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Thailands König Rama IX. : Kosmischer Abschied vom Gottkönig

Proben für den Abschied: Tänzer vor dem prunkvollen Krematorium, das eigens für die Einäscherung des königlichen Leichnams gebaut wurde. Bild: AFP

Für die Thais war er nicht nur ein Monarch: Mehr als ein Jahr nach seinem Tod tritt König Rama IX. seine letzte Reise an. Es wird eine Jahrhundertbestattung.

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          Am ehrwürdigen Königssitz in Bangkok wird schon fleißig für den großen Tag geprobt. Ehrengarden mit puscheligen Helmen auf dem Kopf paradieren vor dem Großen Palast im Herzen der Altstadt. Sie begleiten den goldenen Streitwagen, in dem die symbolische Urne des verstorbenen Königs Bhumibol Adulyadej, auch bekannt als Rama IX., zum Krematorium gefahren wird. Dort wird er am Donnerstag in Rauch aufgehen, um die Rückkehr seines Geistes ins himmlische Reich anzutreten. Der goldverzierte Pavillon in der Mitte des pompösen Krematoriums ragt mehr als 50 Meter hoch über das Feld von Sanam Luang hinter den königlichen Palästen. Er symbolisiert den Berg Meru, der nach der buddhistischen und hinduistischen Mythologie den Mittelpunkt des Universums markiert.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Doch bis zur Einäscherung wird jeder Schritt der insgesamt fünftägigen Zeremonie, die am Mittwoch offiziell beginnt, akribisch geplant. Ein strenges Regelwerk diktiert den Gästen, wie sie sich für den einmaligen Anlass zu kleiden haben. Für die Männer sind schwarze Anzüge und Krawatten Pflicht. Sie dürfen weder lange Haare noch Bart oder gar Schnurrbart tragen. Für die Frauen ist ebenfalls ein zweiteiliges Ensemble in Schwarz vorgeschrieben, mit dezenten Röcken bis mindestens unterhalb der Knie. Unnatürlich gefärbte Haare sind bei dem feierlichen Akt ebenfalls tabu. Dabei wird der Großteil der Öffentlichkeit ohnehin keinen Zugang zu der eigentlichen Zeremonie bekommen. Neben den 7.500 geladenen Gästen, unter ihnen Repräsentanten aus aller Welt, werden 40.000 Zuschauer eingelassen. Deutschland wird durch den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff vertreten.

          Beisetzung in Thailand : Toter König „Bhumibol“ bekommt gigantische Trauerfeier

          Dafür werden die Thais bis zum Beginn der Zeremonie wohl Millionen künstliche Trauerblumen zu Ehren des Königs abgelegt haben. Im November wird das Krematorium dann auch für Normalsterbliche geöffnet. Schon jetzt ist in Thailand aber alles auf Trauer eingestellt. Das Fernsehen und die Online-Medien sind im Trauermonat Oktober in Schwarz-Weiß gehalten.

          Viele verbinden mit dem Termin das endgültige Ende einer Ära und den Eintritt in eine ungewisse Zukunft. „Dies ist unser Mandela- oder Prinzessin-Di-Moment“, sagt der Designer Apichai Klapiput. „Dies ist ein schwieriger Monat für uns Thais, und Thailand wird danach nicht mehr dasselbe sein. Viele Widrigkeiten und Unsicherheiten warten auf uns, vielleicht auch mehr Spannungen und Konflikte“, kommentiert der bekannte Politikwissenschaftler Thitinan Pongsudhirak.

          Der neue König wird im Volk nicht auf die gleiche Weise verehrt

          Für die Thais war ihr König schließlich nicht weniger als der Inbegriff des fürsorglichen Regenten, der in einem politisch turbulenten Umfeld für Kontinuität stand. Sie waren untröstlich, als er am 13. Oktober 2016 im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit gestorben war. Das „Land des Lächelns“, wie sich Thailand in den Broschüren für Touristen selbst bezeichnet, war für zwölf Monate das Land der gedämpften Stimmung. Zwölf Millionen Thais kamen, um Bhumibol an seinem goldenen Sarkophag die letzte Ehre zu erweisen. Stundenlang mussten sie dafür vor dem Palast warten, in Trauerkleidung, an der kein Staubkorn klebte. Zum Schluss war der Zeitraum, in dem sich die Jünger von ihrem Monarchen verabschieden konnten, noch einmal verlängert worden.

          Doch irgendwann muss auch Thailand in eine Art Normalität zurückkehren. Für die Zeremonie, die das Ende der Trauerzeit markiert, werden in Bangkok noch einmal eine Viertelmillion Besucher erwartet. Die Einäscherung wird von zahlreichen buddhistischen und brahmanischen Ritualen begleitet. Das prunkvolle Krematorium, an dem rund zehn Monate gewerkelt wurde, zieren mythische Tiere, Engel und göttliche Wesen. Dazu gehören auch Statuen der beiden Lieblingshunde des verstorbenen Monarchen. Der goldene Streitwagen, auf dem auch die goldverzierte Sandelholz-Urne kommt, wird von 222 Soldaten gezogen, die für diesen Zweck trainiert worden sind. Das 14 Tonnen schwere Gefährt ist schon bei diversen anderen königlichen Bestattungen in Thailand eingesetzt worden. 3.000 Darsteller und Puppenspieler werden an der Gedenkveranstaltung teilnehmen. Kosten insgesamt: umgerechnet 25 Millionen Euro.

          Angesichts der langen und prägenden Regentschaft Bhumibols erscheint vielen Thais der gewaltige Aufwand als angemessen. Bhumibol war der am längsten regierende Monarch der Welt. Sieben Jahrzehnte lang saß er auf dem Thron der jahrhundertealten Chakri-Dynastie, den er als junger Mann von seinem auf mysteriöse Weise ums Leben gekommenen Bruder Ananda Mahidol geerbt hatte. In dieser Zeit erlebte Thailand mehr als zwei Dutzend Ministerpräsidenten, ein Dutzend Verfassungen und zehn Militärputsche.

          Der neue König und älteste Sohn des Verstorbenen, der 65 Jahre alte Maha Vajiralongkorn, wird im Volk nicht auf die gleiche Weise verehrt. Am Donnerstagabend wird er zunächst den Scheiterhaufen aus seltenen Hölzern in Brand setzen. Nach der Einäscherung des Vaters dürfte er bald auch offiziell zum König Rama X. gekrönt werden. Das weltweit strengste Gesetz gegen Majestätsbeleidigung schützt ihn schon jetzt vor jeglicher Kritik. Auch bei der Zeremonie soll kein falsches Wort, kein unangemessenes Kleidungsstück den Eindruck vollkommener Ehrerbietung für das Königshaus trüben. Nicht zuletzt ist für Sicherheit gesorgt. Insgesamt sollen 78.000 Polizisten und Soldaten das Ritual beschützen.

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