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Schauspiellegende Terence Hill : Sein Name ist Somebody

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Jorgo nickt nicht. Stattdessen widerspricht er den Zwillingen. „Ein bisschen lebt man das schon“, sagt er und erzählt, wie ihm Bud Spencer und Terence Hill beigebracht haben, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. „Egal wo die beiden hingehen, egal, was ihnen zustößt“, sagt Jorgo, „sie ziehen ihren Stiefel durch.“ Dieses Abgeklärt-Sein habe er sich abgeschaut. Es sei nicht immer einfach, blind zu sein. Jorgo sagt dann aber: „Scheiß drauf.“ „Scheiß drauf“ heißt auf Neapolitanisch: „Futteténne.“ Es war auch das Lebensmotto von Bud Spencer.

Hysterie wie beim Auftritt einer Boygroup

Wir sind bei der vierten Runde angekommen. Alle lallen. Am liebsten würde man den Plastikbecher mit der letzten, warm gewordenen Bierpfütze nach hinten schleudern, auf den Klapptisch springen und laut eine neue Runde für alle Stadtfestbesucher im Umkreis von 50 Metern bestellen, um gemeinsam aufs süße Leben anzustoßen. Stattdessen verabschiedet man sich lieber artig. Weil man eben nicht so ein Wahnsinnstyp wie Bud Spencer oder Terence Hill ist. Und vielleicht auch, weil’s ein bisschen zu teuer wäre.

Montag, 20.30 Uhr. Deutschland-Premiere von „Mein Name ist Somebody“ in Dresden bei den Filmnächten am Elbufer. Ein Freiluftkino-Festival. 3700 Plätze, seit Wochen restlos ausverkauft. Um Mitternacht gibt es deshalb eine zweite Vorstellung. Der inoffizielle Dresscode der meisten Besucher ist: Cargoshorts, kurzärmliges Hemd und Haargel mit „Wet-Look-Effekt“. Manche tragen T-Shirts, auf denen Bud Spencer zu sehen ist. Dann kommt er. Terence Hill. Plötzlich verwandelt sich die Szenerie in ein hysterisches Durcheinander, wie man es nur von Auftritten von Boygroups kennt. Vor der Bühne bildet sich eine Menschentraube. „Er hat meine Hand genommen“, schreit ein Mann seinem Kumpel zu. Hill gibt Autogramme auf fast allem. Auf iPhones, Unterarme, Filmplakate. Seinen Gang über den roten Teppich filmen mehrere Kameras. Das Bild wird live auf die Leinwand hinter Hill projiziert. Wenn von einer Kamera auf eine andere umgeschaltet wird, ist die Leinwand kurz schwarz. Sobald Hills Gesicht wieder überlebensgroß auf das Publikum herunterschaut, springen die Leute von ihren Stühlen auf und klatschen Applaus.

Die Blicke liegen auf dem Star, nicht auf der Leinwand

Nach wenigen Kinominuten: Ernüchterung. „Mein Name ist Somebody“ ist nicht der Film, den wohl viele im Publikum gerne gesehen hätten. In dem Road-Movie fährt Easy Rider Thomas (Hill) in die spanische Wüste. Um dort ein Buch von Carlo Carretto zu lesen. Einem katholischen Schriftsteller aus Italien, der Sätze schreibt wie: „Wie kann ich noch zweifeln an der Kraft meines Gebets, – wenn es obschon so gebrochen und lahm – in seinem Aufschwung vom Geist, dem weltenerschaffenden Geist, getragen ist?“ Kurz vor dem Abspann erscheint dann auch folgerichtig die Mutter Gottes. Ein anstrengender Film, der sich selbst zu ernst nimmt. Katholisch eben. Trotzdem verlässt kaum einer im Publikum die Vorstellung. Man sitzt den Film aus wie eine Kommunionsfeier.

Die Heyse-Zwillinge haben den Film von der VIP-Tribüne aus gesehen. Wenige Meter Luftlinie von Terence Hill entfernt. Von „Mein Name ist Somebody“ haben sie wenig mitbekommen. Sie haben lieber Terence Hill beobachtet und ihre Nervosität mit Bier bekämpft. „Er war den ganzen Film über da“, sagt Eric. „Hat ganz genau zugeschaut.“ Was sie auf der Leinwand gesehen haben, hat ihnen nicht besonders gefallen. Die Mitternachtsvorführung schauen sie sich aber trotzdem an. Jedenfalls die ersten Minuten. Weil Terence Hill dann noch mal über den roten Teppich geht.

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