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Thailand : Bauer sucht Mann

An ihr scheiden sich die Geister: die Durian-Frucht. Bild: AFP

Ein thailändischer Farmer will seine Tochter unter die Haube bringen. Und seinen Hof weiterreichen. Er kommt auf eine ganz besondere Idee.

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          Für deutsche Mittelständler ist es anspruchsvoll, Nachfolger zu finden. Für Bauern ist es noch schwieriger – wer will sich schon einen Hof ans Bein binden? Ein thailändischer Bauer hat dieselben Probleme wie seine Berufskollegen in der Marsch oder in den Alpen. Doch er hat eine Lösung: seine Tochter.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die liebreizende Kanjasita Rotthong wurde sozusagen Teil eines Paketes, das ihr Vater schnürte: Wer die 26-Jährige heiraten wolle, erklärte Anont Rotthong, bekäme dazu auch noch 10 Millionen Baht (277340 Euro), zehn Autos, ein Haus und: die Farm.

          Die freilich ist das Problem. Denn Anont baut Durian an. Die in Thailand, Malaysia und Singapur heißgeliebte Durio zibethinus ist hässlich, hubbelig, giftgrün. Vergeben. Denn sie besitzt einen wirklich großen Fehler: Sie stinkt. Und das ganz fürchterlich. Ahnungslose nehmen einen Geruch von Fäulnis und Verwesung wahr.

          Südostasiatische Kenner hingegen schwärmen vom Duft reifen Camemberts. Der aber ist so streng, das der Stadtstaat Singapur den Durian-Genuss etwa in der U-Bahn oder im Opernhaus untersagt.

          Bauer Anont aber machte aus der Pflicht eine Kür: Wer die Hand seiner schönen Tochter wolle, müsse weder einen Drachen besiegen noch sich durch einen Puddingberg futtern: Er müsse schlicht wissen, wie man die Durian-Farm ins nächste Jahrzehnt führe. „Derjenige, der weiß, wie man Durian kauft und auswählt, und wie man die Früchte von der Plantage erntet, kann die Hand meiner Tochter bekommen“, schrieb er im Internet. Um ihr Können zu beweisen, müssten die Schwiegersöhne in spe einen dreimonatigen Wettbewerb auf einer der Plantagen des 58jährigen durchstehen.

          Allerdings, so würde der Kandidat wohl schnell merken, brauchte es in Wahrheit wohl noch ein wenig mehr: Die schöne Maid hat unter anderem nämlich auch einen Hochschulabschluss von der Sun-Yat-Sen Universität in China vorzuweisen. Abends nur über Durians zu fachsimpeln, wäre ihr auf Dauer wohl ein wenig zu fade geworden.

          Dennoch war die Antwort auf die Anzeige für Hof und Hochzeit überwältigend. Als sich in wenigen Stunden zehntausend heiratswillige Durian-Fachleute um die Gunst des reichen Vaters beworben hatten, beendete der die Ausschreibung. „Ich sterbe“, gab er zu Protokoll und meinte damit, dass die Flut der Liebesbriefe ihn überwältigten.

          Kanjasita hatte da sowieso schon die Lust verloren: Zu viele Bewerber und der ganz falsche Weg, meinte sie. Ihre Zukunft, so die Schönheit vom Land, werde sie selber bestimmen. Deutsche Mittelständler seien also gewarnt. Das Fabrikle im Alter verkaufen: ja. Die Tochter aber gleich mit unter die Haube bringen? Geht gar nicht.

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