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Thailands Königshaus : Lebewohl, meine Konkubine

Der thailändische König Maha Vajiralongkorn mit seiner Geliebten, Sineenatra Wongvajirabhakdi, die den Rang einer Generalmajorin inne hat. Bild: AP

Erst vor drei Monaten hatte der thailändische König seine Geliebte Sineenat Wongvajirapakdi zu seiner offiziellen Nebenfrau gemacht. Nun hat er sie in einem ebenso ungewöhnlichen Schritt verstoßen. Die Aufregung ist groß.

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          Die Thais waren in gewisser Weise vorgewarnt. Für die kommenden Tage werde eine bedeutende Entwicklung erwartet, hatte die stets gut informierte Journalistin Wassana Nanuam geschrieben. Doch um was für eine Entwicklung es sich handelte, blieb ein Rätsel. Die tatsächliche Nachricht kam deshalb trotz der Ankündigung überraschend.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Am Montag ließ das thailändische Königshaus verkünden, dass die erst im Juli als faktische Zweitfrau („Chao Khun Phra“) eingesetzte Geliebte des Königs, Sineenat Wongvajirapakdi, genannt „Koi“, alle ihre königlichen und militärischen Titel verliert. Damit wird die 34 Jahre alte Thailänderin entehrt und aus dem Palast verstoßen. Sie habe sich dem Königshaus gegenüber illoyal gezeigt, hieß es in der Begründung.

          Aufregung in den sozialen Netzwerken

          In den sozialen Netzwerken sorgte die Nachricht für große Aufregung. Sie ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Der Schritt, die ehemalige Krankenschwester in den Rang einer königlichen Konkubine zu erheben, war an sich schon ungewöhnlich. Denn mit dem Beginn der konstitutionellen Monarchie in Thailand im Jahr 1932 hatte auch die Tradition der königlichen Vielehe geendet.

          Der vor drei Jahren verstorbene König Bhumibol Adulyadej war 66 Jahre lang mit Königin Sirikit verheiratet, der kranken, 87 Jahre alten Mutter des amtierenden Königs Maha Vajiralongkorn. Doch nicht nur in diesem Punkt hat der neue König, der sich im Mai dieses Jahres krönen ließ, das Rad der Zeit zurückgedreht. Er hat auch die Macht seines Amtes in einer Weise ausgebaut, die zunehmend an die Zeit der absolutistischen Herrscher erinnert.

          Erstaunlich sind aber auch die fast schon detaillierten Angaben in der königlichen Gazette, mit denen die Entehrung der königlichen Nebengemahlin begründet wird. Der Hintergrund war demnach offenbar eine ausgewachsene Palastintrige. Sineenat habe das Ziel verfolgt, selbst Königin zu werden. Sie habe versucht, die Erhebung der vierten Ehefrau des Königs – die 41 Jahre alte frühere Flugbegleiterin Suthida – in den Rang einer Königin zu verhindern. Der Mitteilung zufolge sei sie zur adeligen Nebengemahlin ernannt worden, um den von ihr aufgebauten Druck zu mildern und eine Änderung in ihrem Verhalten zu bewirken. Jedoch habe sie weiter „Ambitionen“ gezeigt und sich ohne Erlaubnis des Königs an Palastaktivitäten beteiligt. Sie habe sich respektlos dem König gegenüber verhalten und Spaltung im Palast und Missverständnisse im Volk gestiftet.

          Die Vorwürfe wiegen schwer, mit langwierigen Folgen für die ehemalige Konkubine, deren bürgerlicher Name Niramon Ounprom lautet, und womöglich sogar ihre Familie. Dabei hatte der Palast noch im Juli mit der Veröffentlichung einer Serie von Fotos einen Werbefeldzug für die neue Nebengemahlin gestartet. Dort wurde sie am Steuerknüppel eines Flugzeugs, in Tarnuniform und in vollem Ornat zu Füßen des Königs gezeigt.

          Sie hatte zuletzt den Rang eines Generalmajors inne und gehörte der Leibgarde des Königs an. Die Verbindung der beiden ist schon etwas älter. So wurde sie häufig an der Seite Maha Vajiralongkorns während seiner ausgedehnten Aufenthalte in Bayern gesichtet, wo er einen großen Teil seiner Zeit verbringt. Der König besitzt eine Villa am Starnberger See. Bekannt sind die Fotos aus der Boulevardpresse, die das Paar in kurzen Trägertops in der Öffentlichkeit zeigen. 

          Gesetz gegen Majestätsbeleidigung

          Was sich genau hinter den Palastmauern abgespielt hat, wird allerdings wohl nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. In Thailand gilt eines der schärfsten Gesetze gegen Majestätsbeleidigung weltweit. Die Presse in Thailand und größtenteils auch im Ausland hält sich deshalb auch mit ihrer Berichterstattung zurück. Kritik am König und seiner Familie kann mit 15 Jahren Haft bestraft werden.

          Zwar hat es unter dem neuen König bisher noch keine diesbezüglichen Anklagen gegeben. Aber das bedeutet nicht, dass der 67 Jahre alte Monarch nicht wüsste, wie er seine Autorität zur Geltung bringt. Seit seiner Thronbesteigung und späteren Krönung hat er seine Macht kontinuierlich ausgebaut. So hat er etwa den königlichen Haushalt sowie zwei der wichtigsten Armeeeinheiten in Bangkok unter seine persönliche Kontrolle gestellt.

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