffer von Familie Eichhorn gepackt im Flur. Das Paar hätte den gesamten Preis der Pauschalreise noch einmal zahlen müssen, um sie anzutreten.

Tamara Laczo und ihre Familie sind nach dem Rausschmiss aus ihrem Hotel in Antalya für zwei Nächte bei einer Freundin unterkommen. Am Donnerstagmorgen stehen sie früh auf. „Wir sind mit einem sehr schlechten Bauchgefühl zum Flughafen gefahren“, sagt Laczo. Um 4:45 Uhr reist die Familie zurück nach Deutschland, mit neu gebuchten Flügen. Eigentlich war der Rückflug für den 2. Oktober geplant: „Aber wir können nicht so eben noch mal 4000 Euro ausgeben. Und wir wollten einfach nur nach Hause.“ Ihr Reisebüro hilft ihnen, Unterlagen bei der Versicherung einzureichen.

Urlauber zahlen doppelt, um auschecken zu können

Ulrike und Tino Eichhorn aus Thüringen, die ihr Reiseziel nie erreicht haben, wissen nach wie vor nicht, ob sie ihr Geld zurückbekommen: „Ich kann nur hoffen“, sagt Eichhorn. Die Koffer stehen noch gepackt im Flur.

Familie Fuchs in Bulgarien weiß wiederum immer noch nicht, wie sie am nächsten Tag nach Hause kommt. Im Chat teilt die Fluggesellschaft ihnen mit, sie könnten nicht mitfliegen und sollten sich an die Hotline wenden. Dann die Erleichterung: Da es sich um einen Rückflug handelt, dürfen sie doch mit. Fuchs sagt: „Zum ersten Mal konnte ich runterkommen.“ Dann muss sie packen.

Weitere Themen

Hoffnung für „The Dome“

Neue Frankfurter Arena : Hoffnung für „The Dome“

Am Frankfurter Flughafen soll eine Multifunktionsarena entstehen. Auf Druck der SPD-Fraktion ist es nun zu einem Treffen mit dem Investor gekommen. Doch es gibt zwei Konkurrenzprojekte.

Topmeldungen

Borussia Dortmund außer sich : „Für Nächte wie diese lebt man“

Abermals ist Erling Haaland der Held des BVB. Doch selbst nach seinen zwei Treffern gegen Paris ist der Norweger nicht vollends zufrieden. PSG-Trainer Thomas Tuchel hat für die Niederlage derweil eine erstaunliche Erklärung.
Anne Will und ihre Gäste: Sahra Wagenknecht (Die Linke), Alice Weidel (AfD), Wolfgang Kubicki (FDP), Peter Altmaier (CDU), Melanie Amann (Leiterin des „Spiegel“-Hauptstadtbüros) und Kevin Kühnert (SPD)

AfD in Talkshows : Krokodil oder Großmutter?

Wer rechte Parolen zum Verstummen bringen will, muss nicht aufhören, mit Rechten zu reden. Die Gespräche müssen sich verbessern – doch die AfD fährt ihre eigene Strategie.
Grüner Frohsinn: Katharina Fegebank und die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt

Wahl in Hamburg : Doch keine grüne Hoffnung?

Katharina Fegebank möchte Erste Bürgermeisterin Hamburgs werden. Lange sahen die Umfragen gut für sie aus. Wie konnte es passieren, dass sie wohl nur zweite Siegerin werden wird?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.